China ist längst nicht mehr nur der größte Automarkt der Welt, sondern auch der dynamischste und technologisch prägendste. Genau davon überzeugten sich die Teilnehmer der Mobile.de goes China-Reise 2026 vor Ort. Das Programm führte zu Händlergruppen, Herstellern und Gebrauchtwagenplattformen in Shanghai und Peking – und lieferte zahlreiche Impulse für das tägliche Geschäft im Autohaus in Deutschland. 

Zum Auftakt stand der Besuch der Yongda Group, der zweitgrößten Händlergruppe Chinas, auf dem Programm. Yongda steht exemplarisch für den Strukturwandel im Handel: Neuwagen bleiben notwendig, sind aber kaum noch Ertragsbringer. Preiskampf, Herstelleraktionen und kurze Modellzyklen drücken die Margen. Entsprechend verschiebt sich der Fokus klar in Richtung Gebrauchtwagengeschäft. 

"Profit first" – Laufkundschaft verliert an Bedeutung

Bemerkenswert: Yongda akzeptiert bewusst sinkende Volumina, steigert jedoch Marge und Umschlaggeschwindigkeit. "Profit first" lautet das Credo. Digitale Leadgewinnung ist dabei Standard – rund 80 Prozent der Anfragen kommen aus Online-Kanälen. Für deutsche Händler ist das ein deutliches Signal: Laufkundschaft verliert weiter an Bedeutung, Steuerung wird zur Führungsaufgabe.

Im Auslieferungscenter von Nio in Shanghai ging es weniger um Rendite, dafür um Markenlogik und Kundendenken. Der Hersteller inszenierte sich nicht als klassischer OEM, sondern als "User-Unternehmen". Besonders eindrucksvoll: die Präsentation des neuen Nio ES9, des sogenannten "tanzenden Monster SUVs". Mit vollaktivem Fahrwerk, Lounge-Interieur, Entertainment-Elementen und Show-Charakter wird das Auto zum Erlebnisraum. 


Mobile.de goes China-Reise 2026


Das Auto wird zum Event- und Erlebnisprodukt

Für den Handel ist das durchaus relevant. Die chinesischen Hersteller denken Fahrzeuge zunehmend als Event- und Erlebnisprodukt – emotional, digital inszeniert und softwaregetrieben. Themen wie Batterietausch (rund 4.000 Stationen), Abo-Modelle oder KI basierte Assistenzsysteme gehören hier zur Normalität. Die Frage für Deutschland lautet: Wie lässt sich dieses Erleben in Beratung, Showroom und Übergabe übersetzen? 

Einen Realitätscheck lieferte der Besuch der AKD Luxury Car Mall, des größten Einzelhändlers für gebrauchte Premiummarken in China. In einem der weltweit größten Gebrauchtwagen-Showrooms setzt AKD auf strikte Selektion, hohe Durchschnittspreise (rund 50.000 Euro) und kurze Standzeiten. Der Engpass ist nicht der Verkauf, sondern der Einkauf.

Beschaffung direkt am Privatmarkt

Ganz anders, aber ebenso lehrreich: Taocheche, die größte chinesische Plattform für An- und Verkauf von Gebrauchtwagen. Hier zeigt sich, wie marktgetrieben das chinesische GW-Business ist. Weniger als zehn Prozent der Fahrzeuge stammen aus klassischen Trade-ins – der Großteil wird direkt am Privatmarkt beschafft. Markenhändler spielen dabei kaum eine Rolle. Wer sich beim Gebrauchtwagen allein auf Inzahlungnahmen verlässt, verliert Reichweite.

Die Zahlen verdeutlichen die Dimension: In China sind aktuell rund 320 Millionen Pkw zugelassen. Bis 2030 sollen jährlich bis zu 30 Millionen Besitzumschreibungen erfolgen. Geschwindigkeit, Transparenz und Datenkompetenz entscheiden über Erfolg oder Misserfolg. Preisbewegungen erfolgen teils über Nacht – wer zu langsam reagiert, zahlt mit Abschreibungen.


Auto China 2026 – Impressionen


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