In der europäischen Autopolitik deutet sich ein Kurswechsel an. Während das Europaparlament lange als Treiber des Verbrennerverbots und weiterer Einschränkungen des motorisierten Individualverkehrs galt, gewinnen nun pragmatischere Ansätze an Gewicht. Für den Verband der Automobilhändler Deutschlands (VAD) kommt die Bewegung zur richtigen Zeit: Anfang kommenden Jahres stehen in Brüssel wichtige Entscheidungen an.

Wie berichtet, stimmte der Umweltausschuss des Europaparlaments am 4. November über Gesetzesvorschläge ab, die nach Einschätzung des VAD einen neuen Akzent setzen: weniger Verbote und Quoten, dafür mehr Augenmerk auf Infrastruktur und Unterstützung. Der Verband hatte nach eigenen Angaben intensiv für einen solchen Kurs geworben.

EU-Abgeordneter macht sich Bild im Autohaus 

Vor diesem Hintergrund besuchte der SPD-Europaabgeordnete Tiemo Wölken am Donnerstag November die Autohausgruppe Weller. Im Austausch mit Unternehmenschef und VAD-Präsident Burkhard Weller, Verbandsgeschäftsführer Kurt-Christian Scheel und Mitarbeitenden des Handelsunternehmens ging es um die Lage im Autohandel und die politischen Forderungen der Branche. 

Die Botschaft der Gastgeber: Der Handel steht der Elektromobilität nicht im Weg. Im Gegenteil, er begleitet Kunden beim Umstieg auf elektrische Fahrzeuge. Die Nachfrage wächst, während attraktivere Modelle das Neuwagengeschäft stützen. Gleichzeitig hat sich das Angebot an gebrauchten E-Autos verbessert. Nach Einschätzung der Gesprächsteilnehmer steigt die Nachfrage derzeit sogar schneller als die Verfügbarkeit. 

"Verbote und Quoten braucht es nicht" 

Aus Sicht des VAD ist die Entwicklung zur Elektromobilität damit nicht mehr grundsätzlich aufzuhalten. Entsprechend deutlich fällt die Schlussfolgerung aus: "Verbote und Quoten braucht es nicht."

Stattdessen rücken die Rahmenbedingungen in den Mittelpunkt. Eine wichtige Baustelle bleibt die Ladeinfrastruktur. Ein echtes Laderoaming könnte nach Auffassung des Verbands dazu beitragen, elektrisches Fahren einfacher und attraktiver zu machen. Hinzu kommt die steuerliche Behandlung von Dienstwagen. Sie wird als wichtiger Hebel für die weitere Marktentwicklung gesehen. Zugleich warnt der VAD davor, die Versorgung mit Fahrzeugen aus China unfair zu erschweren.

Weniger Papier im Autohaus 

Auch ein Dauerbrenner der Branche kam zur Sprache: die Bürokratie. Konkret ging es um die physische Energieverbrauchskennzeichnung von Fahrzeugen. 

Wölken zeigte sich laut Teilnehmern schnell davon überzeugt, dass eine solche Kennzeichnung entbehrlich sein könnte, wenn sämtliche relevanten Informationen über eine Internetplattform verfügbar sind. Genau eine solche digitale Lösung fordert der VAD. Für eine politische Mehrheit müsse allerdings noch geworben werden.

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