Feuer am Burj Al Arab in Dubai, 1. März 2026: Das Bild von Flammen an der Fassade des ikonischen Hochhauses, das sich wie ein Segel über einer künstlichen Insel wölbt, hat sich in das Selbstverständnis der Stadt eingebrannt. Kurz nach den Angriffen Israels und der USA auf den Iran begann das Teheraner Regime, die Nachbarstaaten am Persischen Golf mit Hunderten von Raketen und Drohnen zu beschießen.
Der Brand an dem Luxushotel, der durch die Trümmer einer abgefangenen Drohne verursacht wurde, konnte schnell gelöscht werden. Doch die iranischen Attacken auf Dubai, auf Abu Dhabi – das politische Zentrum der Vereinigten Arabischen Emirate – sowie auf das Emirat Katar und seine Hauptstadt Doha wurden fortgesetzt. Der Schock in den selbstbewussten Glitzermetropolen mit ihren globalen Drehkreuzen für den internationalen Flugverkehr sitzt tief. Der Luftraum über den Emiraten ist weiterhin teilweise geschlossen, der über Katar stark eingeschränkt.
Die Eskalation hat bereits Folgen für die Wirtschaft und das internationale Vertrauen in die Region. Das gilt auch für den Kunstmarkt: Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Katar galten bis vor wenigen Tagen als vielversprechende Wachstumszone des globalen Kunsthandels – und als sicherer Hafen zwischen Europa, Asien und Afrika. Effiziente Flughäfen, liberalisierte Finanzmärkte, niedrige Steuern und hohe Kapitalvermögen machen den Reiz aus. Doha, Dubai und Abu Dhabi positionierten sich strategisch als neue Drehscheiben des Kunstmarkts – als Ergänzung zu den etablierten Hubs.
Art Basel engagiert sich für langfristige Entwicklung
Die von der Schweizer MCH Group betriebene Art Basel, die wohl wichtigste Messe für moderne und zeitgenössische Kunst mit Tochtermessen in Paris, Hongkong und Miami Beach, war gerade erst nach Doha expandiert und hatte Anfang Februar die erste Art Basel Qatar mit 87 Galerien aus 31 Ländern veranstaltet: Mehr als 17.000 Besucher und Vertreter von 85 Museen und Stiftungen aus aller Welt wurden gezählt, Kunstkäufe von Institutionen und privaten Sammlern setzten laut Abschlussbericht ein starkes Zeichen für die Attraktivität des Standorts – zumindest in Friedenszeiten.
Vier Wochen später muss sich die Art Basel vor allem um die Sicherheit ihres Teams in Katar sorgen, bemüht sich aber auch um demonstrativen Optimismus bei der Frage, wie es weitergeht. Auf Nachfrage von WELT hieß es, geopolitische Entwicklungen könnten kurzfristig die Marktaktivität beeinflussen, aber die Messe halte an ihrem „Engagement für die langfristige Entwicklung der Region“ fest und plane die Art Basel Qatar 2027. Die zweite Ausgabe soll im März kommenden Jahres stattfinden.
Empfang auf der Art Basel Qatar im Februar 2026Art Dubai vertraut auf die Resilienz der Stadt
Die Art Dubai, die älteste Kunstmesse der Region, bereitet sich am Rande des Kriegsgeschehens auf ihren Termin Mitte April vor. Entsprechend angespannt ist die Stimmung. „Dies ist ein beispielloser Moment für die Vereinigten Arabischen Emirate und das Wohlergehen unserer Künstler, Galerien, Sammler und Partner in Dubai und der gesamten Region steht im Mittelpunkt“, so ein Sprecher der Art Dubai. Die Vorbereitungen laufen, man sei im täglichen Dialog mit „Galerien aus der Region, Sammlern aus Dubai und dem Ausland“.
Auch laut dem Branchenportal „Artnet News“ erwartete die Messe Besuche von internationalen Galerien und Kunstsammlern. In die Region sei zudem von Unternehmen aus dem Kunsthandel investiert worden. So sind etwa die globalen Marktführer von Versteigerungen, Christie’s und Sotheby’s, mit eigenen Auktionshäusern in Dubai ansässig. Ohne verlässlichen internationalen Flugverkehr ist die Region geografisch abgeschnitten, eine Messe realistisch kaum durchführbar. Immerhin, die Auslastung der wichtigsten Fluggesellschaft Emirates sei wieder auf 50 Prozent gestiegen, so die Art Dubai.
Die Hoffnung liegt nun auf der lokalen Stärke der 3,9-Millionen-Stadt. In Dubai ist ein kulturelles Ökosystem gewachsen. Es beherbergt mehrere kommerzielle Galerien, Auktionshäuser und eine wachsende Zahl privater Sammlungen und institutioneller Stiftungen.
„Die Stadt hat sich in der jüngsten Vergangenheit als äußerst widerstandsfähig erwiesen“, und man glaube, so der Sprecher der Messe, die wie gewohnt im prächtigen Madinat-Jumeirah-Resort im Schatten des Burj Al Arab stattfinden soll, „dass sie gestärkt aus dieser Situation hervorgehen wird.“ Die Ambitionen, die Region weiter aufzuwerten, sind aber noch größer.
Frieze Abu Dhabi hofft, ihr Debüt geben zu können
Die britische Frieze-Gruppe (mit Messen in London, New York, Los Angeles und Seoul) kündigte im Herbst 2025 an, die Kunstmesse in Abu Dhabi zu übernehmen; im November 2026 soll sie erstmals als Frieze Abu Dhabi eröffnet werden – auf der Kulturinsel Saadiyat, flankiert von Museen wie dem Louvre Abu Dhabi und dem Zayed National Museum. Ob die imposante Filiale des Guggenheim-Museums dieses Jahr wie geplant für das große Publikum öffnen kann, ist angesichts der Großlage am Persischen Golf aber ebenso fraglich wie die Realisierbarkeit der neuen Kunstmesse. Die Frieze selbst will derzeit keine belastbaren Auskünfte über Galerieteilnahmen oder die weitere Messeplanung geben, „da die Bewerbungsphase noch nicht begonnen hat“.
Die Emirate blendeten bislang mit dem scheinbar unbegrenzten Reichtum ihrer Herrscherdynastien und einer offensiv eingesetzten Soft Power. Katar etwa ist nicht nur an der Art Basel in Doha beteiligt, sondern hat sich zuletzt auch das Recht erworben, in Venedig einen eigenen Nationalpavillon für die Biennale in allerbester Giardini-Lage zu bauen.
Hinter der Dynamik von Katar und den VAE stand aber auch eine wirtschaftliche Logik: Golden-Visa-Programme, Steuerfreiheit auf Kapitalgewinne und Einkommen sowie ein florierender Luxusgüter- und Immobilienmarkt lockten Family-Offices, Hedgefonds und solvente Kunstinvestoren an. Für viele war die Golfregion die logische Erweiterung des globalen Kunstmarkts, eine Chance für Diversifizierung jenseits der traditionellen Zentren. Doch diese Erwartung wird nun auf eine harte Probe gestellt.
Die geopolitische Lage zeigt, wie verwundbar ein System ist, das auf offenen Grenzen, globaler Mobilität und einem immensen Vertrauen in die Stabilität der Infrastruktur basierte. Messen leben von Publikum und Kapital – vor allem aber von Bewegungsfreiheit und Sicherheit. Wenn beides ins Wanken gerät, wankt das Geschäftsmodell. Doha, Dubai und Abu Dhabi haben sich lange als sichere Häfen vermarktet. Nicht nur für die Kunstmarktambitionen hat dieses Bild Risse bekommen.
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