"2025 war für die Versicherer ein gutes Jahr mit spürbarem Beitragswachstum – und das in einem insgesamt schwachen wirtschaftlichen Umfeld", sagte GDV-Präsident Norbert Rollinger vergangene Woche in Berlin.
Getragen wurde das branchenweite Beitragswachstum 2025 dem Vernehmen nach von inflationsbedingten Prämienanpassungen, einem "starken Einmalbeitragsgeschäft" in der Lebensversicherung sowie steigenden Beitragseinnahmen in der Privaten Krankenversicherung.
"Das solide Wachstum 2025 darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Spielräume kleiner werden“, so Rollinger. "Wenn weniger gebaut, investiert und konsumiert wird, trifft das langfristig auch die Versicherungswirtschaft."
2026er-Prognose "verhalten"
Für 2026 fällt der Ausblick bereits verhaltener aus. Hintergrund ist die "strukturelle Schwäche der deutschen Wirtschaft", die Wachstum und Beschäftigung zunehmend bremse, "auch wenn höhere Staatsausgaben kurzfristig stabilisierend wirken".
Im Einzelnen prognostiziert der GDV für 2026 ein Plus von 5,2 Prozent in der Schaden- und Unfallversicherung, ein Plus von 10,5 Prozent in der Privaten Krankenversicherung (PKV) und ein Plus von 1,1 Prozent in der Lebensversicherung. Letztere bleibt dabei stark abhängig vom Einmalbeitragsgeschäft, während laufende Beiträge leicht rückläufig sind.
Schaden und Unfall durch Kfz-Sparte beflügelt
"Nach mehreren schwierigen Jahren" habe die gesamte Schaden- und Unfallversicherung 2025 wieder spürbar zugelegt. Die Beitragseinnahmen stiegen um 7,7 Prozent auf 99,7 Milliarden Euro. Haupttreiber war die Kfz-Versicherung mit einem Beitragsplus von 13,4 Prozent. Die wiederholten Prämienanpassungen waren bedingt durch "inflationsbedingte Nachholeffekte und steigende Reparaturkosten", wie es offiziell hieß.
Auch das Ausbleiben größerer Naturkatastrophen im Jahr 2025 habe sich positiv auf die Schadenbilanzen vieler Versicherer ausgewirkt. Die Kfz-Sparte erzielte erstmals seit mehreren Jahren wieder ein positives versicherungstechnisches Ergebnis mit schwarzen Zahlen. Im Schaden und Unfallsektor dürfe man aber nicht vertrauen, dass auch künftig alles so weitergehe und in den kommenden Jahren keine extremen Naturereignisse auftreten würden, so Rollinger. Denn: "Klimarisiken werden langfristig weiter zunehmen."
Wieder Kritik an ET- und Werkstattkosten
Für 2026 erwartet der GDV im Schaden- und Unfallbereich dennoch ein neuerliches Beitragswachstum von 5,2 Prozent. "Ersatzteile und Werkstattkosten bleiben jedoch herausfordernd und preistreibend", wurde einschränkend angemerkt: "Seit 2015 sind die Ersatzteilpreise um mehr als 80 Prozent gestiegen – bei einem Verbraucherpreisanstieg von rund 30 Prozent."
Mehr Elementarverträge vs. künftige Naturschaden-Zunahme
Aber auch die stärkere Verbreitung von Elementardeckungen wirke wachstumsfördernd. Dem positiven Aspekt ließ der GDV-Präsident erneut die klare Warnung vor der Volatilität des Klimas folgen: "All das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich Klimaschäden durch extreme Wetterereignisse zunehmend in der Schadenbilanz niederschlagen werden."
Höhere Beiträge in Kranken- und Lebensparte
In den beiden weiteren Hauptsparten sieht es wie folgt aus: Die Private Krankenversicherung (PKV) verzeichnete 2025 ein Beitragswachstum von 7,3 Prozent auf 54,4 Milliarden Euro. Gleichzeitig stiegen die Leistungsausgaben um 7,1 Prozent auf 42,1 Milliarden Euro – insbesondere infolge des medizinischen Fortschritts und der allgemein steigenden Kosten im Gesundheitswesen.
In der Lebensversicherung treiben Einmalbeiträge das Wachstum (+ 16,9 Prozent). Der Bereich legte 2025 um 5,1 Prozent auf 99,4 Milliarden Euro zu. Sinkende Inflation, steigende Reallöhne, stabile Langfristzinsen und der erhöhte Höchstrechnungszins machten Sparprodukte wieder attraktiver.
Das Geschäft mit laufenden Beiträgen blieb dagegen nahezu stabil (+0,1 Prozent). Für 2026 prognostiziert der GDV ein moderates Plus von 1,1 Prozent, getragen von weiteren Zuwächsen bei Einmalbeiträgen (+4,8 Prozent), während laufende Beiträge voraussichtlich um 0,8 Prozent zurückgehen.
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