Anlässlich der Olympischen Winterspiele Milano Cortina 2026 stellten der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) mit den Experten des Allianz Zentrum für Technik (AZT) in Cortina d’Ampezzo die aktuellen Ideen und Forschungsergebnisse zur Verbesserung der Sicherheit für die Bobsportler der Medienöffentlichkeit vor. Im Mittelpunkt stand der Allianz Safety Sled mit dem neuen HIP-System (Head Impact Protection) zur Vermeidung von Kopfverletzungen bei den Athletinnen und Athleten und das Gurtsystem PASS (Passive Athlete Safety System) zur Sicherung des Bremsers und des zweiten Anschiebers im Bob.
Quantensprung für die Bob-Sicherheit
"Der Bobsport ist die Formel 1 des Wintersports und als schnellste Wintersportart bleiben die Gefahren sehr real. Während an der Sicherheit der Bahnen in den vergangenen Jahren erfolgreich gearbeitet wurde, werden wir künftig mit dem HIP- und PASS-System die Sicherheit der Athletinnen und Athleten im Bobsport deutlich erhöhen", sagte Thomas Schwab, Vorstandsvorsitzender des BSD. Weiter konstatierte er: "Beide Lösungen bedeuten einen Quantensprung für die Sicherheit im Bobsport. Wir haben sie zusammen mit dem Allianz Zentrum für Technik (AZT) entwickelt. Die Systeme sind Teil eines ganzheitlichen Sicherheitskonzepts. Dieses umfasst sowohl den Schutz des Kopfes, die Verhinderung des Herausschleuderns der Sportler nach einem Sturz sowie die Verbesserung der Schutzkleidung."
Adaption auf verschiedene Bob-Modelle angestrebt
Die beiden Konzepte werden zeitnah mit den Sport- und Materialkommissionen des Internationalen Bob & Skeleton Verbandes (IBSF) besprochen. Dabei sei es wichtig, dass die vorgestellten Lösungen mit den Experten und den Herstellern der Sportgeräte so gestalten werden, dass die Adaption auf unterschiedliche Bob-Modelle einfach und problemlos umgesetzt werden kann.
"Die Zielstellung wäre, dass beide Systeme bis spätestens Mitte 2028 zum Einsatz kommen", so Thomas Schwab.
Sicherheit im Bob nach einem Sturz
Das Allianz Zentrum für Technik (AZT), unterstützt durch die Technische Universität München (TUM), hat im Rahmen des Projekts eine Analyse der einzelnen Positionen im Bob vorgenommen. Dabei hat sich gezeigt, dass die beiden vorderen Sportler primär durch das Aufschlagen des Kopfes gefährdet werden. Die beiden hinteren Sportler haben bei einem Sturz ein hohes Risiko, aus dem Bob geschleudert zu werden.
HIP-System für einen besseren Kopfschutz
Die offene Bauweise des Bobs erfordert, ähnlich einem Cabrio, bei dem durch den Frontscheibenrahmen und den hinteren Überrollbügel eine Sicherheitszone ohne Dachstruktur geschaffen wird, eine vordere und hintere Struktur, die Kräfte von den Athletinnen und Athleten fernhalten kann. Die neue Sicherheitszelle im Bob soll direkte Einwirkungen auf die Insassen verhindern. Gefährdet ist vor allem der Kopf, der bei einem Sturz heute nicht ausreichend geschützt werden kann. Zu diesem Zweck wurde der HIP (Head Impact Protection) vorne entwickelt, der unmittelbar den Kopf der Fahrerin oder des Fahrers schützt. Die Erweiterung dieses Schutzes für die Anschieber und Anschieberinnen wird in einem weiteren Schritt durch erhöhte Anschubbügel hinten gewährleistet, so dass mehr sicherer Raum für alle Insassen verfügbar wird.
"Für den Kopfschutz war es entscheidend, dass zuerst eine strukturelle Integration auch in bestehende Bobs einfach möglich ist, um die Umsetzbarkeit bei allen internationalen Teams zu gewährleisten. Daher muss eine weitgehend standardisierbare Ausführung gefunden werden. Zudem darf die Beweglichkeit der Athletinnen und Athleten beim zeitkritischen Einstieg in den Bob nicht behindert werden", sagte Christian Sahr, Leiter des Allianz Zentrum für Technik (AZT).
Diese Entwicklungsarbeit wird vom Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) in Berlin durchgeführt, das traditionell die Bobs für den BSD herstellt und daher die Erkenntnisse zu den strukturellen Anforderungen an den Bob ideal einbringen kann.
PASS-Gurtsysteme schützen Sportler in Position 3 und 4
Besonders gefährdet im Falle eines Sturzes ist die Position 4 im Bob aufgrund ihrer bei diesen atypischen Belastungen unvorteilhaften Körperhaltung. Das ganzheitliche Sicherheitskonzept des BSD und der Allianz sieht deshalb vor, dass bevorzugt die beiden hinteren Athleten im Schlitten gesichert werden. Die Insassensicherung dazu wurde im AZT entwickelt. Am gefährdetsten im Falle eines Sturzes ist die Position 4 im Bob, der Bremser. Er befindet sich in einer vulnerablen Situation, weil er sich nur sehr weit von seinem Körperschwerpunkt entfernt festhalten kann. Deshalb kann er im Falle eines Sturzes aus dem Bob gehoben werden. Um dies zu verhindern, ist eine schwerpunktnahe Sicherung notwendig.
"Wir haben mit dem Bob-Team Illmann einige Konzepte am Eiskanal Altenberg testen können. Hierbei hat sich für den Bremser ein Gurtsystem als beste Lösung gezeigt, bei dem der Athlet in eine bereits geöffnete Gurtschlaufe springt und diese sich danach automatisch um sein Becken legt. Im Falle eines Sturzes kann der Sportler so im Schlitten gehalten werden. Damit können Eiskontakte und damit einhergehende Verletzungen wie beispielsweise an der Wirbelsäule oder auch nur Verbrennungen durch das Scheuern auf dem Eis bei hoher Geschwindigkeit vermieden werden", sagte Markus Beischl, Ingenieur für Sportgeräte und Sportmaterialien im Allianz Zentrum für Technik (AZT).
Bob-Pilot Maximilian Illmann ergänzte: "Wir haben ein System getestet, bei dem der Bremser nichts tun muss und sich der Gurt selbstständig ohne Zutun selbst befestigt. Der Bremser muss sich nicht aktiv anschnallen oder seine Sitzposition verändern. Die Variante lässt sich einfach in jedes Gerät bauen, stört das normale Startprozedere so gut wie gar nicht und bietet die Sicherheit, im Falle des Sturzes den Bremser in Position zu halten."
Des Weiteren wird derzeit erprobt, ob und wie eine zusätzliche Handgelenksicherung den Oberkörper des Bremsers im Fall von Bewusstlosigkeit innerhalb der Sicherheitszelle halten kann.
Die Sicherung des Sportlers auf Position 3 ist aufgrund der engeren Platzverhältnisse anspruchsvoller. Hierbei hat das AZT eine Ankopplung mithilfe eines am Becken getragenen Gurtes an einem automatischen Verschlusssystem entwickelt, das an der Fahrwerkstruktur hinter dem Athleten befestigt wird. Das Konzept wird derzeit bereits mit den Aktiven erprobt.
Der Athlet in der Position 2 wird durch das HIP-System geschützt und hat aufgrund seiner Sitzposition ein sehr geringes Risko aus dem Schlitten geschleudert zu werden. Der Pilot ist aufgrund seiner Sitzposition vor dem Herausfallen aus dem Schlitten ausreichend gesichert.
Strategische Partnerschaft
Die Allianz ist offizieller Versicherer und strategischer Partner der Olympischen und Paralympischen Bewegung, hat zu einer erfolgreichen Ausrichtung von Paris 2024 beigetragen und begleitet aktuell auch die Olympischen Winterspiele Milano Cortina. Durch die Partnerschaft mit dem Deutschen Bob- und Schlittenverband erweitert die Allianz ihr Engagement für den Spitzen- und Breitensport.
Seit vielen Jahren ist der Münchner Versicherer zudem Partner des FC Bayern sowie Sponsor der Herren- und Damenmannschaft des Vereins. Neben diesen globalen Partnerschaften unterstützt die Allianz in Deutschland zahlreiche lokale Vereine von Alba Berlin Frauen Basketball bis zum Mannheimer Hockeyclub. Dabei steht besonders die Kinder- und Jugendarbeit im Mittelpunkt. Sport und Bewegung unter Jugendlichen fördert die Allianz auch über die Initiative MoveNow.
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