Die Vertriebslandschaft im europäischen Automobilhandel befindet sich im tiefgreifenden Wandel. Wie aus dem "European Car Distribution Handbook 2025" (ECDH) des Institute of Customer-Driven Performance (ICDP) hervorgeht, ist die Zahl der Verkaufsstandorte im Jahresvergleich um 2,9 Prozent gesunken. Besonders stark betroffen sind die etablierten Hersteller: Bei den sogenannten "continuing brands" ging die Zahl der Standorte von Haupthändlern um 4,5 Prozent zurück. 

Nach Einschätzung der ICDP-Experten handelt es sich dabei um den stärksten Rückgang der Vertriebsnetze etablierter Autohersteller seit mehr als zehn Jahren. Gleichzeitig zeigt sich ein differenzierteres Bild im Werkstattgeschäft. Zwar bauten auch viele Traditionsmarken ihre Servicenetzwerke ab, doch die Zuwächse anderer Hersteller – darunter zahlreiche Neueinsteiger – konnten dies mehr als ausgleichen. Insgesamt blieb die Zahl der Servicestandorte in Europa damit nahezu stabil und legte leicht um 0,1 Prozent zu.

Besonders drastisch fällt der Einschnitt bei Jaguar aus. Die britische Traditionsmarke reduzierte die Zahl ihrer Haupthändler laut ICDP im Jahresvergleich um 31 Prozent. Hintergrund sind sowohl die laufende Restrukturierung des Händlernetzes als auch der Produktionsstopp der aktuellen Modellgenerationen im Zuge der strategischen Neuausrichtung der Marke.


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Interessant: Auch die Erfolgsmarke Dacia verzeichnet deutliche Rückgänge. Der rumänische Hersteller, der historisch stark auf das Renault-Händlernetz aufgesetzt hat, verringerte die Zahl seiner Haupthändler um zwölf Prozent. "Dies ist Teil einer umfassenden Netzwerküberarbeitung in den Jahren 2023 und 2024 – mit dem Ziel, die Standorte stärker an das Markenbild anzupassen und den Marktstart neuer Modelle vorzubereiten", analysiert ICDP. 

Parallel dazu setzt die Stellantis-Gruppe ihre konzernweite Restrukturierung fort. Dies schlägt sich ebenfalls in den Vertriebsnetzen der Marken nieder: Für Alfa Romeo melden die Fachleute ein Minus von 11,9 Prozent bei den Verkaufsstandorten in Europa, bei Fiat von 10,3 Prozent und bei Jeep von 7,4 Prozent. Auch Nissan hat seine Netze zuletzt deutlich verkleinert – gerade vor dem Hintergrund rückläufiger Verkaufszahlen sowie globaler Kapazitätsanpassungen. Hier gab es einen Schwund von elf Prozent. Ziel sei es gewesen, die Strukturen den aktuellen und erwarteten Absatzmengen anzugleichen – ein klassisches "Right-Sizing", wie ICDP betont.

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BYD, MG und Omoda auf Expansionskurs

Während etablierte Marken ihre Präsenz konsolidieren, treiben neue Marktteilnehmer ihre Expansion europaweit mit hohem Tempo voran – allen voran Hersteller aus China. BYD, Omoda & Jaecoo und MG verzeichnen ein starkes Wachstum und prägen die Entwicklung in Europa zunehmend. BYD baute sein Vertriebsnetz laut ECDH um 62 Prozent auf 594 Standorte aus. Trotz Herausforderungen in einzelnen Märkten, insbesondere in Deutschland, wuchs der Absatz schneller als das Händlernetz. Der durchschnittliche Absatz pro Haupthändler sei von 46 Fahrzeugen im Vorjahr auf 100 gestiegen, heißt es. 

MG Motor, dessen europäische Aktivitäten zwischen 2012 und 2020 auf das Vereinigte Königreich beschränkt waren, ist inzwischen in 31 Märkten aktiv und hat in den vergangenen fünf Jahren rund 1.100 Händler gewonnen. Gleichzeitig entwickelte sich der Absatz der Analyse zufolge überproportional: Der durchschnittliche Verkauf pro Haupthändler stieg von 100 Fahrzeugen im Jahr 2019 auf über 200 im vergangenen Jahr. 

Auch Omoda Jaecoo setzte nach dem europäischen Markteintritt 2024 auf schnelle Expansion. Inzwischen umfasst das Vertriebsnetz 221 Franchise-Standorte in Europa. Parallel dazu vervielfachte sich das Absatzvolumen bis Ende 2024 – der stärkste Zuwachs aller neuen Marktteilnehmer in diesem Zeitraum. Weitere chinesische Hersteller wie Xpeng (plus 428 Prozent) und Zeekr (plus 89 Prozent) forcieren ebenfalls ihre Aktivitäten, wenn auch mit kleineren Netzen und geringeren Absatzzielen als die großen Volumenanbieter.


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