Auf Spitzbergen werden die Eisbären dicker. Warum genau, darüber rätseln Experten. Eigentlich müsste es den Tieren schlechter gehen, weil ihnen der Klimawandel die Lebensgrundlage abgräbt. Aber vielleicht lesen sie einfach keine Zeitung, so wenig wie die Robben und Seelöwen, Rentiere und Enten da oben. Manchmal reicht schon eine gewisse Distanz zum Nachrichtengeschehen, damit es einem besser geht.
Es kann auch sein, dass sich die Eisbären an deutschen Komikern laben. Das ist eine besonders bedrohte Art. Einige sagen, sie sei längst ausgestorben. Andere halten sie gar für ein Fabelwesen wie den Wolpertinger, eine Art Papiertiger, der immer wieder am Sprung aus dem Reich der Vorstellungskraft in die Wirklichkeit scheitert. Nicht umsonst heißen die drei kürzesten Bücher aller Zeiten: „Die Geheimnisse der englischen Küche“, „Italienische Heldensagen“ und „Tausend Jahre deutscher Humor“.
Ein deutscher Komiker wurde jüngst in Grönlands Hauptstadt Nuuk gesichtet beim Versuch, eine amerikanische Flagge zu hissen. Der Mann soll Maxi Schafroth heißen und für die Sendung „extra 3“ arbeiten. Offenbar versucht der NDR, in Donald Trumps Windschatten den Begriff „Norddeutschland“ großzügig auszuweiten. Vielleicht, mag man sich in Hamburg gedacht haben, finden ja wenigstens die Eskimos „extra 3“ lustig. Tun sie leider nicht. Beim Anblick der Flagge sollen Kinder zu weinen angefangen haben. Die Bürgermeisterin Avaaraq Olsen sagte verärgert, wer die Ängste der Bevölkerung vor dem Einmarsch einer Supermacht schüre, „um sich Inhalte, Klicks oder Lacher zu sichern“, sei weder mutig noch kreativ, sondern ein mieser Trittbrettfahrer des Terrors. Der NDR entschuldigte sich und bot zur Beschwichtigung an, die in einer Tiefkühltruhe im Keller beerdigte Walrossdame Antje, lange das Gesicht des Senders, den Eisbären zum Fraß vorzuwerfen.
Wie es besser geht, zeigte diese Woche Neil Young. Der Sänger ist stolz darauf, nie für seinen Humor berühmt gewesen zu sein. Seit Jahrzehnten grantelt er sich durch die Nachrichten, ob Nixon (im Song „Ohio“), Klimawandel (das Album „Greendale“) oder die Qualität von Streamingdiensten (der er den eigenen Pono-Player entgegensetzte, in der erstaunlichen Form einer Toblerone). Young entzog nun zur Strafe von Jeff Bezos’ Trump-Kungelei dessen Dienst Amazon Music seinen kompletten Songkatalog und stellte ihn allen Grönländern kostenlos zur Verfügung. In gewisser Weise kopiert er damit zwar Trumps knallharte Zoll-Politik, aber wir haben ja alle mehr von unseren ärgsten Feinden, als uns lieb ist.
In diesen tristen Zeiten, zu denen Bruce Springsteen sich genötigt fühlt, uninspirierte Protestsongs dahinzuschludern, fängt immerhin auch Michel Houellebecq das Singen an. Der französische Schriftsteller ist eigentlich bekannt für seine kühnen Prognosen vom Ende der Liebe („Elementarteilchen“) und dem Vormarsch des Islam in Europa („Unterwerfung“), die zwar wahr, aber politisch unkorrekt sind, sodass er sie immer schreibt, sich ironisch entschuldigt und sofort mit dem nächsten Aufregerthema weitermacht. Nun hat er ein Album aufgenommen, in dem er zarte Songs über das Ende des Menschen stimmlich begleitet, wie man das lethargische Säuseln wohl nennen kann. „Souvenez-vous de l’homme“ heißt die Platte, „Erinnert euch an den Menschen“. Das Cover zeigt eine Art menschlichen Eisbären in einer Landschaft, die in der Nähe von Nuuk aufgenommen sein könnte oder auf dem Mond.
Dorthin will gerade Elon Musk seine „Optimus“-Roboter schicken, die er ab sofort anstelle von Autos bauen will. Er sieht sie als künftige Arbeiter in solargepowerten Datenzentren im Weltall. Während Neil Young und Jeff Bezos in diesem Leben wohl keine Freunde mehr werden, können wir uns eine Kooperation zwischen Houellebecq und Elon Musk sehr gut vorstellen.
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