Klack, klack, klack: Natürlich soll ein Blinker gut hörbar sein, aber doch nicht so. Im Tiggo 7, dem Kompaktmodell der für Deutschland neuen China-Marke Chery, wird er sogar lauter, je schneller man fährt. Aber das ist man ja von neuen Autos gewohnt: Sie piepsen und klingeln gerne, und in vielen China-Modellen tun sie das besonders häufig und laut.
Chinas größter Pkw-Exporteur startet im Frühjahr 2027 in Deutschland und von den vier Modellen dürfte der Tiggo 7 das wichtigste sein. Denn der 4,55 Meter lange Fünfsitzer tritt genau in dem Segment, das weiterhin boomt. Gut die Hälfte aller Neuwagen in Europa sind SUV, fast 80 Prozent davon kleine und kompakte Modelle.
Ganz neu ist der Kompaktwagen nicht. Die aktuelle Generation wurde bereits 2020 in China eingeführt. Alt wirkt sie noch nicht. Das Design hält sich mit Spielereien zurück, innen geht es angenehm aufgeräumt zu. Es gibt zwei 12,3 Zoll große Bildschirme, je nach Ausstattung eine Rundum-Kamera, Panoramadach und ein Audiosystem von Sony. Vor allem aber hat Chery nicht jede Funktion in den Bildschirm verbannt. Für Klimaanlage und einige häufig benötigte Funktionen gibt es weiterhin eigene Tasten und Schalter.
Armaturenbrett und obere Bereiche der Türverkleidungen sind weich unterschäumt. Damit liegt die Materialqualität eher über dem, was die angepeilten Preise von rund 30.000 Euro für den Vollhybriden beziehungsweise rund 35.000 Euro für das Modell mit Plug-in-Antrieb erwarten lassen. Weniger überzeugen die Sitze. Sie bieten wenig Seitenhalt, die Verstellmöglichkeiten fallen begrenzt aus, eine Lordosenstütze fehlt.
Schon nach wenigen Metern fällt auf, wie unauffällig der Hybridantrieb arbeitet. Der Vollhybrid kombiniert einen 143 PS starken 1,5-Liter-Turbobenziner mit einem bis zu 204 PS starken Elektromotor. Die Systemleistung beträgt 165 kW/224 PS, maximal stehen 295 Nm zur Verfügung. Je nach Fahrsituation fährt der Tiggo elektrisch, nur mit dem Benziner oder mit beiden Motoren gemeinsam. Bemerkenswert ist, wie wenig der Fahrer von diesem Zusammenspiel mitbekommt. Wie bei Vollhybriden üblich fährt der Tiggo 7 häufig elektrisch an. Schaltet sich der Verbrenner zu, geschieht das ausgesprochen weich und fast unhörbar. Auch unter höherer Last wirkt der Antrieb weder hektisch noch angestrengt. Nur bei Vollgas auf der Autobahn macht sich der Vierzylinder bemerkbar. Die Leistung passt: In 8,7 Sekunden geht es auf Tempo 100 und recht zügig weiter bis zur Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h.
Sportliche Ambitionen entwickelt der Tiggo 7 also nicht. Passend dazu das Fahrwerk: Es ist komfortabel abgestimmt und verarbeitet Unebenheiten recht ordentlich. Allerdings passt die viel zu leichtgängige Lenkung nicht dazu. Sie gibt keinerlei Rückmeldung und fühlt sich einfach nur synthetisch an. Im Sport-Modus steigt zwar die Lenkkraft, mehr Rückmeldung gibt es deshalb nicht.
Der größere Schwachpunkt ist die Bedienung des unnötig verschachtelten Menüs. Viele Einstellungen liegen in Untermenüs, unnötig kleine Symbole erschweren die Bedienung während der Fahrt. Auch das Fahrerdisplay verschenkt Platz. Die Schrift ist teilweise so klein, dass man zweimal hinschauen muss.
Was uns zum Thema Ablenkung bringt. Schnell einen Musiksender suchen oder die Navikarte zoomen bedeutet, kurz den Blick von der Straße zu nehmen und auf dem Bildschirm herumzutatschen. Prompt meldet sich der Aufmerksamkeitsassistent. Soll man also anhalten, nur um einen Sender einzustellen? Die Sprachsteuerung im Testwagen hilft auch nur begrenzt. Sie versteht nur fest hinterlegte Fahrzeugbefehle. Eine freie Frage etwa nach einem Restaurant überfordert das System. Die meisten Assistenzwarnungen lassen sich zwar abschalten, allerdings nur umständlich über Untermenüs. Ruhe kehrt trotzdem nicht ein, irgendetwas piepst fast immer.
Beim Kofferraum gibt es weniger zu kritisieren. 500 Liter Gepäck passen hinter die Rückbank, bei umgelegten Rücklehnen samt ebenem Ladeboden kommt der Tiggo 7 auf ordentliche 1.305 Liter. Besonders variabel ist das Ladeabteil aber nicht: Unter dem Ladeboden sitzt die Batterie, dort gibt es also keinen zusätzlichen Stauraum. Ein anderes Detail stört beim Beladen: Die elektrische Heckklappe schwingt nicht weit genug nach oben. Wer 1,85 Meter misst, muss beim Beladen den Kopf einziehen.
Der Tiggo 7 ist vor allem ein vernünftiges Auto. Für ihn spricht der leise und geschmeidige Hybridantrieb, dazu die ordentlichen Materialien und viel Ausstattung fürs Geld. Wer dagegen Fahrspaß, eine intuitive Bedienung und Ruhe im Cockpit sucht, dürfte mit dem diesem SUV weniger glücklich werden. Bis zum deutschen Marktstart bleibt allerdings noch etwas Zeit: Die gefahrenen Autos entsprechen laut Chery noch nicht dem finalen Deutschlandstand.
Chery Tiggo 7 Hybrid – Technische Daten:
Fünftüriger, fünfsitziger Kompakt-SUV; Länge: 4,55 Meter; Breite: 1,86 Meter; Höhe: 1,70 Meter; Radstand: 2,67 Meter; Kofferraumvolumen: 500-1.305 Liter.
Vollhybrid: 1,5-Liter-Turbobenziner, 105 kW/143 PS, Elektromotor 150 kW/204 PS; Systemleistung: 165 kW/224 PS; maximales Systemdrehmoment: 295 Nm; Frontantrieb, 0–100 km/h: 8,7 s Höchstgeschwindigkeit: 175 km/h, Normverbrauch: 5,7 l/100 km; CO2-Ausstoß: 129 g/km
Preis: voraussichtlich rund 30.000 Euro
Chery Tiggo 7 Hybrid – Kurzcharakteristik:
Warum: ruhiger Antrieb, viel Ausstattung fürs Geld
Warum nicht: synthetische Lenkung, umständliche Bedienung, kleine Anzeigen und nervige Warntöne
Was sonst: Hyundai Tucson, Renault Austral, Toyota Corolla Cross
Wann kommt er: Frühjahr 2027
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