Die CO2- und Verbrauchskennzeichnung spielt beim Autokauf für viele Kunden eine untergeordnete Rolle. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage von puls Marktforschung im Auftrag des Verbands der Automobilhändler Deutschlands (VAD). Demnach erreicht das gesetzlich vorgeschriebene Label zahlreiche Interessenten nicht oder liefert aus ihrer Sicht keinen entscheidungsrelevanten Mehrwert.
Für die Untersuchung befragte das Institut puls zwischen dem 9. und 15. April 515 Personen, die entweder in den vergangenen zwölf Monaten ein Fahrzeug gekauft haben oder eine Anschaffung planen. Mehr als die Hälfte der Befragten (51 Prozent) gab an, die CO2-Kennzeichnung am Fahrzeug gar nicht wahrgenommen zu haben. Auch in der Werbung blieb die Einstufung oft unbeachtet: 48 Prozent erinnerten sich nicht daran.
Geringe Relevanz im Entscheidungsprozess
Selbst dort, wo das Label gesehen wird, bleibt die Wirkung begrenzt. Für 68 Prozent der Befragten hatte die CO2-Einstufung keinen Einfluss auf die Wahl eines konkreten Modells. Lediglich 28 Prozent interessierten sich gezielt für Verbrauchsangaben. Die farbliche Klassifizierung von A bis G spielte nur für zwölf Prozent eine Rolle, ausgewiesene Kraftstoff- und Energiekosten für lediglich vier Prozent.
Auffällig ist zudem, dass fast die Hälfte der Teilnehmer (48 Prozent) keine konkreten Inhalte aus dem Label erinnern konnte. Unterschiede zeigen sich je nach Antriebsart: Während 64 Prozent der Elektroautokäufer die Kennzeichnung wahrnahmen, lag der Anteil bei Gebrauchtwagenkäufern mit 38 Prozent deutlich niedriger.
Kritik an Komplexität und Praxisnähe
Das CO2-Label ist seit 2004 vorgeschrieben und basiert auf der Pkw-Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung (Pkw-EnVKV). Es soll Informationen über Umweltverträglichkeit und Betriebskosten liefern, stützt sich jedoch auf Herstellerangaben nach dem WLTP-Testzyklus.
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"Das Label ist viel zu kompliziert, zeigt Kaufinteressenten nicht den Verbrauch nach ihrem individuellen Fahrprofil und spielt nach unserer Erfahrung als Autohändler im Verkaufsprozess kaum eine Rolle", sagte VAD-Präsident Burkhard Weller am Montag in Berlin. Zugleich wies er auf rechtliche Risiken für Händler hin. Schon kleine Fehler bei der Darstellung könnten zu Abmahnungen führen und erhebliche Kosten verursachen. "Es muss einen besseren Weg geben, Autokunden über Energiekosten und CO2-Ausstoß ihres Fahrzeugs zu informieren", so der Autohaus-Unternehmer.
Die Umfrage zeigt zugleich ein grundsätzliches Interesse an Transparenz: 45 Prozent der Befragten halten Verbrauch und CO2-Werte für wichtig bei der Fahrzeugwahl. Eine Mehrheit von 67 Prozent wünscht sich jedoch Angaben, die den tatsächlichen Verbrauch im Alltag abbilden. Bei Käufern von Hybrid- und Elektrofahrzeugen liegt dieser Wert sogar bei 76 Prozent.
Forderung nach digitalem Neustart
Vor diesem Hintergrund macht sich der VAD für eine grundlegende Neuausrichtung der Kennzeichnung stark. Weller: "Die geltende Kennzeichnung nützt weder dem Kunden noch dem Klima. Sie ist eine erhebliche Belastung für den Handel. Daher sollte sie abgeschafft und durch ein sinnvolles, vollständig digitales Tool ersetzt werden. Das wäre gelebter Bürokratieabbau und würde sowohl Kunden als auch Händlern helfen."
Als Alternative schlägt der Verband bekanntlich eine EU-weite digitale Klimadatenbank vor. Sie soll fahrzeugspezifische Informationen wie Energieverbrauch und CO2-Fußabdruck über den gesamten Lebenszyklus transparent und vergleichbar machen. Käufer könnten diese Daten mit ihrem individuellen Nutzungsprofil abgleichen, während Händler ein praxisnahes Beratungsinstrument erhielten.
Puls-Geschäftsführer Konrad Weßner ergänzte: "Das CO2-Label beeinflusst vor allem diejenigen, die sich ohnehin bereits mit einem Elektroauto oder Hybridfahrzeug beschäftigt haben. Entscheidend wäre eine klare Kostentransparenz beim Vergleich zwischen Verbrennern und Elektrofahrzeugen – bezogen auf das jeweilige Fahrprofil."
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