Niedrige Temperaturen im Winter setzen Elektroautos spürbar unter Druck: Ihre Reichweite schrumpft, teils deutlich. Wie groß Unterschiede zwischen einzelnen Modellen und Herstellern ausfallen können, hat der ADAC nun in einem vergleichenden Labortest untersucht. Dabei traten 14 Fahrzeuge von 14 Marken unter identischen Bedingungen gegeneinander an. Als bestes Gesamtpaket setzte sich der Audi A6 Avant E-Tron durch.
Für den Vergleich definierte der Automobilclub Bedingungen für die Zusammensetzung des Testfelds. Alle Kandidaten mussten eine WLTP-Normreichweite von mindestens 500 Kilometern aufweisen, preislich unter 100.000 Euro liegen und familientauglich sein. Im „Testlabor Elektromobilität“ absolvierten die Fahrzeuge bei durchschnittlich null Grad Celsius eine simulierte Langstrecke von knapp 600 Kilometern, die an die Route München–Berlin angelehnt war. Geschwindigkeit, Verkehrsfluss und weitere Faktoren blieben dabei für jedes Fahrzeug identisch.
Nach der Reichweitenmessung folgte der Ladetest an einem 300-kW-Schnelllader, bei dem Ladeleistung und Energiemenge erfasst wurden. Daraus ermittelten die Tester den Stromverbrauch inklusive Ladeverlusten und die Reichweite, die innerhalb von 20 Minuten Schnellladen ab zehn Prozent Ladezustand nachgeladen werden kann. In die Gesamtwertung flossen die erzielte Reichweite und die nachgeladene Reichweite zu je 25 Prozent sowie der Verbrauch zu 50 Prozent ein.
Auch der Sieger muss einmal laden
Mit der Gesamtnote 1,9 sicherte sich der Audi A6 Avant E-Tron Performance klar den Sieg. Nach knapp vier Stunden Fahrzeit kommt er im Wintertest auf 441 Kilometer und begnügt sich dabei mit 23,2 kWh pro 100 Kilometer. Für die komplette Distanz ist damit ein Ladestopp notwendig, der dank 800-Volt-Architektur zudem kurz ausfällt. Innerhalb von 20 Minuten lässt sich Strom für rund 300 zusätzliche Kilometer nachladen. Ein Bestwert im Feld. Beim Verbrauch musste sich der Audi lediglich dem Tesla Model Y geschlagen geben. Trotz seines SUV-Formats und Allradantriebs weist er mit 22,2 kWh/100 km den niedrigsten Energiebedarf aus und belegt damit in der Gesamtwertung mit der Note 2,5 Rang zwei. Dahinter folgen der Volkswagen ID.7 Tourer (2,7) und der Smart #5 (2,9), die ebenfalls mit solider Winter-Performance überzeugen.
ADAC Wintertest E-Reichweite (2026)
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Hoher Preis bedeutet nicht viel Reichweite
Auffällig ist, dass ein hoher Preis im aktuellen Vergleich nicht automatisch mit großer Reichweite einhergeht. Zwar bewegt sich der Audi mit einem Preis von 77.250 Euro im oberen Segment, doch die drei nächstplatzierten Modelle von Tesla, Volkswagen und Smart liegen mit Preisen zwischen rund 51.000 und 55.000 Euro deutlich darunter und punkten mit einem ausgewogenen Kosten-Nutzen-Verhältnis.
Das teuerste Fahrzeug im Test, der Volvo EX90 für 91.700 Euro, landet dagegen mit der Note 3,6 nur auf dem vorletzten Platz. Ein Verbrauch von 31,6 kWh pro 100 Kilometer belastet die Bilanz, auch wenn die 107-kWh-Batterie eine Reichweite von 360 Kilometern ermöglicht. Das Schlusslicht bildet der BYD Sealion 7 mit der Note 4,0. Trotz einer Akkukapazität von 91,3 kWh schaffte er 293 Kilometer. Im Testumfeld war der Chinese das einzige Modell, dass unter der 300-Kilometer-Marke blieb. Ein Energiebedarf von deutlich über 35 kWh pro 100 Kilometer weist auf erheblichen Optimierungsbedarf bei winterlichen Bedingungen hin.
ADAC deckt auf: große Lücke zwischen Norm und Praxis
Damit hat der Wintertest des ADAC ein weiteres Mal auch die große Lücke zwischen Norm und Praxis bei den Verbräuchen bestätigt. Im Durchschnitt lag der Verbrauch im Winter-Langstreckentest bei Autobahntempo rund 57 Prozent über den WLTP-Angaben, die unter idealisierten Bedingungen bei 23 Grad Celsius ermittelt werden.
Die Abweichung fällt beim Hyundai Ioniq 5 mit 69 Prozent über dem Normwert besonders stark aus. Am nächsten an der WLTP-Reichweite bleibt das Tesla Model Y mit einer Differenz von 40 Prozent. Aus Sicht des Verkehrsclubs reichen die Reichweitenrechner auf den Hersteller-Webseiten nicht aus, um Transparenz für Verbraucher zu schaffen. Gefordert werden deshalb realistische Angaben zu Winterreichweiten, insbesondere für längere Autobahnfahrten.
E-Reichweitenkönige im Winter
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