Ein aktueller Cyberangriff auf einen IT-Dienstleister für Autohaus-Software alarmiert den Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). Der Verband warnt davor, dass Kriminelle sensible Informationen aus Kaufvorgängen für besonders glaubwürdige Betrugsversuche nutzen könnten. Gleichzeitig erneuert er seine Forderung nach einer gemeinsamen Taskforce mit dem Bundeskriminalamt (BKA). 

Echte Kaufdaten machen Betrug schwerer erkennbar 

Nach aktuellen Medienberichten könnten gestohlene Informationen aus Fahrzeugkäufen dazu dienen, gefälschte Zahlungsaufforderungen täuschend echt erscheinen zu lassen. Für Kunden wie auch für Autohäuser steigt damit nach Einschätzung des Verbands die Gefahr, Betrugsversuche nicht rechtzeitig zu erkennen.

"Der aktuelle Fall zeigt, wie gefährlich die Verbindung aus Cyberangriffen, gestohlenen Kundendaten und organisierter Betrugskriminalität für den Fahrzeughandel werden kann", sagt ZDK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Hasler am Mittwoch laut einer Mitteilung. "Wenn Kriminelle echte Details aus Kaufvorgängen kennen, werden gefälschte Zahlungsaufforderungen für Verbraucherinnen und Verbraucher sowie für Betriebe erheblich schwerer zu erkennen. Deshalb brauchen wir eine Taskforce, die Informationen bündelt, Muster erkennt und schnell handlungsfähig macht." 

ZDK will Informationen schneller bündeln 

Der Branchenverband hat deshalb seinen Appell an das BKA erneuert, eine Taskforce "Organisierte Kriminalität im Autohandel" einzurichten. Die Forderung wurde nach Angaben des ZDK Anfang dieser Woche gegenüber dem Bundeskriminalamt nochmals bekräftigt. 

In einer solchen Einheit sollen Hinweise von Autohäusern, Softwareanbietern, Plattformen und Ermittlungsbehörden schneller zusammengeführt werden. Ziel ist es, aktuelle Betrugsmaschen systematisch auszuwerten und Gegenmaßnahmen besser zu koordinieren. 

Von Fake-Rechnungen bis zu kopierten Internetseiten 

Der ZDK beobachtet nach eigenen Angaben seit geraumer Zeit eine Zunahme professionell organisierter Betrugsdelikte rund um den Fahrzeugkauf und -verkauf. Das Spektrum reicht von gefälschten Zahlungsaufforderungen und manipulierten Dokumenten über gestohlene Identitäten bis zum Missbrauch digitaler Handelsplattformen.

Besonders problematisch sind laut Verband betrügerische Kopien von Autohaus-Websites. Mit vermeintlich günstigen Fahrzeugangeboten sollen Interessenten zu hohen Vorauszahlungen bewegt werden. Tatsächlich existieren weder Fahrzeug noch Verkäufer. Das Autohaus, dessen Internetauftritt für die Masche missbraucht wird, weiß davon nichts. Der ZDK verweist zudem auf die arbeitsteiligen, digitalen und grenzüberschreitenden Strukturen solcher Betrugsformen und sieht deshalb auch die Strafverfolgungsbehörden stärker gefordert. 

"Die Branche kann das nicht allein" 

"Autohäuser und Werkstätten leisten bereits viel Präventionsarbeit. Aber der steigenden Professionalität der Täter kann die Branche nicht allein begegnen", betonte Hasler. "Wir brauchen einen engeren Schulterschluss zwischen Wirtschaft, Ermittlungsbehörden und Politik. Der ZDK ist bereit, seine Praxiserfahrungen und branchenspezifisches Know-how aktiv einzubringen." 

ZDK warnt Kunden vor Anzahlungen 

Neben den Betrieben nimmt das Kfz-Gewerbe auch Autokäufer in die Pflicht. Zahlungsaufforderungen sollten besonders kritisch geprüft werden. Von Anzahlungen für Fahrzeugreservierungen bei Online-Angeboten rät der ZDK ab. 

Besondere Vorsicht sei geboten, wenn sich Bankverbindungen kurzfristig per E-Mail oder Nachricht ändern. Kunden sollten in einem solchen Fall das Autohaus über eine bereits bekannte Telefonnummer kontaktieren und keine Links aus verdächtigen Nachrichten öffnen. Wurde bereits eine verdächtige Überweisung ausgeführt, empfiehlt der Verband, umgehend Bank und Polizei einzuschalten.

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