Der Wechsel hin zur Elektromobilität nimmt Fahrt auf und erreicht zunehmend auch den Gebrauchtwagenmarkt. Das geht aus dem aktuellen HUK-E-Barometer hervor. Von allen Privatkunden, die im zweiten Quartal ihr bei der HUK versichertes Auto wechselten, stieg annähernd jeder Achte (12 Prozent) von einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor auf einen reinen Stromer um. Das sind doppelt so viele wie im Gesamtjahr 2025 und zugleich der mit Abstand höchste Quartalswert seit Einführung der Erhebung Anfang 2020.

Auch bei Neuwagen wurde ein Rekord erreicht. Hier wechselten 24,9 Prozent der Kunden von einem Verbrenner auf ein reines E-Auto. Damit wurde der bisherige Höchststand aus dem Jahr 2022 übertroffen.

Umstiege auf E-Autos erreichen Rekordniveau

Die aktuellen Werte liegen auch deutlich über dem Niveau vor dem Iran-Krieg und den darauf folgenden starken Anstiegen bei den Kraftstoffpreisen. Im Januar und Februar 2026 lag die Umsteigerquote auf reine Elektroautos bei lediglich 6,3 Prozent und damit etwa halb so hoch wie heute. 

Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung bei Gebrauchtwagen. Dieser Markt ist in Deutschland mehr als doppelt so groß wie der Neuwagenmarkt und galt bislang als Nachzügler der Elektromobilität. Nun sprang die Umsteigerquote auf 7,9 Prozent. Das ist ein neuer Höchstwert und mehr als doppelt so viel wie im Vorjahresquartal.

Hohe Spritpreise hinterlassen sichtbare Spuren

Nach Einschätzung der HUK gibt es zahlreiche Hinweise darauf, dass die gestiegenen Diesel- und Benzinpreise den Trend beschleunigen. So nahm die Umstiegshäufigkeit auf gebrauchte Elektroautos im zweiten Quartal stärker zu als bei vollelektrischen Neuwagen. Gebrauchtwagen können kurzfristiger angeschafft werden und erlauben damit eine schnellere Reaktion auf steigende Kraftstoffkosten.

Besonders ausgeprägt ist der Trend bei Vielfahrern. Wer mehr als 12.000 Kilometer im Jahr zurücklegt, wechselte im zweiten Quartal deutlich häufiger auf ein E-Auto als Fahrer mit geringerer Jahresfahrleistung. Die Umsteigerquote lag hier bei 14,7 Prozent gegenüber 8,0 Prozent. Bei gebrauchten Elektroautos fiel der Unterschied sogar noch stärker aus: 10,7 Prozent gegenüber 4,5 Prozent.

Eine repräsentative Befragung von mehr als 4.000 Menschen im Rahmen des HUK-E-Barometers liefert weitere Hinweise auf den Zusammenhang. Demnach gab fast jeder vierte Führerscheinbesitzer (24 Prozent) an, wegen der gestiegenen Kraftstoffpreise seit Beginn des Iran-Kriegs erstmals über die Anschaffung eines Elektroautos nachgedacht zu haben oder einen geplanten Kauf vorzuziehen.

"Der Hochlauf der Elektromobilität hat eine neue Dimension erreicht, auch angetrieben durch die stark gestiegenen Spritpreise", sagt Jörg Rheinländer, im Vorstand der HUK Coburg für die Autoversicherung zuständig. "Elektrische Gebrauchtwagen können dabei offenbar zum Gamechanger werden. Möglicherweise ließe sich dieser Trend noch verstärken, wenn neben den Käufern von Neuwagen auch die Käufer gebrauchter E-Autos von der staatlichen E-Autoprämie profitieren könnten."

Gesellschaftliche Akzeptanz nimmt zu

Auch die gesellschaftliche Akzeptanz der Elektromobilität steigt weiter. Erstmals seit Beginn der Erhebungen des HUK-E-Barometers im Jahr 2024 bewertet eine Mehrheit der Deutschen Elektroautos positiv. 52 Prozent der Befragten finden Stromer inzwischen "gut" oder "sehr gut". Dabei zeigen sich Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Männer beurteilen Elektroautos weiterhin positiver, doch Frauen holten im zweiten Quartal deutlich auf. Der Anteil der Frauen mit einer positiven Einstellung stieg von 37 auf 45 Prozent. Bei Männern erhöhte sich der Wert von 54 auf 59 Prozent.

Tesla und China-Marken legen zu

Die Hersteller profitieren unterschiedlich stark vom Boom der Elektromobilität. Bei den Neuwagen konnten vor allem ausländische Marken ihre Position verbessern. Der chinesische Hersteller BYD steigerte seinen Anteil an den Umsteigern von Verbrennern auf reine Elektro-Neuwagen von 0,8 auf 3,3 Prozent. Ebenfalls deutlich zulegen konnte die chinesische Marke Leapmotor, deren Anteil von 1,8 auf 3,4 Prozent stieg.

Zugleich gelang Tesla ein bemerkenswertes Comeback. Nachdem der Anteil der Marke 2025 von 15,5 auf 5,6 Prozent eingebrochen war, stieg er im ersten Halbjahr 2026 wieder deutlich auf 12,2 Prozent. Weniger erfolgreich verlief die Entwicklung für die meisten deutschen Hersteller. Mit Ausnahme von Opel verloren sämtliche deutschen Marken Marktanteile bei den Umstiegen von Verbrennern auf neue Elektroautos.

VW bei Elektro-Neuzulassungen vorn

Die staatliche Prämie dürfte auch bei den hohen Elektro-Neuzulassungen im Juli eine Rolle gespielt haben. Die meisten reinen Stromer setzte sowohl im einzelnen Monat als auch seit Jahresbeginn VW ab, wie aus Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes hervorgeht. Im Juli waren es gut 10.000 Fahrzeuge, seit Jahresbeginn fast 60.000. Dahinter folgten im Juli BMW und Skoda mit 7.700 beziehungsweise 6.400 Fahrzeugen. In der Betrachtung seit Jahresbeginn liegt dagegen Skoda mit 43.100 Fahrzeugen auf Rang zwei vor BMW mit 38.700. Dahinter folgen Mercedes-Benz und Audi.

VW-Konzern behauptet sich auch bei gebrauchten Stromern

Anders sieht das Bild bei gebrauchten Elektroautos aus. Hier konnten Marken des VW-Konzerns ihre Marktposition ausbauen oder behaupten. So entfiel bei Umstiegen auf gebrauchte E-Autos jedes sechste Fahrzeug auf VW. Der Marktanteil stieg im ersten Halbjahr auf 17,1 Prozent. Auch Audi, Skoda und Cupra legten bei den Gebrauchtwagenanteilen zu.

Große Unterschiede zwischen den Regionen

Im Bundesländervergleich verzeichnen Schleswig-Holstein und Niedersachsen die größte Dynamik beim Wachstum des privaten E-Auto-Bestands. Bayern folgt auf Rang drei. Am anderen Ende der Skala liegen Sachsen und Berlin. Dort erreicht die Dynamik nur etwa die Hälfte der Spitzenwerte. Unterdurchschnittlich entwickelt sich inzwischen auch Baden-Württemberg, wobei die Landeshauptstadt Stuttgart eine Ausnahme bildet.

Unter den 15 größten deutschen Städten weist Stuttgart die höchste Wachstumsdynamik auf. Mit einem Anteil von 5,3 Prozent reiner Elektroautos am privaten Fahrzeugbestand liegt die Stadt zudem klar vor allen anderen Metropolen. Den höchsten E-Auto-Anteil unter allen Kreisen und kreisfreien Städten erreicht dagegen der Landkreis Starnberg mit 7,4 Prozent. Zu den Schlusslichtern zählen Frankfurt (Oder) mit 1,4 Prozent sowie die Landkreise Görlitz und Vogtlandkreis mit jeweils 1,5 Prozent. Die geringste Marktdynamik bundesweit verzeichnet die Stadt Gelsenkirchen. Dort wächst der Bestand privater E-Autos derzeit weniger als ein Sechstel so stark wie in den Spitzenreitern Cloppenburg und Schweinfurt.

Auch Plug-in-Hybride legen zu

Neben reinen Elektroautos gewinnen auch Plug-in-Hybride an Bedeutung. Seit Jahresbeginn profitieren auch diese Fahrzeuge von staatlichen Förderprämien. Vor allem Fahrer von Benzin- und Dieselfahrzeugen wechseln häufiger auf Plug-in-Hybride. Besonders stark nimmt die Nachfrage nach gebrauchten Modellen zu.

Im Gegensatz dazu verlieren Mild- und Vollhybride ohne externe Lademöglichkeit an Attraktivität. Gleichzeitig deutet vieles darauf hin, dass Plug-in-Hybride zunehmend als Brückentechnologie dienen. So wechselten im zweiten Quartal 39,4 Prozent der bisherigen Plug-in-Hybrid-Fahrer beim Kauf eines Neuwagens auf ein reines Elektroauto. Das waren sogar mehr als die 38,1 Prozent, die erneut einen Plug-in-Hybrid wählten.

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