Chery hat seinen Fahrplan für den Deutschland-Start konkretisiert. Der Verkaufsstart ist für das erste Halbjahr 2027 geplant. Bis Ende desselben Jahres soll ein Netz von mindestens 100 Vertriebs- und Servicestandorten entstehen. Anders als viele neue Anbieter setzt Chery dabei auf eigene Landesgesellschaften statt auf klassische Distributor-Modelle.

Als Referenzmärkte nennt das Management insbesondere Polen, Spanien und Großbritannien. Dort erreichte Chery nach eigenen Angaben bereits Marktanteile zwischen 1,5 und 2,5 Prozent. Für Polen verweist das Unternehmen auf einen Marktanteil von rund zwei Prozent. Konkrete Absatz- oder Marktanteilsziele für Deutschland nennt das Unternehmen derzeit nicht.

Eric Zheng im Gespräch mit AUTOHAUS-Redakteur Stefan Schmid © Foto: Harald Dawo

Dass Chery erst jetzt nach Deutschland kommt, ist Teil einer langfristigen Strategie. Während andere chinesische Hersteller früh den Sprung auf Europas größten Automobilmarkt wagten, baute die Marke zunächst ihr Geschäft in Polen, Spanien und Großbritannien auf. "Deutschland ist einer der anspruchsvollsten Automobilmärkte Europas", sagt Chery-Deutschlandchef Eric Zheng im Gespräch mit AUTOHAUS. "Wir wollten nicht einfach nur nach Deutschland kommen, sondern erst dann starten, wenn wir genau wissen, wie wir hier langfristig erfolgreich sein können."

Auch Patrick Reimers sieht den Deutschland-Start als Ergebnis einer längeren Vorbereitungsphase. "Erst der Grundschulabschluss, dann das Abitur“, sagt der Country Director und verweist auf die Erfahrungen, die Chery zuvor in anderen europäischen Märkten gesammelt hat. Anders als viele neue Anbieter setzt Chery dabei auf eigene Landesgesellschaften statt auf klassische Distributor-Modelle.


Chery Tiggo 4 HEV


Marktorientierte Modellstrategie

Die Europa-Erfahrungen sollen sich auch im Produktangebot widerspiegeln. Statt einen einheitlichen Ansatz für alle Märkte zu verfolgen, will Chery seine Modelle gezielt an lokale Anforderungen anpassen. "Fahrzeuge sind ein sehr lokales Produkt", sagt Deutschlandchef Eric Zheng. Entsprechend orientiert sich Chery nach eigenen Angaben bei Modellangebot, Antrieben und Technik an den Anforderungen der jeweiligen Märkte.

Zum Deutschland-Start setzt die Marke deshalb auf die hierzulande gefragten SUV-Segmente. Mit Tiggo 4, Tiggo 7, Tiggo 8 und Tiggo 9 deckt Chery die volumenstarken Klassen ab und richtet sich vor allem an Familienkunden. Anders als die stärker auf Design und Lifestyle ausgerichteten Schwestermarken Omoda und Jaecoo versteht sich Chery als klassische Volumenmarke. Dasselbe Prinzip gilt für die Antriebe. Statt ausschließlich auf Elektromobilität zu setzen, kommen Tiggo 4 und Tiggo 7 als Vollhybride, Tiggo 8 und Tiggo 9 als Plug-in-Hybride auf den Markt. Rein batterieelektrische Modelle sollen folgen. Zheng verweist dabei auf die unterschiedlichen Anforderungen der Märkte und Kunden.


Chery Tiggo 7 HEV


Was vor Ort gebraucht wird, bestimmt die Ausgestaltung. Als Beispiel nennt Zheng den Tiggo 4, der für Deutschland einen 1,5-Liter-Turbomotor und eine angepasste Fahrwerksabstimmung erhält. In anderen Märkten sei die bisherige Auslegung ausreichend, für Deutschland habe man Motor und Fahrwerk jedoch angepasst. "Die Menschen fahren hier schneller. Deshalb ist Deutschland ein anderer Markt", so Zheng.

Aufbau auf bestehenden Strukturen

Beim Aufbau des Deutschland-Geschäfts will Chery auf bestehende Strukturen zurückgreifen. Im Aftersales setzt der Hersteller auf Erfahrungen der bereits in Europa etablierten Schwestermarken Omoda und Jaecoo. Das betrifft unter anderem Prozesse, Schulungen und organisatorische Abläufe. Die Ersatzteilversorgung soll über ein europaweites Netzwerk mit Lagerstandorten in Deutschland, Polen, Spanien, Frankreich und Italien erfolgen. Als Logistikpartner arbeitet Chery dabei mit K&L zusammen. Teilebestände sollen bei Bedarf länderübergreifend verfügbar gemacht werden.


Chery Tiggo 8 PHEV


Parallel arbeitet die deutsche Organisation am Aufbau von Leasing- und Finanzierungslösungen. Nach Angaben des Managements laufen Gespräche mit "den drei großen Anbietern im Markt". Ziel sind bundesweit einheitliche Angebote für Handel und Kunden. Daneben spricht Chery mit DAT sowie Autovista/Schwacke über Restwertprognosen und Marktanalysen.


Chery Tiggo 9 PHEV


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