Tanken ist den zweiten Tag in Folge wieder etwas billiger geworden. Superbenzin der Sorte E10 kostete im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Donnerstags 2,006 Euro pro Liter, das waren 0,5 Cent weniger als am Vortag, wie der ADAC mitteilt. Diesel sank um 0,4 Cent auf 2,130 Euro pro Liter. Die aktuelle Atempause für die deutschen Autofahrer könnte allerdings von kurzer Dauer sein: Am Freitagmorgen waren beide Kraftstoffe einige Cent teurer als zum gleichen Zeitpunkt am Donnerstag.
Hintergrund könnte der Ölpreis sein, der am Donnerstag und Freitag wieder höher lag als Mitte der Woche. Die Preise sind in den knapp zwei Wochen seit Beginn des Iran-Krieges stark gestiegen. Am letzten Tag vor Beginn der Angriffe war E10 um knapp 23 Cent billiger als am Donnerstag, Diesel um gut 38 Cent.
Deutschland beim Preisanstieg ganz vorne
"Deutschland ist beim Preisanstieg Spitzenreiter", sagt der Vorsitzende der Monopolkommission, Tomaso Duso und kritisiert: "Dass die Preisanstiege in Deutschland deutlich stärker ausfallen als im europäischen Durchschnitt, ist ein Hinweis darauf, dass wir strukturelle Probleme im Mineralölmarkt anpacken müssen." Duso bezieht sich auf Preise ohne Steuern und Abgaben, doch auch der Blick auf die tatsächlich an der Tankstelle bezahlten Preise sieht eine ungleiche Entwicklung zwischen Deutschland und seinen EU-Nachbarn. Zur Schweiz liegen keine sauber vergleichbaren Daten vor.
Während Diesel den EU-Daten zufolge in Deutschland vom 23. Februar bis 9. März um 43 Cent pro Liter teurer wurde, ging es in den Nachbarländern nur um 22 bis 38 Cent pro Liter nach oben. Bei Superbenzin stieg der Literpreis in Deutschland in den zwei betrachteten Wochen um 25 Cent. In den Nachbarländern - mit Ausnahme Österreichs - um 11 bis 13 Cent. In Österreich waren es knapp 20.
Preisunterschiede wachsen
Die Entwicklung macht an den meisten Grenzen Tanktourismus attraktiver. Abgesehen von den Niederlanden und Dänemark waren Superbenzin und Diesel schon vor Kriegsbeginn in den Nachbarländern günstiger. Das Sparpotenzial ist nun noch weiter gestiegen. Am höchsten war es am 9. März den Daten der EU-Kommission zufolge an der tschechischen und polnischen Grenze sowie zu Luxemburg mit Preisunterschieden von teils mehr als 50 Cent pro Liter.
Österreich
Der südöstliche Nachbar ist ein Tanktourismus-Klassiker. Schon lange ist Sprit dort günstiger und in den beobachteten zwei Wochen stieg der Unterschied bei Benzin von 32 auf 37 Cent, bei Diesel von 19 auf knapp 27. Ob das als Beleg taugt, dass die dortige Spritpreis-Regelung, nur eine Preiserhöhung pro Tag zuzulassen den Anstieg bremst ist eine andere Frage. In Österreich ging es zwar langsamer nach oben als in Deutschland, aber schneller als in den meisten anderen Nachbarländern.
Tschechien
Tschechien gehört zu den Ländern mit dem höchsten Preisunterschied zu Deutschland. Bei Benzin und Diesel waren es zuletzt mehr als 50 Cent, vor allem wegen niedrigerer Steuern und Abgaben. Die Preise sind dort ebenfalls gestiegen, wenn auch langsamer als in Deutschland. Im unmittelbaren Grenzgebiet blüht derzeit der Tanktourismus aus Deutschland. Tschechische Medien berichten allerdings, dass der deutsche Zoll Tanktouristen verstärkt an Grenzübergängen kontrolliere.
Polen
Polen gehört mit einem Preisunterschied von mehr als 50 Cent bei Benzin und mehr als 40 Cent bei Diesel ebenfalls zur Spitzengruppe, was auch dort traditionell zu Tanktourismus führt. Ursache sind vor allem niedrigere Steuern. Doch auch dort klagen die Autofahrer über steigende Preise für Benzin und Diesel an den Tankstellen, und die Menschen in Polen verdienen deutlich weniger als in Deutschland.
Belgien
Auch dort tankt es sich billiger: Benzin ist mehr als 40, Diesel mehr als 30 Cent günstiger als in Deutschland und so kam es in den vergangenen Tagen immer wieder zu Schlangen an Tankstellen nahe der deutschen Grenze, wie Belgiens Polizei auf dpa-Anfrage mitteilte. Es gebe auch kleinere bis mittlere Verkehrsunfälle und Streitigkeiten, teilte ein belgischer Polizeisprecher mit. Sogar eine Körperverletzung nahm die Polizei auf. In Belgien wird für Benzin, Diesel und andere Erdölprodukte an jedem Werktag ein Höchstpreis festgelegt, den die Anbieter laut belgischem Wirtschaftsministerium oft unterbieten. Der Mechanismus zur Höchstpreisbestimmung existiert seit 1974 und ist eine Folge der Ölkrise.
Luxemburg
Die Spritpreise in Luxemburg sind niedriger als in vielen anderen Ländern. Bei Benzin waren es am Montag rund 50, bei Diesel rund 30 Cent Unterschied zu Deutschland. Das führt zu erheblichem Tanktourismus, teilweise mit Schlangen an den Tankstellen mit vielen deutschen Kennzeichen. In Luxemburg legt das Wirtschaftsministerium Höchstpreise für Benzin, Diesel und Heizöl fest. Normalerweise werden die Preise etwa zweimal monatlich verändert – allerdings sind bei besonderen Marktschwankungen häufigere Neufestsetzungen üblich.
Frankreich
Die Regierung hat dort mit Kontrollen von Tankstellen und den von ihnen verlangten Preisen auf die Entwicklung reagiert. Bei fünf Prozent der kontrollierten Tankstellen wurden Sanktionen verhängt. Bisher sind die Preise für Benzin und Diesel in Frankreich um 12 bis 13 Cent weniger gestiegen als in Deutschland. Die Kraftstoffe sind damit rund 20 Cent billiger als hierzulande.
Dänemark
Die Preise in Dänemark sind ähnlich wie in Deutschland, Tanktourismus spielt daher keine Rolle. Im Land gibt es keine Spritpreisbremse oder ähnliche staatliche Werkzeuge. Ganz im Gegenteil wurden die ohnehin schon hohen Abgaben auf Kraftstoffe in den vergangenen Jahren weiter angehoben. So liegt die CO2- und Energieabgabe für einen Liter Benzin derzeit bei umgerechnet gut 70 Cent, die für einen Liter Diesel bei etwa 56 Cent.
Niederlande
Den Daten der EU-Kommission zufolge ist Sprit dort von allen EU-Nachbarn Deutschlands am teuersten. Wenn es Tanktourismus gibt, fließt er dort in die andere Richtung. Der Preisanstieg seit Kriegsbeginn fiel in den Niederlanden allerdings niedriger aus.
Tanktourismus lohnt sich nicht immer
Allerdings kann es gerade in Grenzregionen zu Abweichungen der Spritpreise kommen und Verbraucher sollten genau überlegen, ob sich eine längere Fahrt lohnt. Neben Zeitaufwand und Umweltbelastung sollte man dabei nicht außer Acht lassen, dass die Fahrt nicht nur den verbrauchten Sprit kostet, sondern auch zu Kosten wie Wertverlust und Verschleiß führt, die höher liegen können als die Ersparnis durch den günstigeren Sprit.
Nicht zu viel mitnehmen
Wer zu viel Sprit einführt, kann auch Probleme mit dem Zoll bekommen. Wie die «Rheinische Post» unter Berufung auf die Gewerkschaft der Polizei berichtet, wird an den Grenzen vermehrt kontrolliert. «Immer öfter erwischen wir dabei Autofahrer, die mehr als die erlaubte Freimenge verbrauchsteuerpflichtiger Treibstoffe im Kofferraum haben», sagte der GdP-Vorsitzende Andreas Roßkopf der Zeitung. «Wir warnen ausdrücklich davor, große und damit nicht mehr zulässige Mengen in Zusatzkanistern mitzuführen.» Zusätzlich zum Tankinhalt dürfen maximal 20 Liter Kraftstoff in einem fest verschlossenen Reservekanister über die Grenze nach Deutschland mitgenommen werden.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.