Der öffentlich-rechte Rundfunk sieht sich mit dem nächsten handfesten Skandal konfrontiert. Nach scharfer Kritik an einem Beitrag im ZDF „Heute-Journal“, bei dem unter anderem ein KI-generiertes Video eines vermeintlichen Einsatzes der US-Einwanderungsbehörde ICE gegen Migranten eingeblendet wurde, hat sich das ZDF offiziell bei seinen Zuschauern entschuldigt.
Das ZDF thematisierte den groben Fauxpas, wie bereits zuvor angekündigt, einen Tag später in seiner „Heute Journal“-Sendung am Dienstagabend. Im Gegensatz zum Vortag führte diesmal nicht Moderatorin Dunja Hayali, sondern Nachrichtenchefin Anne Gellinek durch die Sendung.
Ein bisschen mussten sich die Zuschauer allerdings gedulden. Nachdem erst die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine in Genf und dann die Atom-Gespräche zwischen dem Iran und den USA in der Schweiz thematisiert wurden, ging es um die politische Diskussion um ein mögliches Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren in Deutschland.
Dann wechselte Gellinek zu einem „Thema in eigener Sache“. In der gestrigen Sendung sei ein Beitrag über Einsätze der US-Einwanderungsbehörde erschienen, „der handwerkliche Fehler enthielt, die wir an dieser Stelle richtigstellen wollen“, so Gellinek.
Es folgte ein Einspieler, in dem der KI-generierte Clip mit einer Mutter und ihren beiden Kindern, die grob von einem ICE-Beamten abgeführt werden, erneut gezeigt wurde. Dazu spricht Moderator Stefan Leifert: „Ein Beitrag aus den USA berichtet über die grassierende Angst im Land vor den Festnahmen der Eisbehörde. Dabei sind zwei Fehler passiert.“ Als es um die realen Einsätze der ICE-Beamten ging, habe der Beitrag ein mit KI generiertes Video gezeigt. Dieses sei jedoch mit dem KI-Tool Sora erstellt worden, „wie ein Wasserzeichen zeigt“. Diesmal wird das Wasserzeichen mit einer roten Markierung hervorgehoben.
„Das Benutzen solcher KI-Bilder widerspricht den KI-Regeln, die im ZDF Standard sind“, erklärt Leifert weiter. In diesen sei festgelegt: „Der Einsatz KI-generierter Bilder und Videos von Menschen, Ereignissen und politischen Zusammenhängen sind im Nachrichtenbereich nicht möglich. Ausnahme: Es geht in Berichten ausdrücklich um KI-Fakes.“ Weil dies in besagtem Beitrag aber nicht der Fall war, hätte demnach auch eine Kenntlichmachung nicht gereicht.
Dann ging der Moderator auf die zweite umstrittene Szene ein, die ebenfalls erneut gezeigt wird. Diesmal führt ein Beamter einen Jungen ab – auch hier sollte es sich laut dem Bericht vom Vortag um einen Einsatz der US-Einwanderungsbehörde gehandelt haben. Doch aus das stimmte nicht. Es handelte sich um eine Festnahme nach einer Amokdrohung in Florida 2022. „In der Szene wurde ein Video eingeblendet, das nicht von einem ICE-Einsatz stammt, sondern einen Polizeieinsatz im Jahr 2022 zeigt“, stellte Leifert diesmal richtig und räumte ein: „Das hat die Redaktion vor Ausstrahlung nicht rechtzeitig erkannt.“ Für Bilder und Videos aus sozialen Medien habe das ZDF Prüf- und Verifikationsverfahren entwickelt. „Sie wurden in diesem Fall zu spät angewandt.“
Damit war der Beitrag zu Ende, die Kamera zeigte erneut Nachrichtenchefin Gellinek. Sie fasste zusammen: „Ein Doppelfehler, den wir nun sorgfältig aufarbeiten und der besonders schmerzt, weil wir hier bei den ZDF-Nachrichten sehr viel Kraft investieren, um Ihnen geprüfte Informationen zu liefern. Das ist uns diesmal nicht gelungen.“ Sie bitte die Zuschauer als ZDF-Nachrichtenchefin ausdrücklich um Entschuldigung. „Dieser Beitrag entsprach nicht unseren hohen Standards.“
ZDF thematisiert seit Wochen Trumps Abschiebepolitik
Zuvor hatte das ZDF seit Wochen über die verschärfte Abschiebepolitik von US-Präsident Donald Trump berichtet – insbesondere über die Einsätze der US-Einwanderungsbehörde, bei deren von Protesten begleiteten Einsätzen bereits zwei Menschen starben.
Am Sonntag sprach Moderatorin Dunja Hayali im „Heute Journal“ über online kursierende Videobeiträge, die die „Gewalt“ und „Willkür“ der Einsatzkräfte in den USA zeigen würden. Darin heißt es zu den später entfernten Bildern, ICE-Agenten würden Eltern vor den Augen ihrer Kinder abführen oder Minderjährige vor der Schule abfangen. Nicht alle dieser Videobeiträge seien echt, so die Moderatorin, einige seien manipuliert und somit dem Bereich der „Fake News“ zuzuordnen.
Doch im dann ausgestrahlten Korrespondentenbericht nutzte die Redaktion selbst den besagten KI-generierten besagten Videoschnipsel. Für kundige Zuschauer war dies auch ersichtlich. Die Bilder – eine sichtlich erregte Familie mit einem Kind, das sich an die Mutter klammert, die wiederum von Einsatzkräften abgeführt wird – trugen sichtbar das Wasserzeichen „Sora“, das auf die gleichnamige KI-App hinweist. Bei X fiel der Fehler denn auch vielen Nutzern schnell auf, darunter etwa dem „ÖRR Blog“.
Das ZDF löschte die Sendung schließlich kurzzeitig und stellte sie in einer überarbeiteten Variante wieder in die Mediathek. Der KI-Schnipsel sowie das Video, das die Festnahme des 10-Jährigen nach der Amokdrohung in Florida 2022 zeigte, wurden demnach entfernt. Der Beitrag vom Sonntag thematisierte das individuelle Schicksal einer Einwandererfamilie aus Honduras, die nun ebenfalls in Angst lebt. Um dies zu verdeutlichen, wurden auch Archivbilder genutzt, um die als brutal bezeichneten Einsätze von ICE zu verdeutlichen. In der überarbeiteten Variante waren nun andere Bewegtbilder der ICE-Einsätze zu sehen, sowie ein schriftlicher Hinweis: „Video aus redaktionellen Gründen nachträglich geändert“.
Berichtet hatten bis dato unter anderem „Nius“ und die Redaktion von „Apollo News“, die auch eine eigene Stellungnahme in Mainz einholte. Mittlerweile ist diese auch im Internet abrufbar. Dort heißt es: „In einem Beitrag des ‚Heute Journal‘ vom 15. Februar 2026 hätten KI-generierte Bilder gekennzeichnet werden müssen. Diese Kennzeichnung wurde bei der Überspielung des Beitrags aus technischen Gründen nicht übertragen. Die Redaktion hat den Fehler korrigiert und das Video entsprechend angepasst. In den KI-Grundsätzen des ZDF ist festgelegt, dass KI-generiertes Bildmaterial immer transparent gekennzeichnet wird.“
Der Sender erweckte da noch den Eindruck, sich nicht generell an der Verwendung der KI-generierten Bilder zu stören, sondern sah den Fehler offenbar einzig in dem fehlenden schriftlichen Hinweis. Das klang einen Tag später nun anders.
Wolfgang Kubicki sprach von „Medienskandal“
In den sozialen Medien wurde Einsatz von KI-Material zu Wochenbeginn breit diskutiert. Kritik kam auch aus der Politik, und zwar von Wolfgang Kubicki. „Eine Sendung, die mit falschem, KI-generiertem Bildmaterial arbeitet, sollte sich eigentlich nicht mehr ‚Nachrichtensendung‘ nennen dürfen. Das ZDF hat gestern 3,6 Millionen Zuschauer in die Irre geführt. Es ist ein Medienskandal, der uns noch lange beschäftigen wird“, schrieb der FDP-Politiker auf X.
Andere X-Nutzer fragten sich, warum das ZDF überhaupt auf KI-Material zurückgreife, wenn es doch genug Bewegtbild von den ICE-Einsätzen gebe.
ZDF bat um Verzeihung und kündigte Stellungnahme im TV an
Auf Anfrage von WELT, warum das ZDF sich überhaupt dazu entschieden hatte, KI-Bilder zu verwenden, antwortet der Sender mit einer durchaus fragwürdigen Erklärung: Der Beitrag habe zeigen wollen, „dass sowohl mit echten als auch mit KI-generierten Bildern ein Klima der Angst erzeugt wird“. Man bedauere aber, „dass dabei nicht deutlich genug wurde, welche Bilder real sind und welche nicht“.
In dem beanstandeten ZDF-Bericht war der Einsatz von Fake-Videos zur Einschüchterung von Einwanderern aber gar nicht das Thema. Stattdessen wird (auch mithilfe der später entfernten Bilder) ausgeführt, dass ICE-Agenten Eltern vor den Augen ihrer Kinder abführen oder Minderjährige vor der Schule abfangen.
Am Dienstagmittag griff das ZDF die Kritik dann noch einmal selbst auf. Nachrichtenchefin Gellinek erklärte: „Wir entschuldigen uns in aller Form für diese Fehler. Der Beitrag entspricht nicht unseren Standards und hätte in dieser Form nicht gesendet werden dürfen. Wir haben ihn deshalb von allen Plattformen entfernt und werden auf ZDFheute sowie an gleicher Stelle im ‚Heute Journal‘ heute Abend korrigierend berichten.“
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