Seit dem Jahr 2006 ist das Guggenheim-Museum in Abu Dhabi im Werden. Frank Gehry, der kanadisch-amerikanische Stararchitekt, entwarf das Gebäude, das im Juni 2026 nach vielen Verzögerungen nun tatsächlich eröffnet werden soll. Vor zwanzig Jahren befand sich Gehry auf dem Höhepunkt seines Ruhms, die Kulturwelt vertraute noch auf den Export des Bilbao-Effekts, den sein berühmtes Guggenheim-Museum der baskischen Industriestadt beschert hatte. Die Eröffnung erlebt er nicht mehr: Gehry ist im Dezember 2025 im Alter von 96 Jahren gestorben. Und die Ästhetik seiner Architektur wirkt heute völlig aus der Zeit gefallen.

Als hätte ein Gigant Modelle aus dem Fundus architektonischer Grundkörper fallen lassen und zu einem flachen Hügel mit rund 30.000 Quadratmetern Nutzfläche zusammengeschoben, liegen die Einzelteile des künftigen Museums auf einer Landzunge der Insel Saadiyat im Persischen Golf. Die Insel ist das Herzstück der kulturellen Ambitionen des Emirats Abu Dhabi. Den Auftakt zum Museumseiland machte der Architekt Jean Nouvel 2017 mit einer spektakulären Dependance des Louvre, zuletzt eröffnete das Zayed National Museum, entworfen von Norman Foster.

Die Eröffnung des Guggenheim Abu Dhabi wird nun vielleicht weniger wegen seiner Gestalt mit Spannung erwartet als wegen seiner Sammlung. Die deutsche Direktorin Stephanie Rosenthal dürfte in den vergangenen Jahren über ein großzügiges Budget verfügt haben, um für das neue Haus einzukaufen. In den Golfstaaten ist ein Wettbewerb um kulturelle Soft Power entbrannt; besonders die Emirate, Katar und Saudi-Arabien konkurrieren um internationale Aufmerksamkeit.

Und mit spektakulären – nicht selten spektakulär kostspieligen – Kulturbauten gewinnt man weltweit Sichtbarkeit. So wird es 2026 nicht beim auf rund eine Milliarde Dollar Baukosten geschätzten Guggenheim Abu Dhabi bleiben. In Los Angeles buhlen gleich zwei neue Museen um Publikum: das Lucas Museum of Narrative Art und die David Geffen Galleries des LACMA.

In Großbritannien wird das Imperium des Victoria and Albert Museum mit dem V&A East vergrößert. In New York wird das noch junge New Museum erweitert. Auch das Centre Pompidou, dessen Pariser Zentrale wegen Sanierung auf Jahre geschlossen ist, expandiert weiter – nach Brüssel. Und Rotterdam festigt seinen Ruf als wohl vielseitigster Museumsstandort der Benelux-Staaten.

Dort geht es bereits im Februar 2026 los mit dem neuen Nederlands Fotomuseum – und weitaus zeitgemäßer als anderswo. In der progressiven Architekturszene geht es längst nicht mehr darum, wer den aufsehenerregendsten Neubau errichtet, sondern um Bauen im Bestand und die Umnutzung historischer Gebäude. Erst 2025 eröffnete in Rotterdam das Migrationsmuseum Fenix in einem ehemaligen Lagerhaus, inklusive einer verspiegelten Treppenskulptur auf dem Dach.

Für das neue Fotomuseum hat nun das Hamburger Büro RHZW Architekten ein denkmalgeschütztes Speichergebäude von 1901 umgebaut. Weithin sichtbar wird es durch ein transparentes Metalldach, das dem Backsteinbau wie eine Krone aufgesetzt ist. Die findet am 7. Februar 2026 statt.

In der historischen Citroën-Werkstatt in Brüssel wird seit Jahren eine Filiale des Centre Pompidou geplant. Centre Pompidou – Kanal soll im November 2026 mit rund 40.000 Quadratmetern Fläche eröffnen – größer als das Guggenheim in Bilbao oder das Palais de Tokyo in Paris. Die Zusammenarbeit mit der Pariser Institution ist zunächst auf fünf Jahre befristet und Gegenstand kulturpolitischer Debatten. So ätzte etwa der belgische Kurator Chris Dercon: „Warum brauchen wir die Sammlung des Centre Pompidou in Brüssel, wenn wir hier in Belgien einige der besten Privatsammlungen Europas haben?“

Dercon selbst ist nach Stationen in London, Paris und Berlin inzwischen Direktor der privaten Fondation Cartier, die im vergangenen Jahr einen von Jean Nouvel umgebauten Haussmann-Block gegenüber dem Louvre bezogen hat. Für den Umbau des Brüsseler Industriekomplexes haben sich noAarchitecten (Brüssel), EM2N (Zürich) und Sergison Bates (London) zum Atelier Kanal zusammengeschlossen. Auch die Finanzierung sorgte für Streit; die Gesamtkosten inklusive Betrieb bis 2028 wurden auf rund 400 Millionen Euro veranschlagt.

Seit dem Amtsantritt von Tristram Hunt als Direktor des britischen Universalmuseums haben mehrere Dependancen unter dem Namen V&A eröffnet: 2018 das Museum in Dundee, das Young V&A sowie das V&A East Storehouse in London, das unter anderem das David-Bowie-Archiv beherbergt. Nun folgt das V&A East Museum als weiterer Standort im Londoner Osten (Gesamtbudget rund 300 Millionen Pfund).

Mit der Expansion der Gebäude erweitert sich auch der Museumsbegriff. Während Bildung stets im Zentrum der V&A-Ideologie stand, geht es nun stärker um Zugänglichkeit und neue Publika. Die Architektur des Neubaus soll dazu beitragen. Der spanische Modedesigner Cristóbal Balenciaga habe einen wichtigen Einfluss auf den Entwurf des Büros O’Donnell & Tuomey gehabt. Die kantige Fassade wirke wie ein „gefaltetes Kleid“, so die irischen Architekten.

Die Erweiterung des New Museum in New York stellte das niederländische Büro OMA vor besondere Herausforderungen. Das bestehende Gebäude wurde vom japanischen Büro SANAA entworfen und ist erst gut zwanzig Jahre alt. Der Neubau musste sich mit einem schmalen Grundstück begnügen und zugleich auf die markante Würfeloptik des Bestands reagieren.

OMA antwortet mit einer Art selbstbewusster Unterordnung: Während sich das Hauptgebäude rechtwinklig auftürmt, bezieht der niedrigere Erweiterungsbau seine Spannung aus diagonalen Knicken, schrägen Fensterbändern und dreieckigen Loggien. Die Kosten liegen bei rund 80 Millionen Dollar und wurden überwiegend privat finanziert. Die Eröffnung ist für März 2026 angekündigt.

Die beiden mit größter Spannung erwarteten Museumsneubauten entstehen jedoch in Los Angeles. Wie die Schaumstoffsohle eines gigantischen Sneakers liegt das Lucas Museum of Narrative Art am Rand des Exposition Park. Das futuristische, „parametrische“ Design stammt vom chinesischen Architekten Ma Yansong (MAD Architects).

Gründer, Finanzier und Bauherr ist der Filmproduzent und „Star Wars“-Schöpfer George Lucas, der hier vor allem seine Sammlung von mehr als 40.000 Objekten – Comics, Filmrequisiten, Fotografien und Werke erzählerischer Kunst – zeigen möchte. Die Bau- und Betriebskosten sollen über eine Milliarde Dollar liegen. Der Grundstein wurde 2018 gelegt; nach mehreren Verzögerungen ist die Eröffnung nun für den 22. September 2026 vorgesehen.

Der Schweizer Architekt Peter Zumthor gilt als Bauherrenschreck, der länger über die Atmosphäre eines Raums oder die Gestaltung eines Handlaufs nachdenken kann, als es Budgets und Nerven seiner Kunden zulassen. Die Ergebnisse sind archaische Kunstwerke eigener Arur – wie die Therme Vals oder das Kolumba-Museum in Köln.

Der Auftrag, das Los Angeles County Museum of Art (LACMA) zu erweitern, läuft seit 2013. Auch hier wurde die Geduld der Beteiligten strapaziert: Es gab massive Kritik an Funktionalität und Ästhetik des Entwurfs sowie jahrelange politische Debatten über öffentliche Mittel. Zuletzt wurden die Kosten mit rund 720 Millionen Dollar angegeben.

Mit LACMA-Direktor Michael Govan scheint Zumthor einen Partner auf Augenhöhe zu haben. Bei einer Veranstaltung in der Fondation Beyeler bei Basel, deren Erweiterung ebenfalls von Zumthor geplant wird, gab der Architekt Einblicke in ihr Verhältnis: „Ich habe manchmal Angst, dass das, was ich will, nicht umgesetzt wird“, sagte Zumthor, „bin ich paranoid?“ Alle Künstler seien paranoid, habe Govan geantwortet: „Ich behandle dich wie einen Künstler. Ich kritisiere dich – aber du trägst die Verantwortung.“

Zumthor bedankte sich und sagte, sein Entwurf sei eine Hommage an Oscar Niemeyer und jene Architekten, die große Gesten wagen konnten. Die sogenannten David Geffen Galleries sollen im April 2026 eröffnen – ein riesiges gekrümmtes Gebäude auf einer Ebene, das sich über seine durchgehende Fensterfront gleichsam selbst betrachtet. Oder, wie Govan schwärmte: „ein Wohnzimmer für Los Angeles“.

Was all diese Projekte verbindet, ist weniger ihre architektonische Qualität als die Frage, die sie aufwerfen: Wie tragfähig ist das Museum als Institution in einer Zeit, in der Vertrauen in Kultur und gesellschaftlicher Konsens schwinden? Und ob Museen Orte der Orientierung bleiben können – oder selbst zu Symbolen einer überforderten Gegenwart werden.

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