Der deutsche Gebrauchtwagenmarkt zeigt zur Jahresmitte 2026 ein uneinheitliches Bild. Während die Zahl der Besitzumschreibungen zurückgeht, Händlerbestände wachsen und die durchschnittlichen Angebotspreise nachgeben, entwickeln sich gebrauchte Elektroautos zunehmend abweichend vom Gesamtmarkt. Da zeigt der Autoscout24-Marktreport fürs zweite Quartal 2026.
Der deutsche Gebrauchtwagenmarkt entwickelte sich im zweiten Quartal 2026 uneinheitlich. Nach Daten des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) lag die Zahl der Besitzumschreibungen drei Prozent unter dem Vorjahreswert. Gleichzeitig stiegen die Bestände professioneller Händler um drei Prozent. Das größere Angebot traf damit auf eine zurückhaltendere Nachfrage. Trotz der höheren Lagerbestände blieben die Vermarktungszeiten weitgehend stabil. Im Juni standen verkaufte Gebrauchtwagen durchschnittlich 55 Tage im Bestand und damit nahezu auf dem Niveau des Vorjahres.
Angebotspreise geben nach
Auch die Preisentwicklung spricht für einen zunehmend wettbewerbsintensiven Markt. Der durchschnittliche Angebotspreis eines Gebrauchtwagens lag im Juni bei 27.231 Euro. Dies entspricht einem Rückgang von 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Für viele Autohäuser bedeutet das anhaltenden Druck auf die Margen. Gleichzeitig erhöht das größere Fahrzeugangebot die Vergleichbarkeit für Kunden und verstärkt den Preiswettbewerb.
Elektroautos: + 128 Prozent
Deutlich positiver entwickelte sich das Segment der gebrauchten Elektroautos. Laut dem Marktreport Q2 2026 lag das Verhältnis von Nachfrage zu Angebot im zweiten Quartal 128 Prozent über dem Vorjahreswert. Im Juni betrug das Plus immer noch 93 Prozent. Damit erreichten gebrauchte Elektrofahrzeuge erstmals das Nachfrageniveau von Benzinern und Dieselfahrzeugen und lagen zeitweise sogar darüber. Als Treiber gelten unter anderem die gestiegenen Kraftstoffpreise im Zuge des Irankonflikts, die viele Verbraucher dazu veranlassten, sich stärker mit alternativen Antrieben zu beschäftigen.
Stromer mit kurzen Standzeiten
Die gestiegene Nachfrage spiegelt sich auch in den Händlerbeständen wider. Lag der Anteil von Elektroautos an den professionellen Händlerbeständen im März noch bei rund neun Prozent, waren es im Juni nur noch etwa sechs Prozent. Zugleich verkürzte sich die durchschnittliche Verkaufsdauer gebrauchter Elektroautos im zweiten Quartal um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Juni wurden Stromer sogar 23 Prozent schneller verkauft als ein Jahr zuvor. Damit wechselten sie schneller den Besitzer als der Durchschnitt aller auf der Plattform angebotenen Gebrauchtwagen.
Während die Angebotspreise auf dem Gesamtmarkt sanken, stieg der Durchschnittspreis gebrauchter Elektroautos im zweiten Quartal um sechs Prozent auf 37.126 Euro. Dieses Plus bedeutet jedoch nicht zwangsläufig steigende Preise bei einzelnen Fahrzeugmodellen. "Der Anstieg des durchschnittlichen Angebotspreises bedeutet nicht zwangsläufig, dass gebrauchte Elektroautos insgesamt teurer geworden sind. Die Entwicklung spricht vielmehr dafür, dass sich die Zusammensetzung des Angebots verändert hat. Günstigere Fahrzeuge wurden dem Markt verstärkt entnommen, und die verbleibenden höherpreisigen Fahrzeuge prägen den Durchschnittspreis damit stärker", erklärt Stefan Schneck, Vertriebschef Deutschland bei Autoscout24.
Tatsächlich verbilligten sich mehrere wichtige Elektromodelle innerhalb eines Jahres. Das Tesla Model Y verlor neun Prozent und lag bei durchschnittlich 35.456 Euro. Der Skoda Enyaq sank um 15 Prozent auf 33.567 Euro. Der Audi Q4 e-tron gab um sieben Prozent auf 37.830 Euro nach, während der Volkswagen ID.4 vier Prozent günstiger wurde und durchschnittlich 33.173 Euro kostete.
Neue Chancen für den Handel
Die aktuellen Marktdaten deuten auf eine zunehmende Zweiteilung des Gebrauchtwagenmarktes hin. Während Verbrenner von steigenden Beständen und sinkenden Preisen geprägt sind, profitieren gebrauchte Elektroautos von einer deutlich höheren Nachfrage und kürzeren Standzeiten. Für Händler eröffnet dies Chancen, insbesondere bei gut kalkulierten E-Gebrauchtwagen. Gleichzeitig bleibt bei klassischen Antrieben ein konsequentes Bestands- und Preismanagement entscheidend, um die Kapitalbindung in den Betrieben zu begrenzen.
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