Der deutsche Gebrauchtwagenmarkt kommt im dritten Quartal 2026 nicht richtig in Fahrt. Laut Marktreport von Autoscout24 gingen die Besitzumschreibungen gegenüber dem Vorjahresquartal um vier Prozent zurück. Gleichzeitig lagen die Bestände professioneller Händler vier Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Damit wächst das Angebot, während weniger Gebrauchtwagen den Besitzer wechseln.

Gebrauchtwagen rund 1.100 Euro günstiger

Die schwächere Marktlage schlägt sich auch in den Angebotspreisen nieder. Im September kostete ein Gebrauchtwagen auf Autoscout24 durchschnittlich 26.879 Euro. Damit lagen die Preise rund 1.100 Euro oder vier Prozent unter dem Höchststand vom Februar. Seit Mai steigen zudem die Standtage wieder. Im September waren Fahrzeuge durchschnittlich 56 Tage inseriert, allerdings zwei Tage kürzer als ein Jahr zuvor.

Hinter dem Rückgang bei den Besitzumschreibungen stehen vor allem die klassischen Verbrenner. Im September wechselten nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts acht Prozent weniger Benziner den Besitzer als ein Jahr zuvor. Bei Dieselmodellen betrug das Minus 11,1 Prozent. Das fällt stark ins Gewicht: Auf beide Antriebsarten entfallen noch immer rund 81 Prozent aller Besitzumschreibungen.

Gebrauchte E-Autos legen kräftig zu

Anders sieht es bei elektrifizierten Gebrauchtwagen aus. Bei reinen Elektroautos stiegen die Besitzumschreibungen im September gegenüber dem Vorjahresmonat um 36,1 Prozent. Plug-in-Hybride kamen auf ein Plus von 10,6 Prozent, andere Hybride auf 12,8 Prozent. Diese Zuwächse reichen aufgrund der weiterhin deutlich kleineren Marktanteile jedoch nicht aus, um die Verluste bei Benzinern und Dieseln auszugleichen.

Auch auf Autoscout24 zeigt sich eine Verschiebung. Das Verhältnis von Nachfrage zu Angebot bei gebrauchten Elektroautos lag im dritten Quartal 107 Prozent über dem Vorjahresniveau. Benziner und Diesel verloren hingegen im Verhältnis zum jeweiligen Angebot an Nachfrage. Das im Frühjahr deutlich gestiegene Interesse an gebrauchten E-Autos hat sich inzwischen allerdings wieder abgeschwächt.

"Der Gebrauchtwagenmarkt hat eine Besonderheit: Sein Angebot spiegelt zu großen Teilen die Kaufentscheidungen vergangener Jahre wider, während die Nachfrage von den Bedürfnissen der Käufer heute bestimmt wird", sagt Stefan Schneck, Vertriebschef Deutschland bei Autoscout24.

E-Autos werden gegen den Trend teurer

Die unterschiedliche Entwicklung macht sich auch bei den Preisen bemerkbar. Über alle Antriebsarten hinweg lagen die durchschnittlichen Angebotspreise im dritten Quartal rund zwei Prozent niedriger als im Vorjahreszeitraum. Gebrauchte Elektroautos verteuerten sich dagegen um zehn Prozent. Im September wurden sie auf Autoscout24 im Schnitt für 39.006 Euro angeboten.

Allerdings verläuft die Entwicklung nicht bei jedem Modell gleich. Unter den zehn gefragtesten gebrauchten Elektroautos registrierte Autoscout24 je nach Modell sowohl steigende als auch sinkende Angebotspreise.

Herausforderung für die Bestandssteuerung

Für den Handel erhöht die Entwicklung den Druck auf das Bestandsmanagement. Mehr Händlerbestand trifft auf rückläufige Besitzumschreibungen, zugleich driften Nachfrage und Angebot bei den verschiedenen Antriebsarten auseinander. Sinkende Durchschnittspreise allein sorgen bislang nicht für eine Belebung des Gesamtmarktes.

"Wenn sich diese beiden Seiten unterschiedlich entwickeln, reichen niedrigere Preise allein möglicherweise nicht aus, um den Markt wieder anzukurbeln. Die aktuellen Zahlen deuten darauf hin, dass wir eine solche Verschiebung gerade bei den Antriebsarten erleben", erklärt Schneck.

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