Wer sich mit den aktuellen Verlautbarungen in Form von Verbandsrundschreiben befasst, reibt sich verwundert die Augen. Statt mit vereinten Kräften die Zukunft des deutschen Autogewerbes zu sichern und sich um deren berechtigten Anliegen an die Politik zu kümmern, liefern sich die Spitzenverbände einen handfesten Machtkampf – und zwar mit Methoden, die eher an politische Grabenkämpfe als an verantwortliches Branchenmanagement erinnern.

Der Konflikt zwischen dem Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) und dem Bundesinnungsverband Kfz-Handwerk (BIV), getrieben vor allem von den Landesverbänden Nordrhein-Westfalens und Bayerns, hat längst jedes Maß an Sachlichkeit verloren. Was als organisatorische Neuordnung und faire Beitragsverteilung begann, ist zu einer strategischen Materialschlacht um Macht, Einfluss und Mitgliedsbeiträge geworden – mit enormem Kollateralschaden für Betriebe und Innungen.

Vorwürfe, Verzerrungen und kalkulierte Eskalation 

Im Rundschreiben des Kfz-Verbands NRW vom 17. März wird behauptet, der ZDK habe Mitwirkungsrechte des BIV beschnitten, eine ruinöse Beitragsordnung eingeführt und wolle nun sogar "Gebühren für das Branchenlogo" kassieren. Wer aber die zugrunde liegenden Dokumente liest (ZDK-Schreiben vom 16. März), erkennt schnell: Hier werden Fakten verdreht und Ängste geschürt, um die eigene Absetzbewegung zu legitimieren.

Tatsächlich hat der ZDK jüngst seine Satzung reformiert, um alle Mitgliedsverbände gleichzustellen – nachdem Bayern, NRW und Rheinland-Pfalz aus dem Dachverband ausgetreten sind. Frühere Sonderrechte des BIV, die auf der Doppelmitgliedschaft in beiden Organisationen beruhten, sind damit schlicht obsolet.

Auch die angebliche "Beitragslast von 2,8 Millionen Euro" entpuppt sich als kalkulierter Popanz: Sie ergibt sich nur, wenn man den ZDK-Beitrag je Betrieb auf das gesamte BIV-Klientel hochrechnet, während der BIV gleichzeitig beschlossen hat, 95 Prozent aller bisherigen gemeinsamen Mitgliedsbeiträge selbst einzubehalten.

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Das Markenrecht als politisches Instrument 

Noch befremdlicher ist die Art, wie das Thema Markenrecht instrumentalisiert wird. Dass ein ausgeschiedener Verband für die Nutzung einer geschützten Gemeinschaftsmarke eine Lizenz entrichten muss, ist rechtlich selbstverständlich. Doch der NRW-Verband dreht daraus ein Narrativ der "finanziellen Erpressung". Damit trifft der Verband nicht den ZDK, sondern vor allem seine eigenen Innungen, deren Mitglieder nun in Unsicherheit darüber gelassen werden, ob sie das vertraute Meisterlogo bald noch rechtmäßig führen dürfen. Zudem ist die Behauptung, dass die angebliche Nähe zum Verband der Autoindustrie (VDA) – und nicht die Rüge wegen der Aufstellung der AKÜ – der wahre Grund gewesen wäre, die Geschäftsstellen von ZDK und BIV zu treten, an Dreistigkeit nicht zu übertreffen. 

Ein Schaden für die gesamte Branche 

Das ganze Schauspiel hat längst Folgen über die Verbandsebene hinaus. Die freien und fabrikatsgebundenen Betriebe an der Basis, die täglich im Wettbewerb stehen und sich um Ausbildung, die Einführung der E-Mobilität oder das Finden von Fachkräften kümmern, erwarten zu Recht in diesen Zeiten Orientierung und keine Machtpsychologie. Doch genau diese Unternehmer werden zum Spielball. Statt gemeinsamer Interessenvertretung erleben sie Selbstblockade und Revierdenken, getragen von persönlichen Rivalitäten und föderalem Trotz.

Man kann unterschiedlicher Meinung darüber sein, wie ein Dachverband aufgestellt sein sollte. Aber man darf sich fragen, ob die Führung eines Landesverbands, die ihre Mitglieder mit verzerrten Darstellungen füttert und gerichtliche Auseinandersetzungen provoziert, wirklich noch im Sinne der Handwerksbetriebe handelt – oder eher im eigenen.

Auch das Auto-Gewerbe steht an der Schwelle einer Zeitenwende: Transformation, Digitalisierung, Qualifizierung, Kostenmanagement und Prozessorientierung sind Themen, die gemeinsame Kraftanstrengungen erfordern. Doch statt nach vorn zu blicken, beschäftigen sich führende Köpfe mit Beitragsschlüsseln und Briefköpfen. Es ist ein erbärmliches Schauspiel, das dem jahrzehntelang gewachsenen Vertrauen zwischen Handwerk, Handel und Industrie schweren Schaden zufügt. Wenn das Ziel des BIV und des ZDK darin bestehen sollte, das deutsche Kfz-Gewerbe zu stärken, dann müssen sie sofort den Pfad der gegenseitigen Schuldzuweisungen verlassen. Die Verantwortung für zehntausende mittelständische Betriebe ist zu groß, um sie in internen Machtspielen zu verspielen.

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