Der Automarkt kommt in Hessen wieder stärker in Bewegung. Nach neun Monaten lagen die Pkw-Neuzulassungen 1,8 Prozent über dem Vorjahresniveau. Einen erheblich kräftigeren Schub verzeichnet die E-Mobilität: Allein im September stiegen die Neuzulassungen vollelektrischer Pkw gegenüber dem Vorjahresmonat um 86 Prozent. Der Gebrauchtwagenmarkt blieb dagegen rückläufig.
Auf der 100. Mitgliederversammlung des Kfz-Gewerbes Hessem in Marburg nahm Verbandspräsident Michael Kraft diese Entwicklung zum Anlass für eine Standortbestimmung der Branche. Neben dem Automarkt standen vor allem die wachsende Konkurrenz aus China und die Belastungen der mittelständischen Kfz-Betriebe im Mittelpunkt. Kraft forderte verlässliche politische Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und bessere Voraussetzungen für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.
Besondere Aufmerksamkeit richtet der Verband auf die zunehmende Präsenz chinesischer Automarken. Technologisch ausgereifte und zugleich preislich attraktive Fahrzeuge der neuen Wettbewerber erhöhten den Druck auf deutsche und europäische Hersteller. Kraft sieht deshalb Handlungsbedarf: "Wir müssen rechtzeitig die Weichen stellen, um nicht überrollt zu werden", sagte er. Neben schnelleren Entwicklungsprozessen und einer stärkeren Zusammenarbeit seien der weitere Ausbau der Ladeinfrastruktur und der Abbau bürokratischer Hürden entscheidend.
Volle Werkstätten, zu wenig Personal
Eine zentrale Säule für die Kfz-Betriebe bleibt das Servicegeschäft. Weil viele Kunden ihre Fahrzeuge länger nutzen, steigt der Bedarf an Wartungs- und Reparaturarbeiten. Für die Werkstätten ist das grundsätzlich eine günstige Entwicklung – sie trifft allerdings auf einen zunehmenden Mangel an Fachkräften.
Die Folgen bekommen inzwischen auch die Autofahrer zu spüren. Nach Angaben des Verbandes liegt die durchschnittliche Wartezeit auf einen Servicetermin bei rund zwei Wochen. Die Nachfrage ist vorhanden, doch den Betrieben fehlt immer häufiger das Personal, um sie zeitnah abzuarbeiten.
Welche wirtschaftliche Größenordnung dahintersteht, zeigen aktuelle ZDK-Zahlen: Bundesweit umfasst das Kfz-Gewerbe rund 84.000 Unternehmen mit etwa 705.000 Beschäftigten. Vor diesem Hintergrund unterstrich Kraft die Bedeutung des Zusammenhalts innerhalb der Branche. Trotz anspruchsvoller wirtschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen verfüge das Kfz-Gewerbe über ein starkes Fundament. "Das Ziel muss sein, die Zukunft aktiv zu gestalten und die Interessen der Betriebe gemeinsam gegenüber Politik und Öffentlichkeit zu vertreten."
Digitalisierung erreicht auch die Prüfungen
Neben der wirtschaftlichen Lage beschäftigten sich die Delegierten mit der weiteren Digitalisierung der Branche. Cedrik Dekowski und Roland Lotzmann von PremiumZulasser informierten über den aktuellen Stand von i-Kfz und die Möglichkeiten der digitalen Fahrzeugzulassung für das Kfz-Gewerbe.
Auch bei der beruflichen Bildung schreitet die Digitalisierung voran. Thematisiert wurden unter anderem verbindliche E-Learnings und die Einsichtnahme von Prüflingen. Peter Hesse von der Technischen Universität Dresden stellte zudem eine digitale Prüfungsstation für die praktische Gesellenprüfung vor.
Außerdem erläuterten Julien Happ und Antonio Radoslovic von MEWA Textil-Service die Möglichkeiten der KI-gestützten Körpervermessung zur Ermittlung passender Konfektionsgrößen für Berufs- und Schutzkleidung. Wolfgang Herda vom ADAC Hessen-Thüringen informierte über die geplanten Änderungen im Führerscheinrecht für das Jahr 2027 und deren mögliche Auswirkungen.
Nachwuchs des Kfz-Gewerbes ausgezeichnet
Im Rahmen der Versammlung wurden überdies die hessischen Landessieger der "German Craft Skills geehrt." Bei den Kfz-Mechatronikern setzte sich Phil Swierczek durch, der bei Auto Nix in Eschborn ausgebildet wurde. Platz zwei ging an Marcel Fey von Fraport, Rang drei an Philipp Kramer von Neils & Kraft in Gießen. Bei den Automobilkaufleuten holte Markus Gentze vom Autohaus Fischer-Schädler in Bad Vilbel den Landessieg.
Neben weiteren Ehrungen – Ralf Funke (Ehrennadel in Gold des Landesverbandes) sowie Stefan Dippel und Thomas Reinberger (ZDK-Ehrennadel) – erhielt schließlich auch Michael Kraft selbst eine besondere Auszeichnung. ZDK-Präsident Thomas Peckruhn verlieh ihm für seine außerordentlichen Verdienste um das deutsche Kraftfahrzeuggewerbe die ZDK-Ehrennadel in Gold.
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