Die Anschläge zeigten auch, welche Dimension versicherte Schäden bei einem einzelnen Terrorereignis erreichen können. Gebäude und Sachwerte wurden beschädigt, Unternehmen mussten ihren Betrieb unterbrechen. Hinzu kamen Haftpflichtansprüche sowie Leistungen aus Lebens- und Unfallversicherungen. Ein einziges Ereignis traf damit gleichzeitig verschiedene Versicherungssparten. Das US Government Accountability Office bezifferte die versicherten Schäden damals auf rund 32,5 Milliarden US-Dollar. 

Ein Schaden mit vielfachen Herausforderungen

Für die Versicherungswirtschaft stellte sich damit eine besondere Frage: Wie lässt sich ein Risiko absichern, das im Extremfall Schäden in Milliardenhöhe verursacht und dessen Ausmaß kaum vorhersehbar ist? 

Für die Versicherungswirtschaft lag die entscheidende Erkenntnis weniger darin, dass plötzlich neue Risiken versichert werden mussten. Sie lag darin, dass ein einzelnes Ereignis mehrere Versicherungszweige auf einen Schlag treffen und die Kapazität des privaten Marktes überfordern kann. Versicherer sprechen dabei von einem Kumulschaden. Gerade bei großen gewerblichen und industriellen Risiken wurde deshalb nach 9/11 deutlich genauer untersucht, wie stark versicherte Werte räumlich konzentriert sind und welche Belastungen daraus entstehen können. 

Deutschland reagiert mit EXTREMUS 

Nach den Anschlägen brach der Markt für große Terrorrisiken zeitweise auch in Deutschland zusammen. Als Antwort wurde 2002 der Spezialversicherer EXTREMUS gegründet, um große Sach- und Betriebsunterbrechungsrisiken gegen Terror abzusichern. EXTREMUS ist ein Gemeinschaftsprojekt deutscher Erst- und Rückversicherer in enger Zusammenarbeit mit der Bundesregierung. Das Modell verbindet private Versicherungskapazität mit einer staatlichen Garantie für außergewöhnlich große Schadenereignisse. 2025 standen dafür insgesamt 8,51 Milliarden Euro zur Verfügung, davon 2,53 Milliarden Euro aus der Versicherungswirtschaft und 5,98 Milliarden Euro als Staatsgarantie, wie aus dem Geschäftsbericht von EXTREMUS hervorgeht. 

Terror bleibt schwer kalkulierbar 

Heute können Versicherer Standorte analysieren, Kumule erfassen und unterschiedliche Szenarien modellieren. Trotzdem unterscheidet sich Terror grundlegend von vielen klassischen Versicherungsrisiken. Bei Sturm oder Hochwasser helfen historische Daten und naturwissenschaftliche Modelle dabei, Wahrscheinlichkeiten und mögliche Schäden abzuschätzen. Terroranschläge werden dagegen so geplant, dass keine klare Vorhersage möglich ist. Täter verändern ihre Methoden, reagieren auf Schutzmaßnahmen und können gezielt versuchen, möglichst große Schäden zu verursachen.  

Was 25 Jahre später geblieben ist 

Die Instrumente der Versicherer sind heute deutlich fortgeschrittener. Terrorrisiken lassen sich besser analysieren und versichern. Geblieben ist die Erkenntnis, dass besonders große Terrorereignisse eine besondere Form der Risikoteilung benötigen. 9/11 hat damit nicht nur die Wahrnehmung von Terror verändert. Die Anschläge haben auch dauerhaft geprägt, wie Versicherer große, schwer kalkulierbare Risiken bewerten und absichern. 

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