Der Verband der Automobilhändler Deutschlands (VAD) spricht sich für eine Ausweitung der E-Auto-Förderung auf junge gebrauchte Elektrofahrzeuge aus. Gefördert werden sollten nach Vorstellung des Verbands Fahrzeuge mit einem Alter von bis zu 18 Monaten. Damit könnten Elektroautos für deutlich mehr Privatkunden erschwinglich werden. Gleichzeitig würde die Förderung stärker deutschen Herstellern zugutekommen, die im Markt für junge Gebrauchtwagen besonders stark vertreten sind. Eine Analyse des VAD auf Basis der zum 1. August veröffentlichten Förderdaten zeigt, dass bislang vor allem Importmarken von der Kaufprämie profitieren.
Demnach entfallen 18,5 Prozent aller bis Juli geförderten batterieelektrischen Fahrzeuge (BEV) auf Tesla. Im gesamten deutschen BEV-Markt erreicht die US-Marke dagegen einen Anteil von 6,5 Prozent. Das günstigste Tesla-Modell, das Model 3, wird aus China importiert. Auf Platz zwei der Marken, die nach Angaben des VAD überproportional von der Förderung profitieren, folgt der chinesische Hersteller Leapmotor. Dahinter liegen Citroën und Mazda. Diese Hersteller erreichen bei den geförderten Fahrzeugen einen mindestens doppelt so hohen Marktanteil wie im gesamten BEV-Markt.
Unterrepräsentiert seien dagegen Volkswagen, BMW, Audi und Mercedes-Benz. Ihr geförderter Anteil liege jeweils unter ihrem Marktanteil bei allen neu zugelassenen Elektroautos. "Wir stellen in unseren Autohäusern fest, dass Kunden verstärkt nach Elektrofahrzeugen fragen", sagt VAD-Präsident Burkhard Weller. "Vor allem das Interesse an günstigeren Fahrzeugen ist deutlich gestiegen. Dazu tragen allerdings auch andere Faktoren bei, insbesondere die Entwicklung der Kraftstoffpreise und das wachsende Angebot attraktiver Elektroautos."
Junge Gebrauchte im Fokus
Der VAD sieht die Entwicklung als Zeichen dafür, dass Elektroautos zunehmend im Massenmarkt ankommen. "Das wachsende Kundeninteresse zeigt uns: Die Elektromobilität wird sich durchsetzen – auch ohne Prämien, Verbote und Quoten", sagt Weller. "Wenn der Staat den Hochlauf zusätzlich fördern will, sollten die Mittel aber möglichst viele Menschen erreichen und zugleich die industrielle Wertschöpfung in Deutschland und Europa stärken." Der Verband schlägt deshalb vor, künftig auch junge gebrauchte Elektroautos bis zu einem Alter von 14 Monaten in die Förderung einzubeziehen.
Deutsche Konzernmarken seien in diesem Marktsegment besonders stark vertreten. Von Januar bis Juli 2026 kamen sie nach Angaben des VAD auf fast 200.000 Besitzumschreibungen und damit auf mehr als doppelt so viele wie Importmarken. Eine Regelung ähnlich der Umweltprämie von 2009, als bis zu 14 Monate alte Fahrzeuge gefördert wurden, könnte nach Einschätzung des Verbands dieses Marktsegment beleben und über Nachzieheffekte auch den Absatz von Neufahrzeugen positiv beeinflussen. Privatkunden würden von einer solchen Regelung besonders profitieren. Während rund zwei von drei Neuwagen in Deutschland gewerblich zugelassen werden, kaufen Privatkunden überwiegend Gebrauchtwagen.
Durch den Wertverlust in den ersten Monaten nach der Erstzulassung seien junge Gebrauchte deutlich günstiger als vergleichbare Neufahrzeuge. "Wenn die Förderung vor allem Menschen mit kleineren und mittleren Einkommen den Umstieg auf ein Elektroauto erleichtern soll, darf sie den Gebrauchtwagenmarkt nicht ausblenden", sagt Weller. "Dort kaufen die meisten Privatkunden ihre Autos. Gerade junge gebrauchte Elektrofahrzeuge bieten die Chance, moderne Technik zu deutlich niedrigeren Preisen verfügbar zu machen."
Nach Berechnungen des VAD erreicht die Förderung bislang lediglich 5,5 Prozent des Marktes. Durch die Einbeziehung junger Gebrauchtwagen könnte die Zahl der förderfähigen und tatsächlich geförderten Elektroautos deutlich steigen und damit die Marktdurchdringung beschleunigt werden.
Kritik an "Local Content"-Vorgaben
Kritisch bewertet der Verband Überlegungen, die Förderung künftig an sogenannte "Local Content"-Vorgaben zu koppeln. Angesichts der international verflochtenen Lieferketten der Automobilindustrie seien solche Kriterien nur mit erheblichem bürokratischem Aufwand umsetzbar. "Ein Auto besteht aus Tausenden Komponenten, die aus zahlreichen Ländern stammen. Daraus ein Regelwerk für die Förderfähigkeit abzuleiten, schafft Abgrenzungsprobleme und zusätzliche Bürokratie", warnt Weller.
"Unsere Verkäufer müssen dem Kunden schon zu Beginn der Beratung zuverlässig sagen können, ob sein Wunschfahrzeug förderfähig ist. Die Förderung junger Gebrauchter wäre der wesentlich einfachere und marktnähere Weg."
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