Über Wochen galt ein ostwestfälischer CDU‑Lokalpolitiker und Kfz-Unternehmer als Opfer einer mutmaßlichen Erpressung mit kompromittierenden Sex‑Videos. Nun hat sich die Lage Medienberichten zufolge grundlegend geändert: Der 56‑Jährige befindet sich selbst als Beschuldigter in Untersuchungshaft. Wie unter anderem die "Bild"-Zeitung berichtet, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts einer Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung zum Nachteil einer erwachsenen Frau.

Der Geschäftsmann ist seit vielen Jahren Teilhaber an einer Autohandelsgruppe aus Bünde. Dabei handelt es sich um die Autohaus Becker‑Tiemann GmbH. Das hat der große BMW/Mini-Händler mittlerweile in einer Mitteilung bestätigt. Zudem war der Beschuldigte kommunalpolitisch für die CDU aktiv und gehörte zeitweise dem Stadtrat von Bünde an.

Vom mutmaßlichen Opfer zum Beschuldigten

Der Fall nahm den Berichten zufolge im März 2026 seinen Anfang, als die Staatsanwaltschaft Bielefeld Ermittlungen gegen mehrere Personen wegen des Verdachts der Erpressung einleitete. Dem Unternehmer soll belastendes Videomaterial vorgelegen haben, mit dem eine mittlere sechsstellige Summe gefordert worden sei. Der Betroffene erstattete Anzeige.

Im Zuge dieser Ermittlungen gewannen die Strafverfolger jedoch Erkenntnisse, die sich gegen den Anzeigenerstatter selbst richteten. Auf dieser Grundlage wurde ein neues Verfahren eröffnet. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft erklärte laut dem "Berliner Echo": "Gegenstand der gegen den Beschuldigten geführten Ermittlungen sind auch etwaige Zusammenhänge zum Prostitutionsgewerbe."

Die Staatsanwaltschaft bestätigte ein Verfahren wegen des Verdachts einer Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Nach vorliegenden Informationen werden dem Mann unter anderem sexuelle Nötigung und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Am 20. April durchsuchten Ermittler schließlich das Wohnhaus des Beschuldigten in Bünde. Zwei Tage später erließ ein Richter Haftbefehl. Der Unternehmer befindet sich seither in U-Haft. Als Haftgrund wurde Fluchtgefahr angegeben. 

Autohaus Becker‑Tiemann distanziert sich 

Am Dienstag reagierte das Autohaus Becker‑Tiemann in einer Stellungnahme auf die aktuelle Berichterstattung. Zwar werde das Unternehmen in den Presseveröffentlichungen nicht namentlich genannt, "gemeint ist aber unser Unternehmen mit Hauptsitz in Bünde und 18 weiteren Standorten in Nordrhein‑Westfalen und Niedersachsen".

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Das Autohaus betonte, dass die Vorwürfe in keinerlei Zusammenhang mit dem operativen Geschäft stehen. Der Beschuldigte sei "Minderheitsgesellschafter und Mit‑Geschäftsführer der Becker‑Tiemann‑Traub Holding GmbH & Co. KG, unter deren Dach das Autohaus firmiert – aber nicht Mitglied der Geschäftsführung des Autohauses selbst und deshalb auch in keinerlei Weise dort tätig". 

Weiter heißt es: "Unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt betreffen sämtliche Berichte allein das Privatleben des Beschuldigten. Wir haben keinerlei Kenntnis von Vorgängen, die über das hinausgehen, was die Presse bereits berichtet hat." Zugleich verweist das Unternehmen ausdrücklich auf rechtsstaatliche Grundsätze: "Für den Beschuldigten gilt selbstverständlich – wie für jeden anderen Bürger auch – die Unschuldsvermutung, solange kein Gericht ein Urteil gefällt hat." 

Außerordentliche Gesellschafterversammlung einberufen 

Nach Angaben des Autohauses hat die Verwaltungsgesellschaft der Holding unmittelbar reagiert. Bereits für 20. Mai sei eine außerordentliche Gesellschafterversammlung einberufen worden. Ziel sei es, "die erhobenen Vorwürfe zunächst im Kreis der Gesellschafter nach Möglichkeit mit dem Beschuldigten zu klären".

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