Seit dem 1. Juli 2026 entfällt der bisherige EU-Einfuhrzoll von 10 Prozent auf Fahrzeuge aus den USA: Mit der Verordnung (EU) 2026/1455 schafft die Europäische Union auf der Basis einer entsprechenden Zoll-Vereinbarung mit der Trump-Regierung sämtliche Zölle auf US-Industriegüter ab.

Zoll-Wegfall gilt auch für deutsche Autos aus US-Produktion

Wichtig dabei: Das Ursprungsland richtet sich nach dem Produktionsort des Fahrzeugs, nicht nach der Marke – der Nullzoll gilt daher auch für europäische Modelle, die in den USA gefertigt werden. Für deutsche Autokäufer kann das eine Ersparnis von mehreren tausend Euro pro Fahrzeug bedeuten – und dürfte die ohnehin hohe Nachfrage nach US-Importen weiter beleben.

Denn nach Daten des Automobil-Datenunternehmens carVertical sind die USA schon heute die wichtigste Importquelle des deutschen Gebrauchtwagenmarkts. Experten warnen jedoch: Gerade Fahrzeuge aus den USA bergen überdurchschnittliche Risiken. Mehr als 8 von 10 in Deutschland geprüften US-Importen weisen eine dokumentierte Schadenshistorie auf.

USA sind Deutschlands wichtigste Importquelle für Gebrauchtwagen

Nach Daten von carVertical stammten 3,1 Prozent aller im Jahr 2025 in Deutschland geprüften Fahrzeuge aus den USA – mehr als aus jedem anderen Land. Es folgen Frankreich (2,2 Prozent), Belgien (2 Prozent), Dänemark (2 Prozent) und Polen (1,4 Prozent). Insgesamt machten Importfahrzeuge 24,5 Prozent aller in Deutschland geprüften Autos aus, während 75,5 Prozent lokale Fahrzeuge waren.

Mit dem Wegfall der Zölle auf Waren mit US-Ursprung dürfte der Anteil der US-Importe weiter steigen. Bislang wurde zusätzlich zur regulären Einfuhrumsatzsteuer ein Zoll von 10 Prozent auf den Fahrzeugwert erhoben. Wichtig zu wissen: Die Einfuhrumsatzsteuer bleibt bestehen – gefallen ist speziell die 10-Prozent-Zollhürde für Fahrzeuge, die in den USA gefertigt wurden.

Zunahme unseriöser Händler und Schaden-Autos erwartet

"Der Wegfall der Zölle macht US-Fahrzeuge auf einen Schlag attraktiver. Bei einem Fahrzeugwert von 50.000 Euro sprechen wir schnell von einer Ersparnis im hohen vierstelligen Bereich. Das wird die Nachfrage nach Importen aus den USA spürbar anschieben – und damit leider auch das Geschäft unseriöser Händler, die defekte Fahrzeuge billig aufkaufen, die Schäden verschleiern und sie in Europa mit einer hohen Gewinnmarge weiterverkaufen“, sagt Matas Buzelis, Experte für den Automobilmarkt bei carVertical.

Mehr als acht von zehn Fahrzeugen mit Vor-Crashs 

Die Daten von carVertical zeigen, wie groß das Risiko bereits heute ist: 83,2 Prozent der aus den USA nach Deutschland importierten Fahrzeuge wiesen Schadensaufzeichnungen auf – der höchste Wert unter den wichtigsten Importquellen, nahezu gleichauf mit Belgien (84,9 Prozent). Zum Vergleich: Bei Fahrzeugen aus Frankreich lag der Anteil bei 38,6 Prozent, aus Polen bei 60 Prozent und aus Dänemark bei 12,6 Prozent.

Hinzu kommt das Risiko manipulierter Kilometerstände: 3,2 Prozent der US-Importe hatten einen zurückgedrehten Tacho. Ein Grund dafür ist, dass Länder ihre Fahrzeugdaten nicht systematisch untereinander austauschen. Wird ein Auto exportiert, beginnt seine Historie im neuen Markt praktisch von vorne – Vorschäden lassen sich verschleiern, Kilometerstände manipulieren.

Auch ehemalioge Hagel- und Hochwasserschäden im Angebot

"Viele US-Fahrzeuge kommen als sogenannte Salvage-Autos nach Europa: Unfall-, Hagel- oder Flutfahrzeuge, die von Versicherungen abgeschrieben und auf Auktionen günstig verkauft wurden. Nach einer möglichst billigen Reparatur sehen sie äußerlich makellos aus. Ohne einen Blick in die Fahrzeughistorie ist für Käufer kaum erkennbar, dass ein strukturell beschädigtes und potenziell unsicheres Auto vor ihnen steht“, erklärt Buzelis.

Importierte Autos sind generell die riskantere Wahl

Das erhöhte Risiko beschränkt sich nicht auf Fahrzeuge aus den USA. Von allen Autos, die carVertical-Kunden in Deutschland zwischen Januar 2025 und März 2026 überprüften, wiesen 61,2 Prozent der importierten Fahrzeuge eine dokumentierte Schadenshistorie auf – im Vergleich zu 45,5 Prozent der lokal genutzten Autos. Damit ist die Wahrscheinlichkeit von Schadensaufzeichnungen bei Importen rund 1,3-mal höher als bei inländischen Fahrzeugen.

Frühere Untersuchungen von carVertical zu Tachomanipulationen zeigen zudem, dass importierte Fahrzeuge zwei- bis fünfmal häufiger manipuliert sind als inländische Autos – ein konsistentes Muster bei grenzüberschreitenden Transaktionen.

Käufer erwarten Transparenz – bekommen sie aber nicht immer

Wie wichtig deutschen Autokäufern eine saubere Fahrzeughistorie ist, zeigt eine aktuelle carVertical-Umfrage unter 14.000 Fahrern in ganz Europa, darunter 2.000 aus Deutschland: 94,6 Prozent der deutschen Autokäufer sind der Meinung, dass Verkäufer verpflichtet sind, frühere Schäden offenzulegen. 67,1 Prozent würden ein Auto ohne Schadenshistorie bevorzugen, während nur 10,8 Prozent den Preis als wichtigstes Kriterium nannten. 68,5 Prozent würden kein Auto kaufen, das einen schweren Unfall hinter sich hat – selbst wenn es perfekt aussieht. Gleichzeitig wären 71 Prozent bereit, mehr für ein Fahrzeug zu bezahlen, bei dem sie sicher sein können, dass es nie in einen Unfall verwickelt war.

"Günstigere US-Importe sind zunächst eine gute Nachricht für Verbraucher. Aber der Preisvorteil durch den Zollwegfall kann sich schnell ins Gegenteil verkehren, wenn das vermeintliche Schnäppchen einen verschwiegenen Totalschaden hinter sich hat. Wer jetzt über einen US-Import nachdenkt, sollte die Fahrzeughistorie prüfen, bevor er kauft – nicht danach“, rät Buzelis.

Methodik der Studie

Die carVertical-Studie analysiert Fahrzeugberichte, die von den Nutzern des Unternehmens zwischen Januar 2025 und März 2026 erworben wurden. Importierte Fahrzeuge wurden nach Herkunftsländern gruppiert, in Prozentwerte umgerechnet und entsprechend gereiht. Der Anteil der Fahrzeuge mit manipuliertem Kilometerstand und Schadensaufzeichnungen wurde auf Basis aller von carVertical-Nutzern im Jahr 2025 geprüften Fahrzeughistorien berechnet.

Darüber hinaus stützt sich der Artikel auf Daten einer carVertical-Umfrage, die im Februar bis März 2026 durchgeführt wurde und an der 14.000 Befragte aus 22 Ländern teilnahmen, darunter 2.000 aus Deutschland. Da die Stichprobe der Umfrage ausschließlich Nutzer der Dienste von carVertical umfasst, spiegelt sie Personen wider, die aktiv auf der Suche nach einem Autokauf sind.

Über carVertical

Im Jahr 2019 führte carVertical das erste globale Fahrzeughistorienregister ein und erhöhte somit die Transparenz auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Seitdem ist das Unternehmen in mehr als 38 Ländern vertreten. Die Berichte zur Fahrzeughistorie basieren auf Informationen aus über 900 internationalen Datenbanken. Unter anderem aus Daten von internationalen Fahrzeugregistern, Versicherungsunternehmen, Strafverfolgungsbehörden, offiziellen Werkstätten und verschiedenen weiteren Einrichtungen. Anhand dieser Informationen werden dann detaillierte und übersichtliche Berichte erstellt, die dabei helfen, Betrug auf dem Gebrauchtwagenmarkt aufzudecken.

Die Top-5 der Länder, aus denen Deutschland die meisten Gebrauchtwagen importiert. © Foto: Grafik carVertical
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