Der AUTOHAUS Servicegipfel powered by Würth hat erneut Aftersales-Verantwortliche in Zweiflingen zusammengebracht. Durch die Veranstaltung führten Ralph M. Meunzel, Chefredakteur von AUTOHAUS, und Jörg Weichsel, Leiter Key Account Management Auto Deutschland bei Würth. Im Fokus standen zusätzliche Ertragspotenziale im Service, effizientere Prozesse, die Rücknahme von Hochvoltbatterien und das Reifengeschäft.

Zeiten effizient planen - Arbeiten clever kombinieren

Mehr Umsatz muss nicht zwingend mehr Werkstattzeit bedeuten. Wie sich mit überschaubaren Zusatzarbeiten neue Erlösquellen erschließen lassen, zeigte Würth anhand mehrerer praktischer Beispiele. Vorgestellt wurden eine automatisierte Steinschlagreparatur, die Reinigung des Innenraumfilterkastens und die Prüfung von Ladekabeln. Der Grundgedanke: Während automatisierte Geräte am Fahrzeug arbeiten, kann der Mitarbeiter bereits eine weitere Tätigkeit ausführen. Auf diese Weise lassen sich mehrere Leistungen miteinander verbinden, ohne die Standzeit des Fahrzeugs entsprechend zu verlängern.

Profitabler werden ohne höhere Verrechnungssätze

Dass steigende Stundensätze allein nicht die Lösung sind, machten René Niemann und Jürgen Niemann vom Beratungsunternehmen Numbero deutlich. Nach ihrer Einschätzung entsteht durch steigende Personal-, Teile- und Betriebskosten eine Negativspirale: Erhöhen Markenbetriebe ihre Verrechnungssätze, steigt die Gefahr, dass insbesondere die Halter älterer Fahrzeuge in den freien Markt abwandern.


AUTOHAUS Servicegipfel powered by Würth - Oktober 2026


Numbero analysiert dazu die Daten der Autohäuser und macht sie in einem digitalen Cockpit bis auf einzelne Aufträge und Arbeitspositionen transparent. Die Lösung kann nach Angaben des Unternehmens Daten aus 22 Dealer-Management-Systemen verarbeiten. Auf dieser Grundlage werden ungenutzte Potenziale identifiziert und anschließend gemeinsam mit den Mitarbeitern vor Ort bearbeitet. Genannt wurden hier unter anderem Smart Repair, Fahrzeugaufbereitung, Achsvermessung, Scheibenreparatur, Rädergeschäft und Klimaanlagenservice. 

"Entscheidend sei, dass Serviceberater den konkreten Bedarf am Fahrzeug erkennen und gegenüber dem Kunden verständlich erklären", so die Referenten. Ebenso wichtig seien eine saubere Auftragsvorbereitung, die vollständige Abrechnung aller Leistungen und eine bessere Terminplanung. Oft gingen Erträge durch offene Aufträge, nicht berechnete Arbeitszeiten oder pauschale Rabatte verloren.

Batterierücknahme wird professioneller

Wie Hersteller die Rücknahme von Hochvoltbatterien organisieren, erläuterte Simon Brandt von Suzuki Deutschland. Hintergrund ist die gesetzliche Verpflichtung zur Rücknahme und Verwertung der Energiespeicher. Frühere Prozesse seien mit zunehmender Zahl elektrifizierter Fahrzeuge an Grenzen gestoßen. Teilweise lagerten Batterien über Wochen und Monaten bei den Händlern.

Gemeinsam mit einem neuen Dienstleister entwickelte Suzuki deshalb ein Onlineportal, über das Händler die Abholung beauftragen können. Suzuki prüft die eingehenden Vorgänge, bevor der Transport ausgelöst wird. Nach Angaben von Simon Brandt werden die Batterien inzwischen im Durchschnitt innerhalb von zwölf Tagen deutschlandweit abgeholt. Intakte Speicher können im Originalbehälter der Ersatzbatterie transportiert werden. Für beschädigte Batterien stehen spezielle Gefahrgutbehälter bereit. Beim Recycling können laut Suzuki bis zu 98 Prozent der enthaltenen Materialien zurückgewonnen werden.

Reifen bleiben wichtiger Ertragsbringer

Traditionell spielte auch das Reifengeschäft eine wichtige Rolle beim Servicegipfel. Tiemo Emig vom RR Team verwies auf den anhaltenden Boom der Ganzjahresreifen. Für 2026 werde ein Absatz von rund 17,5 Millionen Stück erwartet. 

Jürgen Mahr und Nils Westphal von Hankook erläuterten anschließend die Perspektive des Reifenherstellers. Hankook sieht besonders im Autohaus noch Wachstumsmöglichkeiten. Das Reifengeschäft werde dort im Zuge der Elektromobilität wichtiger, da klassische Wartungsarbeiten und der Ölservice an Bedeutung verlieren. Gleichzeitig stellen Elektrofahrzeuge mit ihrem höheren Gewicht und dem unmittelbar verfügbaren Drehmoment besondere Anforderungen an den Reifen. Hankook hat hierfür mit der iON-Familie ein eigenes Produktsegment entwickelt.

Die Referenten wiesen zudem auf einen erhöhten Erklärungsbedarf gegenüber den Kunden hin. Moderne Neureifen kommen teilweise mit geringeren Profiltiefen als den vielfach erwarteten acht Millimetern auf den Markt. Bei zwei Varianten für den Cupra Tavascan nannte Hankook beispielsweise Profiltiefen von 6,3 beziehungsweise 6,5 Millimetern. Das könne bei Kunden ohne entsprechende Erläuterung den Eindruck hervorrufen, bereits einen gebrauchten oder stark abgenutzten Reifen erhalten zu haben.

Für die Autohäuser bietet der Reifen oft zusätzliche Anknüpfungspunkte. Ungleichmäßig abgefahrene Reifen können auf einen Bedarf bei Achsvermessungen oder Fahrwerksarbeiten hinweisen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Räder bei jedem Werkstattaufenthalt konsequent geprüft werden.

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