Die Zahlen aus dem aktuellen AUTOHAUS Panel sind ein Alarmsignal: 60 Prozent der befragten Entscheider im Handel geben an, bereits abgemahnt worden zu sein. Bei großen und sehr großen Betrieben liegt der Anteil bei bis zu 86 Prozent. Abmahnungen sind kein Randthema mehr – sie gehören anscheinend zur betrieblichen Realität des Handels.

Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die Absender. 69 Prozent der Abmahnungen stammen von der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Wettbewerber oder klassische Verbraucherschutzverbände spielen kaum eine Rolle. Wer diese Quote sieht, kann schwerlich von Einzelfällen sprechen. Hier wird systematisch abgemahnt – und systematisch kassiert.

Der häufigste Anlass: Verstöße gegen die Pkw-EnVKV, also CO2- und Verbrauchskennzeichnungen, mit 64 Prozent klar an der Spitze. Genau jene Vorgaben, die laut Befragung 60 Prozent der Händler als "sehr aufwendig" oder "kaum dauerhaft fehlerfrei einzuhalten" beschreiben. Das Ergebnis ist ein perfektes Abmahnumfeld: komplexe Regeln, minimale Fehler, maximale Konsequenzen.

Video-Kommentar von Chefredakteur Ralph M. Meunzel

Diese Konsequenzen sind teuer. 40 Prozent der betroffenen Betriebe mussten mehr als 2.500 Euro zahlen, häufig allein für Anwälte und Vergleiche. Kein Wunder also, dass viele Händler nicht kämpfen, sondern nachgeben: Ein großer Teil unterschreibt Unterlassungserklärungen, oft zähneknirschend und aus Angst vor noch höheren Kosten.

Die nächste Welle droht

Brisant: Die nächste Welle rollt bereits. Händler fürchten neue EU-Kennzeichnungspflichten für Gebrauchtwagen, strengere Social-Media-Regeln und Anti-Greenwashing-Vorgaben ab 2026. Mehr Regulierung bedeutet mehr formale Risiken – und damit mehr Abmahnpotenzial. 

Verbraucherschutz ist wichtig. Aber wenn formale Fehler zur dauerhaften Einnahmequelle werden, kippt das System. Dann geht es nicht mehr um Fairness oder Umwelt, sondern um Abzocke. Der Gesetzgeber muss handeln. Sonst bleibt dem Handel nur ein bitteres Fazit: Nicht der Markt ist das größte Risiko – sondern die Abmahnindustrie.

   © Foto: AUTOHAUS

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