Beim Branchenabend des 27. IfA Branchengipfels bot die Nürtinger Kreuzkirche den Rahmen für einen Austausch, der sich deutlich vom klassischen Kongressprogramm abhob. Gastgeber waren die IfA-Direktoren Prof. Stefan Reindl und Prof. Benedikt Maier, den Ton setzte Burkhard Weller. Von der Kanzel richtete der Unternehmer einen ebenso deutlichen wie optimistischen Appell an die Branche. Deutschland und die Automobilwirtschaft seien besser, als sie sich derzeit vielfach selbst darstellten. Statt sich in Krisendiagnosen zu verlieren, müsse die Branche wieder stärker an die eigenen Fähigkeiten glauben und ins Handeln kommen. "Die Zukunft ist gut. Wir müssen sie nur machen", sagte der geschäftsführende Gesellschafter der Wellergruppe und Präsident des Verbands der Autohändler Deutschlands (VAD).

Nachwuchs im Rampenlicht

Dass es an diesem Abend nicht nur um die etablierten Köpfe der Branche ging, zeigte ein weiterer Programmpunkt: Jürgen Hasler zeichnete Studierende für ihre Leistungen aus. Bereits bei der Begrüßung hatte Prof. Reindl angekündigt, den Nachwuchs an diesem Abend bewusst in den Mittelpunkt zu rücken und die besten Absolventinnen und Absolventen zu würdigen.

Die Ehrung passte damit zu einem Thema, das später noch einmal eine zentrale Rolle spielen sollte: der Förderung junger Talente und der Verbindung zwischen Hochschule und Automobilwirtschaft.

Anclam setzt auf weiteres Wachstum

Wie diese Verbindung aussehen kann, zeigte anschließend Wilfried Wilhelm Anclam. Im Gespräch mit Prof. Maier gab der Autoland-Gründer Einblicke in die Entwicklung seines Unternehmens. Die Autoland AG bewege sich inzwischen auf einen Jahresumsatz von 1,5 Milliarden Euro zu. 38 Betriebe seien eröffnet, weitere 20 bereits gekauft. Innerhalb der kommenden zehn Jahre strebt Anclam nach eigenen Angaben einen Umsatz von vier Milliarden Euro an. Zugleich bestätigte er die Pläne für einen Börsengang. Vorgesehen sei, zunächst 24,9 Prozent des Unternehmens in den Streubesitz zu geben.

Anclam erklärte auch, worauf er den Erfolg seines Geschäftsmodells zurückführt: Herstellerunabhängigkeit, europaweiter Einkauf, hohe Standardisierung und eine konsequente Ausrichtung an den Kunden. Sichtbar werde das etwa bei den Öffnungszeiten. Die Autoland-Standorte öffnen nach seinen Angaben von 8 bis 20 Uhr, künftig soll das auch samstags gelten. "Wenn der Kunde Zeit hat, haben wir Zeit", formulierte Anclam seinen Anspruch.


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Besondere Würdigung

Der persönliche Höhepunkt des Abends folgte jedoch erst danach. Anclam wurde mit der Ehrensenatorwürde der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen ausgezeichnet. HfWU-Rektor Prof. Andreas Frey würdigte dabei den erfolgreichen Unternehmer sowie dessen langjähriges Engagement für Hochschule und Studierende.

Die Verbindung reicht bis ins Jahr 2007 zurück. Aus ersten Gastvorträgen entwickelte sich über die Jahre eine enge Zusammenarbeit. Anclam finanzierte Exkursionen, unterstützte Studierende mit Stipendien und förderte Forschungs- und Studienprojekte. Hinzu kamen Praktika und berufliche Einstiegsmöglichkeiten bei Autoland. Auch für dieses Jahr verwies Frey auf zahlreiche Projekte, darunter drei Deutschlandstipendien und ein Fahrzeug für Forschungszwecke der Hochschule.

Stiftungskapital wird verdoppelt

Anclam richtete in seiner Dankesrede den Blick nach vorn. Die Hochschule sei für ihn ein Ort freien Denkens, ein Motor für Innovation und ein Fundament für die Zukunft des Landes. "Ich verstehe diese Ehrung als Versprechen für die Zukunft", sagte der Unternehmer.

Ein Geschenk hatte Anclam ebenfalls mitgebracht: Das Kapital der von ihm gemeinsam mit Prof. Hannes Brachat initiierten Stiftung war ursprünglich mit 150.000 Euro ausgestattet und später auf 200.000 Euro erhöht worden. In der Kreuzkirche kündigte der Händler nun an, das Stiftungskapital auf 400.000 Euro zu verdoppeln. Damit stehen künftig zusätzliche Mittel für Bildung, Forschung und die Nachwuchsförderung in der Automobilwirtschaft zur Verfügung (Weitere Details in der Bildergalerie unten).

So schloss sich an diesem Abend auch inhaltlich der Kreis: vom ausgezeichneten Nachwuchs über Wellers Forderung nach mehr Zuversicht bis zum finanziellen Bekenntnis Anclams zur nächsten Generation. Die Zukunft der Branche, so die Botschaft aus der Kreuzkirche, lässt sich eben nicht nur beschwören. Man muss in sie investieren.


Wilfried Wilhelm Anclam und die HfWU


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