Dass AMG zu Außergewöhnlichem fähig ist, hat die Mercedes‑Performance‑Tochter aus Affalterbach schon mehrfach unter Beweis gestellt. Erwähnt sei hier beispielsweise der One, ein straßenzugelassenes Hightech‑Hypercar mit Formel‑1‑Technologie (2022), oder der SLS Electric Drive (2013) mit seinen vier Elektromotoren.
Jetzt hat AMG erneut einen Superlativ auf die Räder gestellt. Die knapp fünf Meter lange Sportlimousine trägt die Bezeichnung Mercedes‑AMG GT 4‑Türer Coupé. Allein diesen Modellnamen auszusprechen, dauert in etwa schon so lange, wie der schwäbische Stromer den Sprint auf Tempo 100 hinlegt: 2,1 Sekunden.
Beschleunigung auf Supersportwagen‑Niveau
Und es geht unbändig weiter: Die 200‑km/h‑Marke fällt nach nur 6,4 Sekunden. Nicht einmal Supersportwagen mit Hochleistungs‑Achtzylinder schaffen diese Werte. Und selbst der über drei Millionen Euro teure AMG One muss hier passen.
"Wir wollten nicht einfach das nächste austauschbare Elektroauto bauen", sagt AMG‑Chef Michael Schiebe. "Das neue Mercedes‑AMG GT 4‑Türer Coupé ist eine absolute Hochleistungsmaschine, mit Innovationen, die in diesem Bereich bis dato ungeahnte Fahrleistungen ermöglichen."
Dem voraus gingen ungezählte Langstrecken‑Dauerhaltbarkeits‑Testläufe, unter anderem auf dem Hochgeschwindigkeits‑Rundkurs im süditalienischen Nardo. Hier stellte AMG mit dem Technologieträger GT Concept XX im vorigen Jahr gleich 25 Rekorde auf, legte innerhalb von 24 Stunden nicht nur 5.479 Kilometer zurück, sondern setzte dem Ganzen gleich auch noch die absolute Marathon‑Krone auf.
Knapp acht Tage ließ man die Limousine durchrennen. Am Ende standen 40.075 Kilometer auf dem Tacho – eine Strecke, die dem Erdumfang am Äquator entspricht.
Neue Plattform, neue Motorentechnik
Vieles der komplett neu entwickelten GT‑XX‑Technik – die 800‑Volt‑Plattform nennt sich AMG.EA – steckt nun im bis zu 300 km/h schnellen Serien‑4‑Türer‑Coupé. Dazu gehören die sogenannten Axial‑Fluss‑E‑Maschinen (AFM). Zwei dieser superkompakten und leichten Motoren sitzen an der Hinterachse, einer treibt bei Bedarf die Vorderachse an.
Zusammen stellen sie eine Spitzenleistung von bis zu 860 kW /1.169 PS bereit – und dies nicht nur einmal, sondern viele Male hintereinander, ohne dass die Batterie schlapp macht, wie Entwicklungsvorstand Jürg Burzer verspricht. Auch bei der Dauerleistung von 530 kW / 721 PS setzen die AMG‑Ingenieure Maßstäbe. Sie bleibt für gut 30 Minuten konstant. Kein Wettbewerber kommt hier auch nur annähernd heran.
Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé (2026)
Batterie, Kühlung und Ladeleistung
Damit eine solch hohe Performance überhaupt möglich ist, braucht es sehr spezielle Batteriezellen. AMG entschied sich für 2.660 Rundzellen in Zylinderform (26 × 105 Millimeter), deren Zellchemie (Nickel/Kobalt/Mangan/Aluminium) auf hohe Leistungsstabilität unter Dauerbelastung ausgelegt wurde. Ein spezielles Öl umfließt jede der Zellen direkt und soll eine gleichmäßige Temperaturverteilung gewährleisten.
An Reichweite sind bis knapp 700 Kilometer möglich. An der Ladesäule kann die Sportlimousine mit bis zu 600 kW Leistung versorgt werden. Entsprechende Säulen sind zwar noch dünn gesät, sollte der GT aber hier stoppen, sind in nur zehn Minuten rund 460 frische Kilometer nachgeladen. Um die Batterie von zehn auf 80 Prozent ihrer Kapazität (netto 106 kWh) zu füllen, sollen nur elf Minuten vergehen. Der GT 4‑Türer macht das Laden damit fast so schnell wie herkömmliches Tanken.
Wie die technische Basis ist auch die Karosserie eine komplette Eigenentwicklung der Affalterbacher Mercedes‑Tochter. Klares Statement: Sportlichkeit. Für optimale Aerodynamik sorgen Frontsplitter, Venturi‑Elemente im Unterboden, Airpanels vorne, Seitenschweller, Heckspoiler und ein ausfahrbarer Heckdiffusor. Die Seitenspiegel setzten die Designer in Anlehnung an den Motorsport oben auf die Vordertüren.
Insgesamt passen die Proportionen des GT 4‑Türers gut. Das Auto wirkt harmonisch und trotz seiner Länge von 5,09 Metern optisch kleiner. In den Kofferraum passen 415 Liter, die Rücksitzlehnen lassen sich jedoch umlegen und erhöhen so den Nutzwert deutlich.
Alltagstauglichkeit und Innenraum
Flach gehaltene Elektro‑Limousinen und ‑Coupés stoßen beim Passagierkomfort im Fond schnell an ihre Grenzen. Um im GT 4‑Türer vernünftig sitzen zu können, verzichteten die AMG‑Techniker bewusst auf etwas Batteriekapazität und senkten im Fußbereich den Boden ab – sogenannte "Fußgaragen".
Perfekt ist dagegen die Sitzposition hinter dem Lenkrad. GT‑Feeling vom Feinsten, mit zum Fahrer hin ausgerichteten Displays, breiter Mittelkonsole und optimal platzierten Fahrschaltern.
Wird das Fahrprogramm AMG Force S+ (eines von sieben) aktiviert, glaubt man kaum noch, in einem normalerweise leisen Elektroauto zu sitzen. Stattdessen gibt es Gänsehaut‑Grollen aus alten Achtzylinder‑Zeiten.
Doch statt einfach nur einen künstlichen Sound zu imitieren, erfasste AMG den Klang eines echten V8‑Motors in all seinen Facetten, um in jeder Fahrsituation den exakt passenden Sound zu generieren – inklusive Beschleunigung, Gangwechsel und Spätzünd‑Spratzeln. Und das mit einer Geräuschkulisse, die der eines echten V8‑GT entspricht.
Produktionsstart und Ausblick
Im Sommer startet in Sindelfingen die Produktion des Mercedes‑AMG GT 4‑Türer Coupés. Für das Modell wurde eigens eine Werkshalle eingerichtet. Man rechnet mit hoher Nachfrage.
Selbstredend, dass so viel Aufwand nicht für nur ein Modell betrieben wird. Auf der AMG.EA‑Technologie sollen in den kommenden Jahren zwei weitere Fahrzeuge folgen: ein Full‑Size‑SUV und ein SUV‑Coupé. Warum? Weil es geht.
Mercedes-AMG Concept GT XX
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.