Der erste Eindruck ist oft entscheidend. Und beim neuen 2CV ist er rundum positiv: Genau so muss eine Ente heutzutage ausschauen – das ist der erste Gedanke, als das Designteam die Hüllen von dem noch nicht fahrbereiten, quietschgelben Schau-Mobil gezogen hat. Die typischen Rundungen, die markanten Merkmale, die vielen kleinen Details, die an den bis 1990 gebauten Vorgänger erinnern: Das passt.
Was sofort auffällt: Die Wiedergeburt des gar nicht mehr hässlichen Entleins ist einen Tick kleiner ausgefallen als das Original. Statt zuletzt 3,83 Meter ist der neue 2CV 3,76 Meter lang. Dabei sind die Proportionen weitgehend gleichgeblieben. Und die Designer haben es geschafft, die Karosserie mit etwas strafferen Linien an den aktuellen Geschmack heranzuführen. Die Ente bleibt sich treu, aber in zeitgemäßer Form.
Vieles erinnert an die Ur-Ente
Nach Zitaten aus der Vergangenheit muss man dabei nicht lange suchen. Die drehbaren Türgriffe, der Kofferraum-Griff, das manuell zu öffnende Rolldach – all das weckt sofort Erinnerungen ans Original, ohne es allzu aufdringlich zu kopieren. Auch die runden, freistehenden Scheinwerfer mit modernem LED-Innenleben auf den geschwungenen Kotflügeln, die sichtbar montierten Scheibenwischer und die unter der steil stehenden Frontscheibe angeordneten, mechanisch aufklappbaren Lüftungsöffnungen passen ins Bild. Oder die vom historischen Projekt "TPV" ("Toute Petite Voiture" oder "sehr kleines Auto") adaptierte Motorhaube mit der charakteristischen Riffelung.
Aber damit noch nicht genug der Zitate und Reminiszenzen. An den C-Säulen sind schmale Blinkleuchten zu finden, die 19-zölligen Stahlräder zitieren den historischen 2CV ebenso gelungen wie die bis zum Stoßfänger heruntergezogene schwarze Heckklappe mit großem Marken-Logo und drei horizontalen Zierelementen. Ein Muss für das Entwicklungsteam war das Rolldach, das im geöffneten Zustand wie ein runder Heckspoiler oberhalb der Heckscheibe thront und die neue Ente wie ihre Vorgängerin in ein Beinahe-Cabrio verwandelt.
Citroën 2CV Concept
Auch beim Innenraum haben sich die Gestalter erkennbar lustvoll vom Verbrenner-Vorgänger der künftigen vollelektrischen Ente inspirieren lassen. Schon beim Einsteigen wird das seit vielen Jahren nicht mehr erlebte, aber unverwechselbare Entengefühl wach. Wer sich unter dem runden Türholm auf die 3D-gedruckte vordere Sitzbank schwingt, macht einerseits eine Zeitreise retour – landet aber andererseits auch schnurstracks in der Zukunft. Und zwar in einer sehr farbenfrohen, praxisorientierten mit witzigen Gimmicks. Die Inneneinrichtung ist schlicht gehalten, auch räumlich aufs Wesentliche reduziert und ermöglicht so ein sehr luftiges Raumgefühl. Ob es das vordere Gestühl mit der durchgehenden Sitzfläche in eine spätere Serienproduktion schafft? Das ist noch offen. Witzig und – im Stillstand – kuschelig ist es auf jeden Fall.
Fürs Infotainment und die Einstellungen ist im 2CV Concept ein quadratischer, acht Zoll großer Touchscreen zuständig, zwischen Armaturenbrett und Frontscheibe ist noch Platz für ein Mini-Display mit Lupentacho, Ladestands- und Temperaturanzeige und Navi-Karte. Im Fußraum steht ein herausnehmbarer Aufbewahrungskorb, darüber thront das ebenfalls bei Bedarf entnehmbare "Radioën", das beim Fahren und bei Aufenthalten im Freien per passender Playlist für die richtige Atmosphäre sorgen soll.
Historischer Hupenton
Die Bedienelemente sitzen an einem an die Lenksäule angeflanschten Zylinder, der Gangwahlhebel erinnert an die Krückstock-Schaltung der alten Ente. Und natürlich ist auch die Hupe nicht mittig im leicht ovalen Lenkrad untergebracht, sondern im Blinkerhebel. Der Hupenton, so verspricht Citroen, entspricht dem des historischen Vorbilds. Und der künstliche Sound des E-Antriebs ebenso – man kann gespannt sein. Kleiner Gag im Fußraum: Das Bremspedal ist vorne mit einer Schildkröte verziert. Das Fahrpedal mit einem Hasen. Das sei "eine augenzwinkernde Anspielung auf die Freiheit, langsam oder schnell unterwegs zu sein", so die Erläuterung aus Paris. Kleine Ablagefächer sind für den Transport von Eiern geeignet – eine nicht ganz ernstgemeinte Anspielung auf eine wesentliche Anforderung im Lastenheft der Ur-Ente.
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Deren Nachfolger wird rein elektrisch unterwegs sein, das ist klar. Er soll innerhalb der nächsten zwei Jahre eines der ersten Modelle in der neuen Wagenklasse M1E sein. Wichtigste Voraussetzungen: Länge bis 4,20 Meter, Erfüllung der Pkw-Sicherheitsstandards und Crash-Normen der Klasse M1. Im Gegenzug, auch als Belohnung für die obligatorische Produktion in Europa, gibt es zur Reduzierung der Entwicklungskosten unter anderem zehn Jahre lang keine Update-Pflicht für Software- und Assistenzsysteme. Das Ziel: Vollwertige und trotzdem preiswerte E-Autos aus EU-Landen zu Preisen um die 15.000 Euro.
Diesen Einstiegspreis peilt auch Citroën mit seinem Retro-Charmeur an. Technische Details gibt es bisher praktisch noch nicht. Außer der Außenlänge und der Tatsache, dass das "Zielgewicht" bei rund einer Tonne liegen soll, wird nichts verraten. Klar ist damit aber zumindest, dass bei Akku, Reichweite und Fahrleistungen des neuen 2CV keine Höchstleistungen angepeilt werden. Mit diesem Wunschgewicht wird die Ente in etwa auf dem Niveau des aktuellen Dacia Spring liegen. Der rollt mit 60 kW / 75 PS und einem 27,5-kWh-Akku an und kommt laut WLTP-Norm auf eine Reichweite von rund 250 Kilometern. Ähnliche Daten könnte man sich auch für den 2CV 2.0 vorstellen, allerdings dank der kostengünstigeren Entwicklung für rund 3.000 Euro weniger als der ohne Förderung "unter 18.000 Euro" angebotene Dacia-Spross.
Auch als Kastenwagen geplant
Nach dem ersten Kennenlernen der Enten-Prototypen – auch einen Kastenwagen namens Fourgonnette wird Citroën wieder auf die Räder stellen – stellt sich schnell die Erkenntnis ein: Mit dem neuen Kleinen liegen die Franzosen goldrichtig. Er ist das passende Fahrzeug für diese höchst komplexen und komplizierten Zeiten: Zwar Retro, aber nicht übertrieben, dazu witzig, pfiffig, praktisch – und erschwinglich. Man muss kein Prophet sein, um ihn nach der ersten Enthüllung auf der Paris Auto Show (12. bis 18. Oktober) zunächst eine Karriere als einer der Messestars 2026 vorherzusagen.
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