Oliver Blume ist im Moment nicht zu beneiden: Er muss die Mitarbeiter an den gefährdeten Werksstandorten auf einen unvermeidlichen Sparkurs einschwören, braucht aber auch eine "Erzählung nach vorn". Auch VW-Aufsichtsrat Olaf Lies unterstreicht dies stellvertretend für die Arbeitnehmerseite mit dem Wunsch nach einem "tragfähigen Zukunftskonzept" und der Betonung, dass Entlassungen (allein) nicht die Lösung sein können. Stimmt, Werksschließungen und Verschlankungen lassen sich allen Beteiligten umso besser vermitteln, je klarer das Zielbild ist.

Bei "Volkswagen 2030" hilft die Rückbesinnung auf zwei Fragen:

  1. Was wollen die Kunden / die Auto-Interessenten?
  2. Wie beurteilt der Handel die Kundenwünsche?   

Was passt zum Alltag der Kunden?

Schon weil der Automobilhandel traditionell nahe am Kunden ist lohnt sich der Blick zum Beispiel auf das, was beim neu gegründeten Verband der Automobilhändler Deutschlands (VAD) zu lesen ist: Wir wollen "eine Politik, die Technologievielfalt ermöglicht und Innovationen für nachhaltige Mobilität fördert". Mit anderen Worten: Technologieoffenheit ist gut für klimaschonende Mobilität. Was die Kundenwünsche betrifft, so wissen wir unter anderem aus der aktuellen Studie "Die Deutschen und der Automobilhandel" des VAD, dass sich auch und gerade diejenigen eine antriebsneutrale Beratung zum passenden Antrieb wünschen, die sich für ein E-Auto interessieren. Die vielbeschworene zweite Welle der (E-)Auto-Interessenten reagiert offensichtlich allergisch auf die (angebliche) Alternativlosigkeit einer bestimmten Technologie. Im Vordergrund steht vielmehr die Frage, welcher Antrieb am besten zum Alltag des jeweiligen Kunden passt. 

Hybrid-Strategie bei Technologien

Volkswagen ist deshalb gut beraten, Verbrenner frisch zu halten und in Elektro zu investieren. Eine solche Hybrid-Strategie mag teuer sein, ist aber alternativlos. BMW zeigt uns doch, dass Elektroautos gerade wegen der "Power of Choice" erfolgreich verkauft werden. Wenn Technologieoffenheit zu Verunsicherung und Kaufzurückhaltung führen würde, wäre eine Pleite von BMW wohl nur eine Frage der Zeit. Weil das gerade nicht der Fall ist, rücken mit etwas Zeitverzögerung auch Audi, Mercedes-Benz, Porsche, Opel und Ford von ihren ambitionierten "Electric-Only-Plänen" ab. Toyota gibt dem Kind sogar den schönen Namen "Multi-Path-Strategie". Gut so, bietet Antriebsvielfalt doch drei Chancen: mehr Kundenorientierung, schnelleren Hochlauf der Elektromobilität und stabile Renditen. Schließlich bezahlt die Evolution (Verbrenner) die Revolution (E-Autos). 

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Kunden beim Mobilitätsbedürfnis abholen

Um den Hochlauf der Elektromobilität weiter zu befeuern, sollten wir wissen, dass insbesondere die nachrückenden jüngeren Auto-Interessenten mit immer weniger Vorwissen in den Entscheidungsprozess für ein Auto gehen. Anders ausgedrückt: Ein breites Auto- und Antriebsangebot trifft auf Auto-Interessenten mit immer weniger klaren Vorstellungen zu ihrem Wunschfahrzeug. Um für Klarheit und Kaufimpulse zu sorgen, kommt es mehr denn je darauf an, Auto-Interessenten möglichst schon vom ersten digitalen Kontaktpunkt an bei ihren Mobilitätsbedürfnissen abzuholen und passende Fahrzeuge mit passenden Antrieben im Dschungel der Möglichkeiten zu empfehlen.

Wenn Volkswagen gemeinsam mit seinen Händlern auf diese Weise sichtbare Kompetenz für klimaschonende (Elektro-)Mobilität aufbaut, schärft dies nicht nur die Zukunftsfähigkeit der Konzernmarken, sondern befeuert auch den Verkauf von E-Autos.  "Electric Only" als häufig geforderte Alternative würde bedeuten, Tesla, BYD und Co. an ihrer stärksten Stelle anzugreifen. Da erscheint es doch deutlich zielführender, "Electric First" mit der gewachsenen Kompetenz und Offenheit für Innovationen rund grüne Mobilität zu verbinden. Händler sind von daher gut beraten, E-Autos im Verkauf zu priorisieren, aber nicht zu verabsolutieren. "Electric First" halt. Nur Mut: Zukunft braucht Herkunft.

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