Nach Übernahme des schwedischen Northvolt-Konzerns zeigt Lyten-Chef Dan Cook Flagge in der Region Heide. Eine Delegation um den Unternehmer besucht wegen der geplanten Übernahme auch der deutschen Niederlassung den Norden. Am Montag standen nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur im Bereich Heide Treffen mit verschiedenen Vertretern aus der Region auf dem Plan, ebenso mit Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen. Am Dienstag will Cook Gespräche mit der Landesregierung in Kiel führen – auch mit Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), wie eine Regierungssprecherin sagte.
Das US-Unternehmen mit Sitz im kalifornischen San José plant bei Heide eine Kombination aus Batteriezellproduktion, Rechenzentrum und Batteriespeicher. Bautätigkeiten könnten demnach 2027 starten. Noch ist die Übernahme der deutschen Tochter des Batterieherstellers aber nicht abgeschlossen.
Wirtschaftsminister Madsen hatte nach einem Besuch in den USA im Februar erklärt, dies solle zeitnah erfolgen. Madsen hatte damals auch mit Lyten-Chef Cook gesprochen. Nach seiner Rückkehr sagte der CDU-Politiker im Wirtschaftsausschuss des Landtags, der potenzielle neue Investor brauche eine faire Chance. "Sie müssen hierherkommen, sie müssen die Menschen vor Ort überzeugen."
Batterietyp
Lyten setzt auf eine Lithium-Schwefel-Technologie. Forscher und Autor Steffen Link vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) sieht in Lithium-Schwefel-Batterien (Li-S) eine vielversprechende Alternative zu herkömmlichen Lithium-Ionen-Batterien. "Ich sehe durchaus attraktive Marktchancen, vor allem in Spezial- und Nischenmärkten, wo eine hohe gravimetrische Energiedichte verlangt wird, sprich jedes Gramm zählt", sagt Link der Deutschen Presse-Agentur.
"Solche gewichtskritischen Anwendungen finden sich vor allem in der Luftfahrt und Raumfahrt", sagt Link. Als Beispiele nannte er Kleinstflugzeuge, Drohnen, Satelliten und elektrisch angetriebene Flugzeuge, die senkrecht starten können – sogenannte eVTOL. Die Technik sei nicht zuletzt in der Rüstungsindustrie Thema. "In all diesen Bereichen stehen entsprechende Budgets und Firmen bereit und machen es daher zu einem vielversprechenden Einstiegsmarkt in Europa, bevor Li-S möglicherweise in größere Massenanwendungen vordringen kann."
Der Wissenschaftler schränkt aber auch ein: Elektroautos kommen seiner Meinung nach als Einsatzgebiet eher nicht infrage. "Für volumenkritische Anwendungen oder wo eine hohe Schnellladefähigkeit gefragt ist, wie beispielsweise bei Elektro-Pkw und Elektro-Lkw, sehe ich aber derzeit nur begrenzte Chancen."
Zu den grundsätzlichen Vorteilen der Technik zähle der Verzicht auf kritische Rohstoffe wie Kobalt und Nickel. "Vorteilhaft für die Souveränität Europas und niedrigere Rohstoffkosten", sagt Link. Er geht zudem von einer tendenziell besseren Sicherheit als bei Lithium-Ionen-Batterien aus. Als Nachteil führt der Experte dagegen an, dass die neue Technik pro Kilowattstunde deutlich mehr Lithium benötigt und derzeit noch weniger Ladezyklen als herkömmliche Technik ermöglicht.
Wirtschaft optimistisch
Die Vereinigung der Unternehmensverbände in Hamburg und Schleswig-Holstein betont, die Ansiedlung von Lyten erfahre nach dem Besuch des Wirtschaftsministers in den USA vermehrt Rückenwind in der norddeutschen Wirtschaft. "Das Geschäftsmodell, sich von der Masse der Batterieproduktionen abzuheben und sich auf das Segment höchster Reichweite zu konzentrieren, erscheint schlüssig", sagt UVNord-Hauptgeschäftsführer Michael Thomas Fröhlich. Alles andere werde im Wesentlichen bereits von anderen Herstellern bedient.
"Wenn das Vorhaben aber gelingen soll, damit erneute Enttäuschungen vor Ort vermieden werden, muss es eine verlässliche Antwort auf die technische und produktive Umsetzung der vorhandenen Patente geben", sagt Fröhlich der dpa. "Und Lyten braucht ein Gesicht in Heide, das die Menschen mitnimmt und daran gewöhnt, dass wir von einem Neustart in einer ganz anderen, viel kleineren Dimension sprechen." Erst dann könne über mögliches Fördergeld gesprochen werden, damit Bund und Land nicht vom Regen in die Traufe kommen.
"Daher empfehle ich dringend, einen Investitionsbeirat zu bilden, der alle relevanten Akteure umfasst und auch nach dem Produktionsstart erhalten bleibt, um eine langfristige Perspektive abzusichern", sagte Fröhlich. "Ein Selbstgänger ist das Projekt aus heutiger Sicht nicht."
Übernahme
Ende Februar hatte Lyten die Übernahme des insolventen schwedischen Teils von Northvolt abgeschlossen – die Stammfabrik in Skellefteå und das Entwicklungszentrum in Västerås. Laut der US-Firma haben die schwedischen Standorte einen Wert von insgesamt fast 5 Milliarden Dollar (etwa 4,2 Milliarden Euro). Die Gespräche mit Bund, KfW und Schleswig-Holstein über die deutsche Northvolt-Tochter dauern an.
Northvolt wollte bei Heide eine Batteriefabrik mit rund 3.000 Arbeitsplätzen errichten und hatte dafür von der staatlichen Förderbank KfW eine Wandelanleihe über rund 600 Millionen Euro erhalten. Bund und Land bürgten jeweils zur Hälfte. Ein Teil des Geldes wurde verbaut oder für Käufe eingesetzt. Noch knapp 200 Millionen Euro sollen aber erhalten sein – das Geld liegt geschützt auf einem Sperrkonto.
Mehr zum Thema entdecken
Autohersteller
Lyten will Northvolt schlucken: Fabrik-Bau bei Heide in Etappen
Autohandel
Lyten will Northvolt übernehmen: Hoffnung für Heide
Autohersteller
Northvolt: Kommt die Batteriefabrik? Hoffen und Bangen im Norden
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.