Kaum ein Garagenhof der Republik kam früher ohne einen Ford aus: Fiesta, Focus, Mondeo – unauffällige, aber robuste Alltagsautos, lange bevor die Welt von SUVs und Elektroautos sprach. Ford war selten glamourös, aber verlässlich. Nicht teuer, aber solide. Immerhin acht Prozent der Deutschen verbinden ihr erstes Auto mit einem Ford.
Doch die Marke verliert an Boden. Nachdem Modelle wie Fiesta und Focus ersatzlos gestrichen wurden, mehrten sich Spekulationen, Ford habe das Interesse am europäischen Markt verloren. Diesen Eindruck will der neue Ford-Chef von Europa, Jim Baumbick, nicht gelten lassen. Der US-Amerikaner, seit Ende 2025 an der Spitze der Vertriebsregion, setzt auf neue Modelle und gezielter Profilstärkung, um die Zweifler vom Gegenteil zu überzeugen.
"Europa ist ein echter Fitnesstest für unser Unternehmen – allein schon wegen des Wettbewerbs und der zahlreichen Anforderungen an die Autos", sagt Baumbick. "Wir könnten abwarten und beobachten, wie sich chinesische Hersteller hier etablieren – oder wir gehen selbst in die Offensive."
Ford Ranger Super Duty
Baumbick ist kein Quereinsteiger. Der Manager hat seine gesamte berufliche Karriere bei Ford verbracht, kennt Europa aus einem früheren Aufenthalt und ist bewusst zurückgekehrt. "Ich bin zurückgekommen, weil ich das Gefühl habe, dass die Arbeit noch nicht getan ist", sagt er. In Anlehnung an den Motorsport nennt Baumbick seinen Plan "Ready, Set, Ford" (dt. Auf die Plätze, fertig, Ford) mit dem er bis Ende des Jahrzehnts fünf neue Pkw in Europa einführen will – speziell auf den europäischen Markt zugeschnitten und alle hier produziert.
Vom Kleinwagen bis zum SUV
Das Spektrum reicht von der Rückkehr ins Kleinwagensegment bis zu SUVs mit Elektro- und Hybridantrieb in Fahrzeuglängen zwischen 4,00 und 4,65 Metern. Die Neulinge sollen allesamt mit Motorsport- oder Offroad-Genen ausgestattet den Abwärtstrend der Marke stoppen. Waren es 2015 noch rund 225.000 verkaufte Fahrzeuge mit einem Marktanteil von 7,7 Prozent, kam Ford zuletzt auf weniger als die Hälfte davon.
50 Jahre Ford Fiesta
Den Anfang macht ein rein elektrischer Fiesta-Nachfolger im B-Segment. Bereits Ende letzten Jahres hatte Ford hierfür die Zusammenarbeit mit Renault angekündigt – auf Basis der Kleinwagenarchitektur, auf der bereits der Renault 5 und der Nissan Micra aufbauen. Eine Verwässerung der Marke befürchtet Baumbick mit dieser Strategie indes nicht: "Wir lagern die Entwicklung unserer Fahrzeuge nicht aus – wir entwickeln diese auf der Basis einer sehr wettbewerbsfähigen Plattform selbst. Wir haben das letzte Wort darüber, was ein Fahrzeug unverwechselbar zu einem Ford macht." Zwar ist der Name Fiesta offiziell noch nicht bestätigt. Doch Ford verspricht ein sportliches Fahrgefühl mit Verweis auf die eigene Motorsporttradition.
Neben dem elektrischen Kleinwagen ist im Rahmen der Renault-Kooperation ein kleines SUV geplant, der in seinen Abmessungen dem aktuellen Puma ähnelt und auf der Plattform des Renault 4 basiert. Dazu kommen zwei weitere Crossover-Modelle mit geplantem Marktstart 2029. Sie sollen mit Elektro- und Hybridantrieb angeboten werden. Offen bleibt, ob Ford sie in Eigenregie oder ebenfalls mit einem Partner verwirklicht.
Ford Bronco (Offroad-Test)
Bronco für Europa
Sicher dagegen ist, dass im Werk Valencia ab 2028 ein eigens für Europa entwickelter Bronco vom Band laufen wird. Anders als das bereits erhältliche, viel zu große US-Importmodell ist die neue Version auf europäische Kundenbedürfnisse zugeschnitten – mit Hybridantrieb und einer Positionierung im C-SUV-Segment. Das Fahrzeug greift dabei den charakteristischen Bronco-Style auf: Kastensilhouette, runde Tagfahrlichter, robuste Geländeoptik. Als Wettbewerber hat Ford Toyota RAV4, Nissan X-Trail und Opel Grandland im Visier.
Aus den Fehlern der Vergangenheit will Ford gelernt haben. Die schwachen Verkaufszahlen von Explorer und Capri gelten als Beleg für eine Diskrepanz zwischen Elektrostrategie und tatsächlicher Kundennachfrage. Künftig setzt Ford daher vermehrt auf Wahlfreiheit: Elektro, Hybrid und Verbrenner sollen parallel angeboten werden."Der schnellste Weg zu null Emissionen ist derjenige, den die Kunden tatsächlich einschlagen werden", sagt Baumbick.
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