Die Mercedes-Benz Bank stellt ihr Versicherungsgeschäft neu auf: Die Allianz löste am vergangenen Dienstag, 27. Oktober 2026, nach 16-jähriger Partnerschaft mit sofortiger Wirkung den bisherigen Partner HDI ab. Zuvor konnten Kunden seit 2010 beim Autokauf, Leasing oder der Finanzierung in den Mercedes-Benz-Vertriebspartnerbetrieben Haftpflicht- und Kaskoversicherungen abschließen, die im Hintergrund von der HDI getragen wurden. 

Sofortige Ablösung des HDI bei allen Neuverträgen

Mit Ausnahme des Versicherungs-Altbestandes tritt die Allianz Versicherungs-AG bei allen Neuverträgen jetzt als Risikoträger und Versicherungspartner auf, teilte der Konzern am Dienstag in München mit. Das Angebot werde direkt in den Verkaufsprozess der Mercedes-Vertriebspartner integriert. 

Mercedes-Kunden können damit unmittelbar beim Fahrzeugkauf im Autohaus die markeneigene Police mit Allianz als Risikoträger abschließen. Vorgesehen sind laut Anbieter wenige Risikofragen, eine transparente Preisberechnung und ein digitaler Antragsprozess. Bei finanzierten oder geleasten Fahrzeugen seien lediglich zwei zusätzliche Angaben erforderlich, hieß es.

"Premiumqualität auch beim Versicherungsschutz"

"Wer einen Mercedes-Benz kauft, least oder finanziert, erwartet auch beim Versicherungsschutz Premiumqualität. Diesen Schutz bietet die Allianz jetzt direkt beim Fahrzeugkauf, mit wenigen Klicks abgeschlossen und zugeschnitten auf das Fahrzeug, beim Elektroauto bis hin zu Akku und Wallbox", sagte David Schlichter, Leiter Automotive der Allianz Versicherungs-AG. Komme es zu einem Schaden, werde das Fahrzeug garantiert in einer Mercedes-Werkstatt repariert.

Versicherung als Teil des Verkaufsprozesses 

Damit soll das Versicherungsgeschäft für die Vertragshändler eine stärkere Verzahnung mit dem Fahrzeugverkauf bekommen. Zum Start setzen Mercedes-Benz Bank und Allianz auf das Produkt "MBAV Advanced", wobei MBAV für Mercedes-Benz Autoversicherung steht. 

"Mit der Allianz gewinnen wir einen starken Partner, um unseren Kundinnen und Kunden einen attraktiven und umfassenden Kfz-Versicherungsschutz anzubieten. Zusammen stärken wir zudem unsere Mercedes-Benz Vertriebspartner mit einem einfachen, digitalen und vollständig integrierten Angebot, das sich nahtlos in den Verkaufsprozess einfügt", wird Thomas Mann, Leiter Vertrieb Pkw Neufahrzeuge im Mercedes-Benz Cars Vertrieb Deutschland, in der Mitteilung zitiert. 

MBAV Advanced: Bis zu 48 Monate Neupreisentschädigung 

Das Paket umfasst unter anderem eine Neupreisentschädigung bis 48 Monate nach Totalschaden oder Diebstahl. Hinzu kommen die Umcodierung von Fahrzeugschlüsseln nach Diebstahl und eine Absicherung gegen Cyberrisiken. Dabei sollen Schäden und Folgekosten durch Hackerangriffe auf das Fahrzeug übernommen werden.

Einen eigenen Baustein gibt es für elektrische Mercedes-Modelle. Dieser umfasst einen All-Risk-Schutz für den Fahrzeugakku einschließlich Neupreisentschädigung. Auch Wallboxen und Ladestationen sind mit voller Kostenerstattung abgesichert. 

Darüber hinaus deckt das Angebot spezielle Aufwendungen ab, die nach einem Unfall mit einem Elektrofahrzeug entstehen können. Dazu zählen eine Zustandsdiagnostik zur Prüfung der Reparaturfähigkeit, die Verbringung und Lagerung in einem Wassercontainer sowie Abstellkosten von bis zu 14 Tagen bei Entzündungsgefahr. Ausbau und Entsorgung beschädigter Akkus sind ebenfalls Bestandteil des Schutzes. 

Kooperation mit zahlreichen Automarken

Für die Allianz ist Mercedes-Benz längst nicht die einzige Verbindung in die Autobranche. In Deutschland arbeitet der Versicherer mit über 30 Automarken zusammen, international mit mehr als 40. Das Kooperationsgeschäft begann der Münchner Versicherer bereits 1948 mit dem Volkswagen Versicherungsdienst (VVD) und dem Opel Versicherungsdienst (OVD).

Allianz-Fabrikate in der Übersicht

Bis Ende des vergangenen Jahres bestand das gemeinsame Geschäft in den Betrieben von deutschen Händlern folgender Marken: Abarth, Alfa Romeo, Audi, Bentley, Bugatti, Chrysler, Citroën, Dodge, DS Automobile, Ferrari, Fiat (Pkw) Fiat Professional, Ford, Jaguar, Jeep, Lamborghini, Lancia, Land Rover, Lynk & Co., MAN, Maserati, Opel, Peugeot, RAM, Scania, Seat, Skoda, Vauxhall, Volkswagen Pkw, Volkswagen Nutzfahrzeuge, Volvo. Mercedes-Benz ist aktuell – nach der ebenfalls kürzlich dazugekommenen Robotertaxi-Marke Waymo (wir berichteten) – die 33. Marke im Versicherungskonvolut der Allianz mit Autohäusern. 

smart ebenfalls weg – bleibt Porsche?

Noch kein öffentliches Statement gibt es derzeit zur smart Autoversicherung. Die HDI Versicherung betreute ab 2010 gleichzeitig die Smart- und Mercedes-Benz-Autohäuser im Bereich der Kfz-Versicherungen und startete die umfassende Zusammenarbeit im Schadenmanagement und Vertrieb über die Mercedes-Benz Bank und die Daimler Insurance Services. Im Dezember 2012 wurde die Partnerschaft offiziell vertieft und langfristig gefestigt. 

Laut Insider-Informationen hat die Allianz den HDI als offiziellen Versicherungspartner der Mercedes-Benz Bank auch bei der Marke smart abgelöst. smart gehört heute zu einem 50:50-Joint-Venture zwischen der Mercedes-Benz AG und dem chinesischen Automobilkonzern Geely. Der primäre Risikoträger für die offiziellen smart mobility Autoversicherungen (beispielsweise bei Leasing- und Finanzierungsverträgen direkt im Autohaus) sei nunmehr ebenfalls die Allianz Versicherungs-AG. 

Unterschiedlichste Kooperationen im Markt

Je nach konkretem Versicherungsprodukt kann es in der Praxis eines smart Händlers dazu kommen, dass die Allianz das offizielle Hersteller-Leasing (smart mobility lease) bietet und die darin enthaltene Kfz-Haftpflicht und Vollkasko als Risikoträger mit abdeckt, während AXA als offizieller Kooperationspartner für die reguläre, herstellereigene smart Autoversicherung beim Neuwagenkauf und für die maßgeschneiderten E-Auto-Tarife sorgt. Die Absicherung des Restwertrisikos bei Totalschaden, die sogenannte GAP-Deckung, wird in diesem Paket oft über die R+V Allgemeine Versicherung AG bereitgestellt. 

Nicht wenige Autohäuser nutzen zudem bzw, alternativ herstellerunabhängige, digitale Vertriebsplattformen (Insurtechs), um Kfz-Policen direkt am Point of Sale (PoS) anzubieten. Das am weitesten verbreitete System in deutschen Autohäusern ist hier AutoProtect. Sollte ein Autohaus darüber eine Versicherung ("Smart Versicherung" im Sinne von "cleverer Tarif") abschließen, treten als die Risikoträger außerdem die VHV Allgemeine als Hauptpartner für Autohaus-Produkte und FRIDAY Insurance als digitaler Risikoträger für Embedded-Insurance-Tarife auf. 

Nach dem Verlust vor allem der deutsche Premiummarke Mercedes-Benz erwarten viele Marktbeobachter auch den Weggang der Sportwagenmarke Porsche, deren Autohäuser seit inzwischen mehr als 25 Jahren von HDI im Bereich der Kundenversicherungen betreut werden. Die Kooperation zwischen der Porsche Financial Services AG und HDI besteht insgesamt bereits seit 31 Jahren. Derzeit fungiert die HDI Versicherung als primärer Versicherer und Risikoträger hinter den Angeboten des Porsche Versicherungsdienstes. "Sollte sich auch Porsche vom HDI trennen, ist unser ehemals so stolzes Automobilgeschäft praktisch tot", sagte ein früherer HDI-Manager, der namentlich nicht genannt werden wollte, aber sichtlich enttäuscht war, vergangene Woche gegenüber unserer Redaktion. 

Weitere Markt-Akteure

Das Kooperationsgeschäft zwischen den Versicherungsunternehmen als Risikoträgern für das Kfz-Policengeschäft in den Autohäusern der Automobil- und Nfz-Fabrikate in Deutschland ist heute gut verteilt. Das jeweilige Engagement ist indes deutlich unterschiedlich geartet. Während Allianz als unangefochtener Branchen-Primus in diesem Geschäftsfeld mit gleichzeitig längster Erfahrung (78 Jahre seit 1948!) alleine in Deutschland auf aktuell 34 Fabrikate (mit MB und smart) kommt, liegen Verti und Nürnberger/Garanta mit je fünf betreuten Marken (davon drei gleichzeitig aus beiden Unternehmen) auf Platz 2, gefolgt von Aioi Nissay Dowa Insurance Europe (AND-E) als (konzerneigenem) Versicherer der Marken Toyota, Daihats und Lexus sowie AXA und VHV (für BMW und MINI). 

Mit je einer Kooperationsmarke folgen die Badische Gemeindeversicherung (BGV) und Ergo (Suzuki), Helvetia und Qover (Tesla) Kravag (BDK) sowie R+V (AMG). 

"Zeugnisse" beim AH VersicherungsMonitor am 17. November

Wie gut die Zusammenarbeit im abgelaufenen Jahr tatsächlich war und wie zufrieden insbesondere die Marken-Händler der jeweiligen Fabrikate mit den Assekuranz-Risikoträgern waren, darüber wird am 17. November die diesjährige Prämierung der besten Kooperationen in den Kategorien Deutsche Volumenfabrikate, Deutsche Premiumfabrikate, Große bzw. Kleine Importfabrikate Auschluß geben. Wie immer seit dem Jahr 2009 hat auch in diesem Jahr wieder die puls Marktforschung eine repräsentative Mehrheit der jeweiligen Fabrikatshändler für die unabhängige Studienreihe aufwändig per Telefon ob deren Erfahrungen befragt. Die Ergebnisse münden in ein klares Ergebnis-Ranking.

Man darf also gespannt sein, ob Mercedes-Benz noch einmal an seine früheren, aber nun doch schon länger zurückliegenden Erfolge anknüpfen konnte – oder der Wechsel des Risikoträgers vielleicht eher für wieder mehr Performance im Policengeschäft sorgen soll. Einen Sonderpreis wird es darüberhinaus auch dieses Mal wieder für den "Aufsteiger des Jahres" geben. 

"Beim Unfallschaden ist die Reparatur im Mercedes-Betrieb garantiert", verspricht David Schlichter, Leiter Automotive der Allianz Versicherungs-AG, in Zusammenhang mit der Übernahme des MB-Versicherungsgeschäftes vom HDI. Im Vorjahr durfte Schlichter gemeinsam mit den Verantwortlichen von Volkswagen und Volvo die Siegerpreise in den Kategioerien Deutsche Volumenfabrikate und Kleine Importmarken beim AUTOHAUS VersicherungsMonitor entgegennehmen. Die Ergebnisse der diesjährigen Studienreihe werden offiziell am 17. November 2026 bekannt gegeben. ©Foto: Walter K. Pfauntsch
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