Europa mit den vielen Auto-Nationen ist für die Fahrzeughersteller zwar der spannendste und härteste Markt. Doch mittlerweile sind China, Indien, Lateinamerika die boomenden Regionen, auf die sich alle Hersteller verstärkt stürzen. Renault etwa verkaufte 2025 in Europa rund eine Million Fahrzeuge. Weltweit wurden weitere 600.000 Renault geordert, elf Prozent mehr als im Vorjahr. Tendenz steigend. Heute ist die Marke ist in mehr als 80 Ländern präsent, beschäftigt außerhalb Europas über 35.000 Mitarbeiter und betreibt weltweit mehr als 2.000 Vertriebs- und Servicestandorte. 

Agiles Auslandsgeschäft 

Dabei setzt Markenchef Fabrice Cambolive konsequent den 2023 aufgelegten "International Game Plan" um. Im Kern geht es darum, für jeden Markt gezielt passende Modelle zu entwickeln und kurzfristig auf geänderte Bedingungen wie schwankende Wechselkurse oder Zölle zu reagieren. "Der Plan verschafft uns die nötige Agilität und erlaubt es uns, Chancen zu nutzen und zugleich Preise und Restwerte zu sichern." Entwickelt wird nicht nur in Frankreich, sondern weltweit. Designzentren in Brasilien, Rumänien, Korea und Indien sind mit der Zentrale in Frankreich verknüpft und bekommen mehr und mehr Kompetenz. So soll sich das Auslandsgeschäft dauerhaft als zweite tragende Säule neben Europa etablieren.


Renault Boreal (2025)


Bis 2027 investieren die Franzosen rund drei Milliarden Euro in acht neue Modelle für Regionen außerhalb Europas. Fünf Fahrzeuge sind bereits eingeführt oder kommen in den nächsten Monaten. Dabei konzentriert sich die Marke aufs wachsende Kompakt-Segment sowie auf größere Modelle, die mehr Rendite versprechen. Parallel soll der Anteil elektrifizierter Antriebe steigen. Schon in ein paar Jahren soll jeder dritte außerhalb Europas verkaufte Renault mit Hybrid oder Elektroantrieb unterwegs sein. "Unser Anspruch ist, auf den internationalen Märkten das zu erreichen, was wir in Europa bereits geschafft haben: mehr Wertschöpfung pro Fahrzeug und eine konsequente Elektrifizierung", sagt Cambolive. 

Regional konzentriert sich Renault auf fünf Schwerpunkte. In Lateinamerika steht Brasilien im Mittelpunkt, ergänzt durch Werke in Argentinien und Kolumbien. Marokko und die Türkei bilden die Verbindung zwischen Europa und internationalen Märkten. In Asien übernehmen Indien und Südkorea eine Schlüsselrolle. Technisch stützt sich das Modellprogramm auf zwei Architekturen. Eine modulare Multi-Energie-Plattform von Renault ist für mehrere Regionen ausgelegt. Sie eignet sich auch für Hybridantriebe. Hinzu kommt die kompakte modulare Architektur aus der Kooperation mit Geely, die vor allem größere Fahrzeuge trägt.

Zu den wichtigen Modellen zählt der Kardian aus Brasilien und Marokko, ein kleiner SUV für Nordafrika und Lateinamerika. © Foto: Renault

Im Markt zeigen sich erste Effekte. Für 2025 meldet Renault außerhalb Europas ein Wachstum von rund elf Prozent. Zu den wichtigen Modellen zählt der Kardian aus Brasilien und Marokko, ein kleines SUV für Nordafrika und Lateinamerika. Mit dessen Hilfe kommt Renault im traditionell Frankreich-orientierten Marokko bereits auf 20 Prozent Marktanteil. Weitere 20 Prozent macht Dacia. Ergänzt wird das Angebot durch den Boreal, ein C-SUV für Lateinamerika, den Mittleren Osten und den Mittelmeerraum.

Dacia Duster mit Rhombus-Logo 

Der Duster aus türkischer Produktion soll helfen, den ursprünglich von Dacia aufgelegten Kompakt-SUV weltweit auszurollen. Nicht nur in der Türkei wird er als Renault verkauft und hilft, die Markenpräsenz zu erhöhen. Nächste Etappe für den Duster ist Indien, wo er in Chennai in einer höheren, komfortableren Variante speziell für diese Region vom Band läuft. Mit erst 4,3 Millionen Neuzulassungen bei über 1,4 Milliarden Einwohnern biete Indien ein gewaltiges Potenzial, so Produktvorstand Bruno Vanel. Deshalb haben die Franzosen das ursprünglich gemeinsam mit Nissan betriebene Werk in Chennai übernommen und steuern den Standort nun allein. So kann der Konzern Investitionen und Exportstrategien eigenständig festlegen. 


Renault Filante (2027)


In Südkorea wächst Renault mit dem Grand Koleos und profitiert dort von der hohen Nachfrage nach Hybridantrieben. Zusätzlich steht der Crossover Filante in den Startlöchern, 4,90 Meter lang und hochwertig eingerichtet. Südkorea mit seinen 1,2 Millionen Neuwagen pro Jahr soll im Portfolio von Renault ebenfalls weiter aufgewertet werden, unter anderem mit chinesischer Hilfe. Geely hält rund ein Drittel an Renault Korea und dient als Entwicklungspartner und Lieferant für Plattformen und Antriebstechnik. "Korea ist ein Markt mit hohen Ansprüchen an Komfort, Technik und Segmentpositionierung. Genau hier wollen wir unsere Kompetenz im D- und E-Segment weiter ausbauen", erläutert Produktchef Vanel.

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