MG war die erste chinesische Marke, die sich nach Corona erfolgreich in Deutschland etabliert hat. Per September erreichte sie einen Marktanteil von 1,23 Prozent. Auf der Händlerreise von MG Deutschland nach Shanghai Mitte Oktober bekamen die Teilnehmer nun eine neue Perspektive präsentiert. Mit Vertriebschef Oliver Rittieroth an der Spitze und dem deutschen Management standen neben dem MG-Portfolio auch die Premium-Submarke IM sowie die neueste Batterietechnik im Mittelpunkt. Gerade bei der Entwicklung moderner Akkus und der Ladetechnik für batterieelektrische Fahrzeuge gelten chinesische Hersteller derzeit als Vorreiter.

Für die Teilnehmer der Reise bot sich die Gelegenheit, hinter die Kulissen des SAIC-Konzerns mit seinen 18 Marken zu blicken, neue Modelle kennenzulernen und die neuesten Fahrzeuge zu testen. Besonders die Modelle von IM sorgten dabei für großes Interesse. Das Kürzel steht für "Intelligence in Motion". In China, dem Land der "1.000 Automarken", tritt IM Motors als eigenständiger Premiumanbieter auf. Dahinter steht ein Joint Venture von SAIC Motor, dem Technologiekonzern Alibaba sowie Zhangjiang Hi-Tech. Für Europa entschied sich der Konzern allerdings für einen anderen Weg: Hier werden die Fahrzeuge unter dem Dach von MG vertrieben und ergänzen das bestehende Portfolio als technologische Speerspitze der Marke.

Auch Testfahrten standen auf dem Programm. ©Foto: Ralph M. Meunzel/AUTOHAUS

Während die bekannten MG-Modelle mit attraktiven Preisen auf breite Kundengruppen abzielen, soll MG IM Kunden ansprechen, die bislang eher im Premium-Segment verortet werden. Entsprechend selbstbewusst positioniert sich die Marke bei Design, Technologie und Fahrleistungen.

Am ersten Reisetag erhielten die deutschen Händler im SAIC-Designzentrum exklusive Einblicke in die MG-Modelloffensive der Jahre 2027 und 2028. Designchef Jozef Kabaň, der bereits für Marken wie Volkswagen, Audi, Bugatti und Rolls-Royce tätig war, präsentierte zahlreiche neue Konzernfahrzeuge des. Auch erste Testfahrten standen auf dem Programm. So konnten die Händler unter anderem den künftigen MG 7 erleben, dessen Design und Fahrcharakter durchaus das Potenzial besitzen, auch auf europäischen Märkten Aufmerksamkeit zu erzeugen. 

Vier Säulen für die technologische Offensive 

Ein weiterer Höhepunkt war die Präsentation von IM-Motors-CEO Liu Tao, der den deutschen Gästen die Philosophie seiner Marke ausführlich erläuterte. Demnach basiert die Entwicklung aller IM-Modelle auf vier technologischen Grundpfeilern: 800-Volt-Technologie, Digital Chassis, One-Touch iAD (Intelligent Autonomous Driving) und das immersive Cockpit. Dabei versteht sich IM nicht nur als Elektroautomarke, sondern als Technologieunternehmen auf Rädern. Die Fahrzeuge sollen digitale Vernetzung, Fahrdynamik und Komfort auf ein neues Niveau heben. 

Besonders die 800-Volt-Architektur steht dabei im Fokus. Hinzu kommen eine moderne Software-Architektur, intelligente Fahrwerkssteuerungen und moderne Assistenzsysteme. Auch im Innenraum setzen die Chinesen auf Hightech. Große Displaylandschaften, digitale Bedienkonzepte und ein konsequent softwarezentrierter Ansatz sollen ein Erlebnis schaffen, das Liu Tao als "Immersive Cockpit" beschreibt. 


MG IM5 und IM6 (2026)


MG IM8 soll nächstes Ausrufezeichen setzen 

In Deutschland sind seit kurzem die Modelle IM5 und IM6 erhältlich. Der IM6 positioniert sich als sportliches SUV-Coupé. Charakteristisch für beide Fahrzeuge sind das futuristische Cockpit mit großem Panoramadisplay, die Allradlenkung sowie zahlreiche digitale Assistenten. Der neue IM8 soll im kommenden Jahr das nächste Ausrufezeichen setzen. Das große SUV wird voraussichtlich 2027 nach Europa kommen und die Rolle des Flaggschiffs innerhalb der Baureihe übernehmen.

Dabei setzt IM zunächst auf eine Kombination aus Elektroantrieb und Range Extender. Der IM8 soll über eine 66-kWh-Batterie verfügen, deren Reichweite durch einen Verbrennungsmotor als Stromgenerator erweitert wird. Der IM8 wird zudem das erste Modell der Marke mit Lidar-Technologie sein. Damit bildet er die Grundlage für weiterentwickelte Fahrerassistenzsysteme und autonome Fahrfunktionen, die die Händler auf einer definierten Strecke außerhalb des Werksgeländes erleben konnten. Auch wenn solche Systeme in Europa regulatorisch noch an Grenzen stoßen, vermittelte die Demonstration einen Eindruck davon, in welchem Tempo chinesische Hersteller ihre Softwarekompetenz ausbauen.

Batterietechnik: Blick in die Zukunft 

Am dritten Reisetag ging es für die Händler zum Batterietechnologieunternehmen Qing Tao Power, das eng mit SAIC verknüpft ist. Dort erhielten sie Einblicke in die Entwicklung von Semi-Feststoff- und Feststoffbatterien. Das Unternehmen verfügt nach eigenen Angaben über mehr als 1.000 Patente im Bereich Batterieentwicklung und verfolgt das Ziel, Feststoffbatterien in die Großserie zu bringen. Die präsentierten Technologien sollen höhere Energiedichten, bessere Sicherheitswerte und eine bessere Kältebeständigkeit ermöglichen. Der besondere Fokus liegt auf der Weiterentwicklung von Semi-Solid-State-Batterien als Zwischenschritt zur vollständigen Feststoffbatterie.

Für die MG-Händler war der Besuch bei Qing Tao Power weit mehr als ein Ausflug in die Welt der Batterieforschung. Er verdeutlichte, wie stark der SAIC-Konzern in zentrale Zukunftstechnologien investiert und wie eng Fahrzeugentwicklung und Energiespeicherung inzwischen miteinander verzahnt sind.

Beim SAIC-Partner Qing Tao Power erhielten die Teilnehmer Einblicke in die Entwicklung von Semi-Feststoff- und Feststoffbatterien. ©Foto: Ralph M. Meunzel/AUTOHAUS

Die Reise nach China zeigte damit eindrucksvoll, wie breit SAIC seine automobile Zukunft aufstellt, deren Ursprung auf einem Joint Venture mit Volkswagen beruht und die in Shanghai keineswegs vergessen wird. Für die deutschen MG-Händler ging es somit nicht nur um neue Fahrzeuge, sondern um ein besseres Verständnis der Strategie hinter dem Konzern.

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