Opel verbreitert seine Modellstrategie und will zugleich das Händlergeschäft stärken. CEO Florian Huettl kündigte beim IfA Branchengipfel einen neuen elektrischen Corsa ab 25.000 Euro sowie einen Hybrid-Nachfolger an. Auch die Zusammenarbeit mit Leapmotor soll wachsen. Ebenfalls im Fokus des Gesprächs: die Zukunft der deutschen Traditionsmarke, dazu gehören Investitionen in Rüsselsheim, das Händlergeschäft und die zunehmende Zusammenarbeit mit China.
Huettl sieht Opel trotz laufender Transformation auf einem langfristig tragfähigen Weg. Stellantis investiere eine Milliarde Euro in Deutschland, unter anderem in den Umbau des Unternehmens, die Produktion und den neuen Astra. "Wir haben dieses Jahr sehr viele Ankündigungen gemacht, der Schritte, die wir über Unternehmen in den nächsten Jahren" gehen wollen. Ein wichtiger Bestandteil ist dabei der Standort Rüsselsheim.
"Der Astra kommt weiterhin aus Deutschland"
Eine zentrale Botschaft Huettls: Der nächste Astra soll weiterhin in Deutschland entstehen. Das Stammwerk sei in den vergangenen Jahren bei Kosten, Qualität und Flexibilität wettbewerbsfähiger geworden. "Das heißt Zukunftssicherung für die Produktion bei uns in Deutschland", sagte Huettl. Der Astra werde federführend in Rüsselsheim entwickelt und dort produziert. Das Werk verfüge über Karosseriebau, Lackiererei und weitere Fertigungsbereiche. Auch beim Absatz sieht Huettl positive Signale. In Deutschland wurden nach den im Gespräch genannten Zahlen von Januar bis September 2026 etwa 105.000 Opel-Fahrzeuge zugelassen, 6,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. "Unser Geschäft ist gewachsen dieses Jahr und zwar nicht nur in Deutschland, sondern auch europaweit", sagte Huettl. Er rechnet für Opel im laufenden Jahr insgesamt mit rund 600.000 bis 610.000 Fahrzeugen.
Zielkorridor von 600.000 bis 700.000 Autos
Langfristig sieht Huettl für Opel und Vauxhall eine Größenordnung von etwa 600.000 bis 700.000 Fahrzeugen jährlich. "Das ist unsere Planung." Dieses Niveau ermögliche nach seiner Einschätzung eine angemessene Auslastung der Werke und ausreichend Skalierung bei den Modellen. Für 2026 bewege sich die Marke damit zwar am unteren Ende des angestrebten Korridors, aber grundsätzlich innerhalb der gewünschten Größenordnung.
Neuer Corsa kommt elektrisch und als Hybrid
Besonders offen äußerte sich der Opel-Chef zur bisherigen Produktstrategie. "Opel hat sich in den letzten Jahren ein bisschen zu sehr konzentriert in den Antrieben." Einstiegsversionen seien weggefallen, bestimmte Motorisierungen auf dem Weg zur Elektromobilität eingeschränkt worden. "Wir haben unseren Kurs auch ein Stück weit korrigiert", sagte Huettl. Das Ausstiegsdatum sei angepasst und bestimmte Motoren seien länger im Programm gehalten worden.
Diese Kurskorrektur wird beim nächsten Corsa besonders deutlich. Opel arbeitet nach Hüttls Worten mit Hochdruck an einem von Grund auf elektrisch entwickelten Nachfolger. Der elektrische Corsa soll 2028 kommen und auf einen Einstiegspreis von 25.000 Euro ausgelegt werden. Dafür setzt Opel unter anderem auf eine LFP-Batterie und eine eigene Architektur. Parallel dazu wird es weiterhin einen Corsa mit Verbrennungsmotor und Hybridisierung geben.
IfA Branchengipfel 2026
Neuer Händlervertrag ab Januar 2027
Damit reagiert Opel auf den langsameren Hochlauf der E-Mobilität. "Gleichzeitig tragen wir aber auch der doch etwas flacheren Kurve im Hochlauf Rechnung und werden auch noch mal einen neuen Corsa als Hybrid anbieten", sagte Huettl. Die Begründung ist vor allem für den Handel relevant: "Der Corsa ist die absolute Volumenbasis für unsere Kunden und für unseren Handel." In diesem Segment wolle Opel deshalb "kein Risiko eingehen". Handlungsbedarf sieht Huettl auch bei der Zusammenarbeit mit den Opel-Partnern. Mit den Ergebnissen der IfA-Händlerzufriedenheitsstudie sei das Unternehmen trotz Verbesserungen nicht zufrieden. "Wir sind aber immer noch viel zu weit unten. Das ist nicht der Anspruch, den wir haben." Gemeinsam mit den Händlervertretern habe Stellantis deshalb in den vergangenen zwei Jahren an einem tragfähigeren Geschäftsmodell gearbeitet.
Händler sollen planbarer Geld verdienen
Ein Ergebnis ist ein neuer Händlervertrag, der zum 1. Januar 2027 in Kraft treten soll. Er sei gemeinschaftlich mit den Partnern erarbeitet worden. Huettl erwartet davon "eine gesunde, klare, planbare Plattform und ein Geschäftsmodell" für die Händler. Sein Maßstab ist eindeutig: "Am Ende, was wichtig ist für unsere Partner, für unsere Investoren, ist, dass sie Geld verdienen können mit uns." Nach Hüttls Darstellung zeigen sich erste Verbesserungen bereits in der Ertragslage der Partner. Diese seien zunächst durch das Wachstum im Neuwagengeschäft, aber auch durch strukturelle Veränderungen in anderen Bereichen getrieben. "Insofern bin ich zuversichtlich, dass es hier auch nächstes Jahr trotz aller Bewegung im Geschäft durchaus nach oben gehen wird." Das Händlergeschäft bezeichnete Huettl ausdrücklich als wichtige Priorität.
Mehr Marken für ein stärkeres Autohaus
Eine Rolle spielt dabei auch die Größe von Stellantis. Schwächere Phasen einzelner Marken könnten innerhalb des Konzerns teilweise ausgeglichen werden. Huettl nannte das Beispiel eines Alfa-Romeo-Händlers, der durch Jeep oder eine weitere Marke zusätzliches Volumen erhalten könne. "Wir können je nach geographischer Situation, je nach eigener Ausprägung unseren Partnern Möglichkeiten geben", sagte der Opel-Chef. Besondere Bedeutung hat dabei die chinesische Marke Leapmotor. In Deutschland werde sie ausschließlich über bestehende Stellantis-Investoren vertrieben. Händler könnten damit chinesische Fahrzeuge anbieten, ohne sich dafür einen weiteren Hersteller außerhalb des Stellantis-Netzes ins Haus holen zu müssen. Huettl spricht von einem "einfachen Geschäftsmodell für den Handel, keine Komplexität, voll integriert in die Stellantis-Systeme".
Opel und Leapmotor entwickeln gemeinsam
Die Partnerschaft geht inzwischen über den reinen Vertrieb hinaus. Stellantis hält laut Huettl 20 Prozent an Leapmotor sowie 51 Prozent an dem Joint Venture, das dessen internationales Geschäft betreibt. Opel arbeitet nun gemeinsam mit Leapmotor an einem neuen Fahrzeug. Entwicklungsarbeit findet sowohl in Rüsselsheim als auch in Hangzhou statt. "Jeder macht das, was er am besten kann", beschrieb Huettl das Prinzip. Die Aufgaben sind dabei klar verteilt. Die Opel-Ingenieure beschäftigen sich laut Huettl unter anderem mit Fahrwerk, Sitzen, Licht, Fahrverhalten und Lenkung. Aus China kommen Kompetenzen bei Batterie, E/E-Architektur und Antrieb. "Dann bringen wir diese beiden Seiten zusammen und machen das Beste aus zwei Welten", sagte Huettl. Das Fahrzeug soll innerhalb von zwei Jahren entwickelt werden.
IfA Business-Talk 2026
Neuer Astra Sports Tourer nimmt Gestalt an
Bemerkenswert offen sprach der Opel-Chef über den Grund für solche Kooperationen. Bei bestimmten Technologien bestehe Nachholbedarf. Opel und Stellantis hätten "gerade im Bereich der E-Architektur und der Batterietechnologie, muss man klar sagen, einen Rückstand". Durch die Kooperation soll dieser schneller aufgeholt werden, um den Kunden Technologien bieten zu können, die chinesische Wettbewerber bereits heute beherrschen. Die Zusammenarbeit wirft zugleich die Frage auf, was künftig noch die Identität eines Opel ausmacht. Huettl reagierte darauf deutlich: "Ein Opel ist kein Emblem." Rüsselsheim verfüge weiterhin über eigene Kompetenzen etwa bei Lichttechnik, Fahrwerk, Straßenlage, Lenkung und Sitzen. "All das, was ein Opel zu einem Opel macht heute, können wir in Rüsselsheim und werden wir auch in Zukunft machen."
Einen Blick auf die nächste Produktgeneration gab Opel zudem auf dem Pariser Autosalon mit dem Konzept STX, dem "Sports Tourer Experimental". "Damit haben wir einmal einen Ausblick gegeben auf die nächste Generation des guten alten Kombis", sagte Huettl. Der nächste Astra soll wieder als Sports Tourer kommen. Das Konzept zeigt zugleich die nächste Entwicklungsstufe der Opel-Designsprache.
"Eine riesige Transformation": Rüsselsheim wird schlanker, effizienter
Parallel schrumpft der historische Opel-Standort in Rüsselsheim erheblich. Das bisherige Areal umfasst nach Hüttls Angaben rund 220 Hektar. Künftig soll die von Opel genutzte Fläche auf 85 Hektar zurückgeführt werden. Ein neues Verwaltungsgebäude entsteht bereits. Daneben sollen ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum sowie neue Designbereiche aufgebaut werden.
Huettl stellt die Verkleinerung ausdrücklich als Umbau für die Zukunft dar. "Die Aufgabe, die wir seit Jahren angehen in Rüsselsheim, ist, aus diesem alten Industrieland die Basis für Opel der Zukunft zu machen." Werk, Entwicklung, Design und Verwaltung sollen kompakter zusammengeführt werden. "Das ist eine Riesen -ransformation", sagte der Manager. Ziel sei ein Standort, an dem Opel langfristig entwickeln und produzieren könne.
Drei Punkte, an denen sich Huettl messen lassen will
Prof. Reindl wollte zum Abschluss wissen, woran sich der Opel-Chef beim nächsten Treffen messen lassen will. Huettl nannte drei Punkte: den Abschluss der Transformation in Rüsselsheim, den Erfolg des gemeinsam mit Leapmotor entwickelten Fahrzeugs und die Beziehung zu den Händlern. Auch in der IfA-Händlerzufriedenheitsstudie soll es nach oben gehen. "Wir werden alles dafür tun, dass unsere Händler in Zukunft zufrieden sind und auskömmlich mit uns arbeiten können."
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