Wenn jede Sekunde zählt, ist eine schnelle, oft riskante Fahrweise unabdingbar. Blaulicht und Signalhorn sollen für freie Bahn sorgen, doch nicht jeder Verkehrsteilnehmer reagiert richtig, wenn sich Einsatzkräfte nähern, und so bewegen sich Rettungsfahrzeuge oft selbst in einem gefährlichen Spannungsfeld. Während sie versuchen, das Rennen zwischen Leben und Tod für die Unfallopfer vor Ort zu gewinnen, finden sie sich plötzlich selbst in einen Crash verwickelt.
Der Internationale Feuerwehrverband CITF empfiehlt in seinem Statement im DEKRA-Verkehrssicherheitsreport 2026, künftig Vehicle-to-Everything (V2X)-Kommunikationssysteme zu verwenden. Diese können entsprechend ausgestattete, Verkehrsteilnehmende automatisch vor herannahenden Rettungsfahrzeugen warnen und so dazu beitragen, Folgeunfälle zu verhindern.
Zusatzqualifikation nötig
Aber auch aufseiten der Einsatzkräfte gibt es Herausforderungen. Unsicherheiten oder Überforderung in anspruchsvollen Fahrsituationen können das Unfallrisiko erhöhen. „Gerade im Rettungsdienst werden Einsatzfahrzeuge zudem häufig von jüngeren und weniger erfahrenen Personen gesteuert. Im Ehrenamt kommt hinzu, dass viele Einsatzkräfte nur selten entsprechende Fahrzeuge und noch seltener unter Einsatzbedingungen fahren“, sagt Markus Egelhaaf.
Vor diesem Hintergrund spricht sich der DEKRA-Unfallforscher für eine staatlich geregelte Zusatzqualifikation aus, wie es sie zum Beispiel in Norwegen gibt. Die Ausbildung umfasst dort Aspekte wie Fahrphysik, Gefahrenlehre, Stressmanagement und rechtliche Verantwortung. Ein Vorbild könnte auch Spanien sein, wo die Fähigkeit zur Durchführung von Einsatzfahrten integraler Bestandteil der beruflichen Qualifikation ist.
Neben den Gefährdungen während der Fahrt gibt es auch Risiken an der Einsatzstelle selbst. Da für Deutschland hierzu kaum belastbare Daten vorliegen, lohnt ein Blick in die USA: Dort wurden rund 30 Prozent der im Straßenverkehr getöteten Polizei- oder Feuerwehrkräfte am Einsatzort von anderen Verkehrsteilnehmenden angefahren.
Diese sogenannten „Struck-by“-Unfälle passieren typischerweise während der Absicherung von Unfallstellen, bei Verkehrskontrollen oder bei Arbeiten im unmittelbaren Umfeld des fließenden Verkehrs. „Die Gefahren für Leib und Leben werden noch erhöht durch unübersichtliche Gefahrenstellen, Dunkelheit und schlechte Witterungsverhältnisse“, gibt Michael Mertens, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), in seinem Statement im DEKRA-Verkehrssicherheitsreport 2026 zu bedenken.
Dazu kämen zu hohe, nicht den Verhältnissen angepasste Geschwindigkeiten, fehlende flächendeckende, möglichst digitale Verkehrsbeeinflussungsanlagen und die Tatsache, dass Seitenstreifen oder Ausweichzonen in Verkehrsinfrastrukturplanungen nicht ausreichend mit bedacht werden. „Dies alles addiert sich zu einem Arbeitsplatz in einem Hochrisikoraum“, so Mertens. Politik und Verwaltung müssten Rahmenbedingungen für sichereres Arbeiten schaffen.
Gefahren unterwegs
Ein weiteres Sicherheitsrisiko besteht im Patientenraum von Rettungswagen: Während der Fahrt ins Krankenhaus erfolgt oftmals eine medizinische Versorgung, die hohe Anforderungen an Personal, Material und Bewegungsfreiheit stellt und das Verletzungsrisiko insbesondere im Patientenraum deutlich erhöht. Rückhaltesysteme werden, so verschiedene Studien aus den USA, nur selten konsequent genutzt: Lediglich rund drei Prozent der befragten Einsatzkräfte gaben an, während des Patiententransports immer angeschnallt zu sein.
Über ein Drittel verwendet bei Notfalleinsätzen laut eigener Aussage nie einen Sicherheitsgurt. Als wesentlichen Grund nennen die Befragten, dass die Rückhaltesysteme die medizinische Versorgung, insbesondere bei kritisch erkrankten oder schwer verletzten Patienten, erheblich einschränken.
Im DEKRA-Verkehrssicherheitsreport wird deshalb unter anderem ein neues Rückhaltesystem vorgestellt, das medizinisches Personal auch während der Patientenversorgung besser schützen soll. "Solche Systeme brauchen wir jetzt zügig in der Praxis", so DEKRA-Unfallforscher Markus Egelhaaf.
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