Berufskraftfahrer werden inzwischen gesucht wie die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen. Der Beruf als solcher umfasst längst auch weit mehr als das Fahren sowie Be- und Entladen von Fahrzeugen. Berufskraftfahrer übernehmen zusätzlich organisatorische, technische und sicherheitsrelevante Aufgaben. Hierfür benötigen sie eine fundierte Ausbildung, regelmäßige Weiterbildungen und, je nach Einsatzgebiet, zusätzliche Qualifikationen. Der DEKRA Arbeitsmarktreport 2026 hat unter die Lupe genommen, was Unternehmen von Jobsuchenden erwarten und was sie ihnen im Gegenzug bieten.

Nicht nur in der Kernbranche unterwegs

Die meisten Stellenangebote stammen erwartungsgemäß aus der Transport- und Logistikbranche (38,9 %). Auffällig hoch ist jedoch auch der Anteil der Jobangebote von Personaldienstleistern (16,9 %). Viele der dort angestellten Fahrerinnen und Fahrer dürften im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung ebenfalls für Transportunternehmen unterwegs sein. Darüber hinaus suchen auch Branchen wie Handel, Entsorgung oder Bau nach Berufskraftfahrern.

Arbeitgeber stellen die Fahrer vorzugsweise in Vollzeit ein (87,7 %). Andere sind flexibel und ermöglichen sowohl Teil- als auch Vollzeitbeschäftigung (9,7 %).

Unterwegs mit Schwergewichten

Die Bandbreite der Nutzfahrzeuge im Güterverkehr ist groß. Die Gewichtsklasse des Lkw bestimmt, welchen Führerschein Berufskraftfahrerinnen und -fahrer haben müssen. Mehr als jede zehnte Stelle setzt Erfahrung mit einem Ladekran voraus (12,9 %). Dabei handelt es sich um Lkw oder Anhänger mit fest installiertem Kran. Fahrer benötigen hierfür neben dem Lkw-Führerschein zusätzlich den sogenannten Ladekranschein. Fast ebenso oft werden die Fachkräfte an ihrem neuen Arbeitsplatz einen Sattelschlepper fahren.

Passend zu den genannten Fahrzeugen benötigen Jobsuchende mit Abstand am häufigsten einen Führerschein der Klasse CE (74,9 %), mit dem sie alle schweren Lkw und Sattelzüge führen dürfen.

Internationale Routen fast passé

Das Truckerleben mit langen, mehrtägigen Touren hat für viele Fahrerinnen und Fahrer an Reiz verloren. Eine ausgeglichene Work-Life-Balance wird wichtiger; wie gut sie gelingt, hängt auch vom Einsatzradius ab. Viele der Touren in den Offerten entfallen auf den Nah- oder Regionalverkehr sowie auf Auslieferungsfahrten (41,7 bzw. 23,4 %). Im Fernverkehr übernehmen die Berufskraftfahrer vor allem nationale Strecken (11,1 %), während internationale Langstrecken nur eine untergeordnete Rolle spielen (6,3 %).

Praxiswissen und Riskmanagement unabdingbar

In fast neun von zehn Anforderungsprofilen beschreiben Arbeitgeber Kenntnisse, Erfahrungen und Qualifikationen, die für die Stelle wichtig sind.

Die Ladungssicherung ist von besonderer Relevanz: Berufskraftfahrer müssen ihre Fracht sicher verstauen, um Schäden oder Unfälle zu vermeiden. Es gilt, Unfälle weitestgehend zu vermeiden, weil ansonsten die Versicherungstarife für die Fahrzeugflotte des Unternehmens ganz schnell in ungeahnte Höhen mit entsprechend hohen Prämien abdriften. Im schlimmsten Fall droht Vertragskündigung und eine schwere Suche nach einer neuen Assekuranz. Begleitendes, professionelles Risikomanagement für den Fuhrpark ist spätestens jetzt unabdingbar.

"Trucker" auch Mechaniker und "Gesetzeshüter"

Auch technische Grundkenntnisse sind gefragt. Jeder vierte Arbeitgeber erwartet, dass die Fachkräfte kleinere Reparaturen selbst durchführen. Wer gewerblich Fahrzeuge mit mehr als 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht fährt, benötigt zudem eine Fahrerkarte und muss das digitale Kontrollgerät sicher bedienen, um die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten.

Mehr als die Hälfte der Arbeitgeber spricht das Thema Berufserfahrung erst gar nicht an – vermutlich, um den Bewerberkreis nicht unnötig einzuschränken. Gut ein Drittel richtet sich an Bewerbende mit einschlägiger Berufserfahrung (35,4 %) – des Öfteren mit dem Zusatz „wünschenswert“ versehen.

Zusatzqualifikationen bei Jobsuche hilfreich

Für den Transport von Chemikalien und anderen Gefahrstoffen benötigen Berufskraftfahrer eine so genannte ADR-Bescheinigung (14,6 %). Im Vergleich zu den früheren Analysen wird sie jedoch seltener verlangt. Vermutlich übernehmen Arbeitgeber die Weiterbildung gerne, wenn Bewerbende ansonsten geeignet sind. Auch ein Staplerschein ist öfters von Vorteil (14,0 %).

Unternehmen legen heute auch deutlich mehr Wert auf die Sprachkenntnisse als in der Vergangenheit (44,3 %). Meistens geht es allerdings darum, dass Fachkräfte die deutsche Sprache sehr gut beherrschen (36,0 %). Eine mögliche Erklärung ist der gestiegene Anteil an Menschen mit Einwanderungsgeschichte in Engpassberufen. Fremdsprachen spielen im Fahrerberuf dagegen weiterhin kaum eine Rolle.

Soft Skills erleichtern Arbeit

Persönliche Eigenschaften haben für Arbeitgeber weiter an Bedeutung gewonnen: 82,3 % der Jobangebote beinhalten konkrete Soft Skills. Zwar gehörten die zehn wichtigsten Eigenschaften schon vor sieben Jahren zu den meistgenannten Anforderungen, ihre Gewichtung hat sich jedoch zum Teil deutlich verändert.

Verlässlichkeit steht dagegen laut DEKRA Arbeitsmarktreport weiterhin an erster Stelle. Besonders stark an Bedeutung gewonnen haben demzufolge Verantwortungsbewusstsein sowie ein höflicher Umgang mit Kollegen und Kunden. "Beides trägt nicht nur zum Unternehmensimage bei, sondern erleichtert auch die Zusammenarbeit, zum Beispiel an der Rampe."

Körperliche Belastbarkeit wird in den Offerten seltener erwähnt; möglicherweise, weil technische Hilfsmittel viele Tätigkeiten erleichtern. Dafür legen Arbeitgeber nun deutlich mehr Wert auf psychische Belastbarkeit und Stressresistenz: Rund jedes zehnte Anforderungsprofil nennt diese persönliche Eigenschaft, während sie 2019 nur vereinzelt gewünscht wurde. Hierzu dürften ein zunehmender Zeitdruck, Staus und Baustellen beigetragen haben, die den Fahreralltag mental fordernder machen.

Benefits: von allem mehr

Berufskraftfahrinnen und -fahrer sind gefragt. Das macht sich auch beim Gehalt und den Zusatzleistungen bemerkbar, mit denen Arbeitgeber um sie werben. Neben finanziellen Anreizen haben nicht monetäre Benefits stark an Bedeutung gewonnen. Am häufigsten bieten Arbeitgeber Weiterbildungen an (41,7 %). Sie sind wichtig, da Berufskraftfahrer keinen gesetzlichen Anspruch auf Kostenübernahme für vorgeschriebene Qualifizierungen haben. In der Praxis dürften viele Arbeitgeber sie jedoch freiwillig übernehmen, um Beschäftigte langfristig zu binden. Vor sieben Jahren spielten Weiterbildungsangebote dagegen kaum eine Rolle.

Berufskraftfahrer verbringen viel Zeit in der Fahrerkabine und legen Wert auf das Fahrzeug, mit dem sie unterwegs sind. Fast jedes dritte Unternehmen wirbt mit einer modernen Fahrzeugflotte. Zudem erwähnen sie eine zeitgemäße Arbeitskleidung und -ausstattung, beispielsweise mit Smartphone oder Tablet (22,6 %).

"Die Professionalität im Fahrerberuf ist gestiegen – nicht zuletzt auch deshalb, weil Unternehmen konkret davon profitieren", erklärt Katrin Haupt, Geschäftsführerin der DEKRA Akademie. "Denn gut qualifizierte Fahrerinnen und Fahrer verursachen weniger Unfälle, sparen Kraftstoff oder gefährden keine Kundenbeziehungen. Zudem sind Beschäftigte, die wertgeschätzt werden, ihrem Arbeitgeber stark verbunden."

Inhalte des DEKRA Arbeitsmarktreports

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