Deutschland zählt auch 2026 zu den drei transparentesten Gebrauchtwagenmärkten Europas. Das zeigt der neue Transparenzindex des Fahrzeugdatenunternehmens carVertical. Bereits zum zweiten Mal in Folge sichert sich Deutschland damit einen Spitzenplatz im europäischen Vergleich. Allerdings gibt es auch eine Schattenseite: Bei über der Hälfte aller hierzulande überprüften Kfz wurde mindestens ein Schadenseintrag festgestellt. Ziel ist deshalb, einen noch intensiveren Datenaustausch über Grenzen hinweg zu installieren, um so in die Vorgeschichte von GW "hineinleuchten" und potentielle Käufer besser vor "krummen Gurken" bzw. Ex-Unfallwagen schützen zu können.
Für den Transparenzindex 2026 hat carVertical insgesamt 23 europäische Gebrauchtwagenmärkte untersucht. Deutschland belegt erneut den zweiten Platz und gehört damit weiterhin zu den Spitzenreitern in Europa. Frankreich folgt auf Platz fünf, während Tschechien auf Rang 13 und Polen auf Rang 16 liegen.
Dramatische Vorschadenquote
Mehr als die Hälfte (51 Prozent) der im vergangenen Jahr in Deutschland überprüften Fahrzeuge weist mindestens einen Schadenseintrag auf. Das zeigen die aktuellen carvertical-Daten. Demzufolge könnte "rund jeder zweite überprüfte Gebrauchtwagen in der Vergangenheit in einen Unfall verwickelt gewesen sein oder einen anderen Schaden erlitten haben, über den Verkäufer potenzielle Käufer nicht immer vollständig informieren", konstatiert das Fahrzeugdatenunternehmen in einer aktuellen Veröffentlichung.
Im Schnitt "fehlen" mehr als 54.000 Kilometer
Auch Tachomanipulationen bleiben auf dem deutschen Gebrauchtwagenmarkt ein Problem. Bei 1,9 Prozent der überprüften Fahrzeuge wurde eine zurückgedrehte Kilometerlaufleistung festgestellt. Im Durchschnitt betrug die Manipulation 54.440 Kilometer.
Geschönte Tachos – Problematisch für Wert und Sicherheit
"Bei der Fahrzeughistorie geht es nicht nur um den Wert eines Autos, sondern auch um die Sicherheit. Werden frühere Unfälle oder Reparaturen verschwiegen, tragen letztlich die Käufer das Risiko. In Deutschland kann eine Tachomanipulation den Verkaufspreis eines Fahrzeugs um rund 50 Prozent in die Höhe treiben und damit erhebliche finanzielle Verluste verursachen. Schwerwiegende Vorschäden können zudem die Fahrzeugsicherheit beeinträchtigen. Umso wichtiger ist es, dass Käufer Zugang zu diesen Informationen haben. Der Datenaustausch zwischen den Ländern ist jedoch nach wie vor lückenhaft. Das beeinträchtigt nicht nur die Transparenz auf dem europäischen Gebrauchtwagenmarkt, sondern erschwert es Käufern auch, die Sicherheit ihres Wunschfahrzeugs zuverlässig einzuschätzen", erklärt Ramūnas Pletkus, Marktexperte bei carVertical.
Schäden durchschnittlich bei 4.401 bis 11.428 Euro
Die durchschnittliche erfasste Schadenshöhe liegt in Deutschland bei 4.785 Euro. Damit weist Deutschland den sechsthöchsten Durchschnittswert unter den 23 untersuchten Ländern auf. In Polen liegt die durchschnittliche Schadenshöhe bei 4.401 Euro, in der Schweiz dagegen bei 5.268 Euro. Den höchsten Wert der Untersuchung verzeichnet Schweden mit durchschnittlich 11.428 Euro.
"Die Höhe eines Schadens sollte immer im Verhältnis zum tatsächlichen Fahrzeugwert betrachtet werden. Ein Schaden von mehreren Tausend Euro kann bei einem hochwertigen Premiumfahrzeug vergleichsweise gering ins Gewicht fallen, bei einem günstigeren Gebrauchtwagen hingegen erheblich sein. Entscheidend ist deshalb, die Schadenssumme im Verhältnis zum Marktwert des jeweiligen Fahrzeugs zu bewerten, statt sie pauschal als Maßstab für das Risiko heranzuziehen", ergänzt Pletkus.
Großbritannien Spitzenreiter bei GW-Transparenz
Großbritannien verteidigt den ersten Platz im Transparenzindex: Nur 2,4 Prozent der überprüften Fahrzeuge stammen aus dem Ausland, bei vier Prozent wurde ein manipulierter Kilometerstand festgestellt. Hinter Deutschland folgt die Schweiz auf Rang drei und verbessert sich damit um einen Platz.
Die Länder an der Spitze des Transparenzindex haben nach dem Dafürhalten des carVertical-Experten einige Gemeinsamkeiten: Sie sind weniger stark von GW-Importen abhängig, verfügen über eine höhere Wirtschaftskraft und stellen Käufern grundsätzlich mehr Fahrzeugdaten zur Verfügung. Diese Kombination sorge dafür, dass sie Jahr für Jahr zu den transparentesten Märkten Europas gehören.
Osteuropäische GW-Märkte besonders risikoreich
Die Ukraine, Bulgarien und Lettland bilden das Schlusslicht des diesjährigen Transparenzindex. Die Ukraine liegt bereits seit 2024 auf dem letzten Platz. Mit 76,3 Prozent ist der Anteil importierter Fahrzeuge dort unter den 23 untersuchten Märkten am höchsten. Der hohe Importanteil erschwert die Nachverfolgung von Fahrzeughistorien.
Der grenzüberschreitende Austausch von Fahrzeugdaten bleibt nach Ansicht von Pletkus eine der größten Herausforderungen für diese Märkte: "Käufer in Osteuropa haben häufig keinen Zugriff auf Informationen über Fahrzeuge, die beispielsweise aus Deutschland, Belgien oder Italien importiert wurden. Der Grund: Viele Daten verbleiben in nationalen oder privaten Registern und werden beim Grenzübertritt nicht mit dem Fahrzeug weitergegeben. Besonders betroffen sind Länder, die stark von Gebrauchtwagenimporten abhängig sind. Der Transparenzindex zeigt deutlich, dass vor allem osteuropäische Käufer die Folgen dieser mangelnden Datentransparenz tragen."
So wird der Transparenzindex berechnet
Für die aktuelle Untersuchung analysierte carVertical Fahrzeughistorienberichte, die Kunden zwischen September 2025 und August 2026 erworben haben. Der Transparenzindex basiert auf sechs Indikatoren: dem Anteil der Fahrzeuge mit manipuliertem Kilometerstand, der durchschnittlichen Höhe der Kilometerstandsmanipulation, dem Anteil der Fahrzeuge mit Schadenseinträgen, der durchschnittlichen Schadenshöhe, dem Anteil importierter Gebrauchtwagen sowie dem Durchschnittsalter der überprüften Fahrzeuge.
Da sich diese Faktoren unterschiedlich stark auf die Transparenz eines Gebrauchtwagenmarktes auswirken, wurden sie von den Datenexperten von carVertical unterschiedlich gewichtet. So hat beispielsweise der Anteil der Fahrzeuge mit manipuliertem Kilometerstand einen größeren Einfluss auf die Bewertung als das Durchschnittsalter der überprüften Fahrzeuge.
Fakten zu carVertical
carVertical ist ein IT-Datenunternehmen, das riesige Mengen an Fahrzeugdaten aus über 1.000 weltweiten Quellen sammelt und standardisiert, darunter nationale und bundesstaatliche Register von Strafverfolgungsbehörden, Finanzinstitute und Kleinanzeigenportale in 37 Ländern. Anschließend werden diese komplexen Daten in innovativen und benutzerfreundlichen B2B- und B2C-Produkten gebündelt und somit Rohdaten in wertvolle Marktinformationen, Prognosen und umfassende Fahrzeugberichte verwandelt.
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