Das Ziel der intensivierten Verbindung definiert Mercedes-Entwicklungsvorstand Jörg Burzer so: Man wolle mit Nvidia weitere Innovationen auf die Straße bringen und das bestmögliche automatisierte Fahrerlebnis bei gleichzeitig hohen Sicherheitsstandards bieten. Noch im vierten Quartal 2026 soll der "Handsfree Assist" anrollen, bei dem die Hände nicht mehr am Lenkrad sein müssen, aber die Augen nach wie vor auf der Straße. Anfang 2027 geht es mit dem "Drive Assist Pro" mit Punkt-zu-Punkt-Fahren weiter. Dann fährt das Auto den Menschen am Steuer auf Wunsch etwa zur Arbeit oder nach Hause. Dank des "kooperativen Lenkens" kann sich das System an den Fahrstil der oder des Fahrenden anpassen.

Und wann geht es mit dem automatisierten Fahren auf Level 3 los? Burzer und sein Nvidia-Kollege Ali Kani erwarten dieses Technik-Update "in den nächsten Jahren". Ihr Ziel ist ein schlauer "Drive Pilot", der bis 130 km/h bei jedem Wetter sicher unterwegs ist und dem Menschen vorne links im Auto mehr Zeit etwa fürs Mailen oder für Unterhaltung ermöglicht. Auch die Entwicklung von Level-4-Systemen steht bei Mercedes und Nvidia längst auf der Agenda. Mit deren Hilfe fahren künftige Autos in definierten Bereichen komplett selbstständig. Auf einen Zeitplan legen sich die Partner nicht fest. Kanis Anspruch: Man wolle autonomes Fahren im Alltag Wirklichkeit werden lassen. Und natürlich auch bei der Entwicklung von Robotaxis und -limousinen dabei sein.

Damit sind die Schnittpunkte zwischen Autohersteller und KI-Schmiede aber noch nicht erschöpft. Auch für Simulationen in der Fahrzeugentwicklung und innerhalb des digitalen Produktions-Ökosystems von Mercedes namens" MO360" werden Nvidia-Technologien eingesetzt. Damit sollen "Effizienz, Flexibilität und Qualität im globalen Produktionsnetzwerk weiter gesteigert werden", heißt es in Stuttgart. 

Künstliche Inelligenz soll bei Mercedes eine Verkürzung der Entwicklungszeit um bis zu 30 Prozent und Effizienzsteigerungen in einzelnen Bereichen von bis zu 50 Prozent ermöglichen. ©Foto: Mercedes

Paradigmenwechsel beim Product Lifecycle Management 

Um Effizienz und dezidiert auch um den Faktor Zeit geht es bei der vernetzten Digitalisierung der kompletten globalen Produktentstehung mit Hilfe der künstlichen Intelligenz. Für die Schwaben ist das neue Product Lifecycle Management (PLM) ein echter Paradigmenwechsel. Das Unternehmen beschreibt das, was hinter dem sperrigen Begriff steht, als KI-natives, digitales Rückgrat, als durchgängige, intelligente Wissensbasis. Und die vernetzt Entwicklung, Einkauf, Produktion, Vertrieb und After-Sales miteinander.

Das Ziel ist klar: Neue Produkte und Technologien sollen schneller auf die Straße kommen – Stichwort "German Speed" statt "China Speed". Konkret kündigt Mercedes eine Verkürzung der Entwicklungszeit um bis zu 30 Prozent und Effizienzsteigerungen in einzelnen Bereichen von bis zu 50 Prozent an. "KI-gestützte Simulationen und Entwicklungsprozesse ermöglichen es, physische Tests gezielter einzusetzen und perspektivisch zu halbieren", so der Autobauer.

Komplexe Zusammenhänge schneller erkennen 

KI kommt bei Mercedes schon jetzt in praktisch allen Bereichen zum Einsatz – allerdings tendenziell eher als Insellösung, nicht vernetzt. Dank PLM.AI, das der Konzern zusammen mit Siemens und Contact Software aufsetzt, werden die unterschiedlichen Anwendungen über einzelne Entwicklungsschritte hinweg verbunden. Dadurch sollen komplexe Zusammenhänge schneller erkannt werden und mögliche Zielkonflikte frühestmöglich erkennbar sein. So beeinflusst beispielsweise jede Gewichtsoptimierung an einer Komponente nicht nur Kosten, Crashverhalten, Hardware- und Softwarefunktionen, sondern auch künftige Produktionsprozesse. Und hier setzen die spezialisierten KI-Agenten an: Sie können all diese Wechselwirkungen künftig simultan analysieren. Die KI ist dabei sozusagen als extrem fähiger Mitarbeiter integriert.

Aber sie hat noch einen Chef: Die Verantwortung für Produktentscheidungen liege weiterhin bei den Menschen, in den Teams, betont Mercedes.

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