Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg hat bei einem Auftritt am Zurich Film Festival (ZFF) indirekt Marokko für mutmaßliche Sabotage einer Diskussionsveranstaltung verantwortlich gemacht. Über den Vorgang berichtet der Schweizer „Tagesanzeiger“.
Thunberg war nach Zürich gereist, um den Dokumentarfilm „My Home of Wind and Sand“ zu unterstützen. Der Film begleitet die Sahraui-Aktivistin Najla Mohamed Lamin und ihren Einsatz für ein Selbstbestimmungsreferendum in der Westsahara. Die Region ist seit Jahrzehnten Gegenstand eines ungelösten Konflikts zwischen Marokko und der Befreiungsbewegung Polisario.
Die Veranstaltung sei online zunächst vollständig ausgebucht gewesen, berichtet der „Tagesanzeiger“. Im Kinosaal Corso 2 blieben dann jedoch große Teile der insgesamt 300 Plätze unbesetzt – im Saal waren dem Bericht zufolge bloß 40 Menschen. Die Moderatorin der Podiumsdiskussion äußerte dem „Tagesanzeiger“ zufolge die Vermutung, es könnte sich um eine koordinierte Aktion gehandelt haben, bei der Tickets in größerer Zahl reserviert, anschließend aber nicht genutzt wurden.
Thunberg selbst ging noch weiter. Die auffällig vielen leeren Sitze seien ein Hinweis darauf, dass der Kampf der Sahraui gezielt zum Schweigen gebracht werden solle, sagte die Aktivistin dem Blatt zufolge. Als möglichen Verantwortlichen nannte sie Marokko, das die rohstoffreiche Westsahara seit den 1970er-Jahren weitgehend kontrolliert und als Teil seines Staatsgebiets betrachtet.
Das Zürcher Filmfestival bestätigte dem „Tagesanzeiger“, dass die Veranstaltung im Vorfeld ausgebucht gewesen sei. Man bedauere, dass zahlreiche reservierte Plätze ungenutzt geblieben seien. Nach Angaben des Festivals wurden Reservierungen nachträglich auf maximal vier Tickets pro Person begrenzt. Ob hinter dem Nicht-Erscheinen eine gezielte Aktion stecke, könne derzeit nicht beurteilt werden.
Kritik an „Ignoranz“
Die Klimaaktivistin besuchte nach eigenen Angaben bereits 2025 ein Flüchtlingslager der Sahraui in Algerien. In Zürich forderte sie Europa auf, stärker auf den Konflikt aufmerksam zu machen. Bereits bei der Weltpremiere des Dokumentarfilms am Dienstag hatte Thunberg den Umgang westlicher Medien mit dem Konflikt kritisiert. Die Lage der Sahraui werde weitgehend ignoriert, sagte sie. Für viele Journalisten sei der jahrzehntelange Konflikt „zu wenig attraktiv und zu wenig brutal“, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Die Vernachlässigung des Themas komme deshalb „auf mehreren Ebenen einem Verrat gleich“.
Die Sahraui leben seit Jahrzehnten größtenteils in Flüchtlingslagern in der algerischen Wüste. Ihre Forderung nach einem Referendum über die Zukunft der Westsahara blieb bislang unerfüllt.
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