Comedian Oliver Pocher hat den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und die Sender ARD und ZDF scharf attackiert. In dem Podcast „TOMorrow Business“ von Ex-Journalist Tom Junkersdorf forderte er eine grundlegende Reform, stellte die Existenz zahlreicher Sender – darunter auch die Privatsender RTL und ProSieben infrage und sprach sich sogar für eine Zusammenlegung von ARD und ZDF aus. Wörtlich sagte der Medienunternehmer: „ARD und ZDF und die ganzen dritten Sender kannst du schon längst einstampfen. Brauchst du alles nicht mehr.“ Eine Fusion beider Sender sei durchaus denkbar.
Ausschnitte aus dem Talk (mit der Überschrift „ProSieben ist tot“) kursieren aktuell auch bei X, zudem berichteten „Bild“ und „Focus Online“.
Erst jüngst hatte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer eine Diskussion über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk angestoßen. Weimer stellte infrage, ob Deutschland das bisherige System aus ARD und ZDF in seiner heutigen Form noch brauche. Zudem brachte er eine Privatisierung des ZDF ins Gespräch.
Auch Oliver Pocher erwartet offenbar Veränderungen und eine deutliche Marktbereinigung, und das nicht nur beim TV, sondern auch bei Radiosendern und im Bereich Rundfunk. Es seien einfach „viel zu viele“ Sender im Angebot, sagt er im Gespräch. Im Zuge dessen würde auch das Konzept der Rundfunkgebühren immer weiter unter Druck geraten, glaubt Pocher: Viele Deutsche zahlten jeden Monat Geld für ein Angebot, das sie jedoch – so jedenfalls seine Einschätzung – kaum noch nutzten, anders als etwa den (ebenfalls kostenpflichtigen) Streamingdienst Netflix.
„Es geht dem Ende entgegen“, prophezeit Pocher dem klassischen Fernsehen
Zudem hat der einstige Comedian, der sich mittlerweile zur Multimedia-Marke gemacht und insbesondere in den neuen Medien (Youtube, Instagram) erfolgreich ist, eine generelle Krise im linearen, klassischen Fernsehen ausgemacht. „Es geht in einem rasanten Tempo dem Ende entgegen“, so Pocher wörtlich. Jede Woche werde irgendeine Sendung eingestellt oder höre auf. In der Tat stellte der Privatsender RTL zuletzt etliche seiner Formate ein: Die tägliche Soap „Unter uns“ endet 2026 nach mehr als 32 Jahren; auch die Boulevardformate „Gala“ und „Prominent“ (VOX) sind Geschichte. Und selbst die großen Namen hätten ihre Zugkraft verloren, analysiert Pocher im Podcast. Er verwies dann auf Heidi Klums „Heidifest“ (RTL), das jüngst auch nur knapp über 700.000 Zuschauer gehabt habe.
Pocher übte im Gespräch mit Junkersdorf aber auch inhaltliche Kritik und warf den öffentlich-rechtlichen Sendern Parteinahme und „Framing“ vor. Als Beispiel nannte Oliver Pocher die Personalie Louis Klamroth, der Moderator der TV-Talksendung „Hart aber fair“ (ARD) ist. Dass Louis Klamroth privat mit der Klimaaktivistin Luisa Neubauer liiert sei, sei doch wohl ein Problem, denn er, so Pocher, sehe in einem solchen Fall die politische Neutralität des Moderators gefährdet: „Find’ ich schwierig!“. Dann zog der 48-Jährige noch einen provokanten Vergleich, um seine Meinung zu verdeutlichen: „Wenn Louis Klamroth mit Alice Weidel zusammen wäre, ich glaube, er würde dieses Studio nicht ansatzweise betreten.“
„Wir wählen mal schön blau“ – ein solcher Aufruf wäre das Karriere-Ende, glaubt Pocher
All dies sei doch „Bigotterie“, urteilte Pocher weiter, die aber sehe er aktuell immer häufiger – etwa jüngst in der Debatte um das „Glücksgefühle“-Festival, bei dem die Band Alphaville nach einer Debatte um politische Äußerungen des Frontmanns erst ein-, dann aus- und dann wieder eingeladen wurde (WELT berichtete).
Das Thema Meinungsfreiheit werde öffentlich zwar immer hochgehalten, habe aber letztlich doch enge Grenzen, sagte Pocher in dem Zusammenhang. „Wenn Du eine Meinung hast wie alle anderen auch, kann man sich auf der Bühne stellen und sagen: ‚Wir sind gegen rechts.‘“ Wenn sich aber ein Künstler hinstelle und eine politische Kehrtwende fordere oder gar zur Wahl der AfD aufrufe („Wir wählen mal schön blau“, witzelte Pocher), dann würde das für den Künstler doch wohl das unmittelbare Karriereaus bedeuten: „Der tritt nicht einmal mehr auf einem Festival auf“, mutmaßte Pocher, der (oder die) sei „raus“ – allenfalls Festivals mit Bands wie Freiwild oder Böhse Onkelz seien dann noch möglich, witzelte er dann noch.
Auch gegen Jan Böhmermann teilte Oliver Pocher aus. Das jüngst angekündigte Ende von dessen Sendung „ZDF Magazin Royale“ bezeichnete er als „überfällig“, auch weil der Satiriker seiner Meinung nach eine politische Agenda verfolge und immer wieder die „Nazikeule“ geschwungen habe.
Unabhängigen Journalismus, betonte der Comedian dann aber auch, halte er nach wie vor für unverzichtbar. „Aber den gibt es ja nicht. Ich sehe ja nichts Unabhängiges. Ich sehe ja nur eine Richtung. Es ist ja ganz klar, wer da gefördert und gefeatured wird. Und das führt ja auch zur Situation, dass wir momentan diesen Rechtsruck haben“, so seine Einschätzung.
Der Entertainer selbst setzt nach erfolgreichen Jahren im Privat-TV mittlerweile stark auf eigene Kanäle, Direktvermarktung und eine zahlende Community. Oliver Pocher bespielt aktuell die Streaming- und Community-Plattform „Pocher Club“, auf der er exklusive Shows, Livestreams, Podcasts und Fan-Angebote anbietet.
Auch im boomenden Podcast-Markt ist Pocher aktiv. Das Format „Die Pochers! Frisch recycelt“ mit Ex-Frau Sandy Meyer-Wölden wurde jüngst ergänzt durch „Patchwork Boys“ mit Sänger Pietro Lombardi. Hinzu kommen weiterhin Liveauftritte und Tourneen mit einem klassischen Bühnenprogramm. Zu seinen erfolgreichsten linearen TV-Formaten wiederum zählten die „Oliver Pocher Show“ bei Sat.1, „Schmidt & Pocher“ in der ARD sowie später Formate wie „Rent a Pocher“.
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