Der Autoglas-Spezialist Carglass stellt seinen mobilen Reparaturservice neu auf. Künftig sollen Kunden ihre Windschutzscheibe auch außerhalb der Werkstatt austauschen und die Kameras der Fahrerassistenzsysteme anschließend vor Ort neu einstellen lassen können. Das Verfahren wird aktuell in einem Pilotprojekt erprobt und soll im Laufe des Jahres 2027 schrittweise deutschlandweit eingeführt werden.

Bislang war für die sogenannte statische Rekalibrierung ein Besuch in einer der bundesweit 420 Niederlassungen des Unternehmens erforderlich. Die Neueinstellung ist bei vielen modernen Fahrzeugen nach einem Scheibentausch notwendig, damit beispielsweise Spurhalte- und Notbremsassistenten zuverlässig funktionieren. Die dafür erforderlichen Messgeräte und Zieltafeln benötigen allerdings eine präzise Ausrichtung zum Fahrzeug, die außerhalb einer Werkstatt bislang nur schwer zu gewährleisten war.

Bislang waren die Arbeiten nur in der Werkstatt möglich. ©Foto: Carglass

Das gemeinsam mit dem Technologiekonzern Bosch entwickelte mobile System soll dieses Problem lösen. Ein Scanner mit drei Linsen ermittelt die Fahrzeugmittellinie, eine elektronische Zieltafel mit 32-Zoll-Display dient der Kamera als Referenzpunkt. Mithilfe von Software und Künstlicher Intelligenz können dabei auch Bodenunebenheiten ausgeglichen werden. Laut Carglass lassen sich so rund 94 Prozent der Fahrzeugmodelle, für die eine statische Rekalibrierung vorgesehen ist, mobil versorgen.

Ganz ohne Einschränkungen funktioniert der Service allerdings nicht. Benötigt wird eine ausreichend große, befestigte Fläche mit mindestens 1,5 Metern Platz auf jeder Fahrzeugseite und zwei Metern vor dem Auto. Die Bodensteigung darf maximal acht Grad betragen, die seitliche Neigung höchstens drei Grad. Zudem sind eine stabile Internet- oder Mobilfunkverbindung sowie gute Lichtverhältnisse erforderlich. Bei Regen oder Schnee ist die Rekalibrierung nicht möglich, auch Dunkelheit schließt einen Einsatz aus. Die zulässigen Außentemperaturen reichen von minus neun bis plus 49 Grad Celsius.

Die nötige Technik hat Carglass gemeinsam mit Bosch entwickelt. ©Foto: Carglass

Für den kompletten Einsatz einschließlich Scheibentausch und anschließender Kalibrierung müssen Kunden mindestens zwei Stunden einplanen. Zielgruppe sind vor allem Flottenbetreiber, Autovermieter und Carsharing-Anbieter, die sich den zeitaufwändigen Transport ihrer Fahrzeuge in eine Werkstatt ersparen wollen. Aber auch Privatkunden in Regionen mit geringer Carglass-Standortdichte sollen von dem neuen Angebot profitieren.

Ob der mobile Service teurer wird als ein Werkstattbesuch, ist noch offen. Für Carglass selbst ist der Einsatz mit höheren Kosten verbunden als die stationäre Reparatur. Inwieweit diese an die Kunden weitergegeben werden, hängt vom jeweiligen Vertragsmodell beziehungsweise von den Vereinbarungen mit der Kfz-Versicherung ab.

Tausch und Rekalibrierung sind ein Ein-Mann-Job. ©Foto: Carglass
Mehr zum Thema entdecken SchadenBusiness Panoramadächer: Mehr Glas, mehr Verantwortung bei der Reparatur SchadenBusiness Moderne Fahrzeugverglasung: Wie Leichtglas zur Reichweitensteigerung beiträgt SchadenBusiness Windschutzscheibe: Wie funktioniert eine Steinschlagreparatur?

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.