Der Berliner Rapper Prinz Pi beklagt eine zunehmende „Weltuntergangsstimmung“ in der Gesellschaft und kritisiert die Berichterstattung über politische und gesellschaftliche Krisen. „Die Medien, wenn du dir die anguckst, sind voll mit Hiobs-Botschaften“, sagt der Rapper bei „MusikerGrillen“, dem neuen Gemeinschaftsformat von WELT- und ROLLING-STONE Germany.
Nach Ansicht des Rappers hat sich insbesondere die Wahrnehmung gesellschaftlicher Bedrohungen verändert. Zwar seien auch frühere Jahrzehnte von schweren Krisen und existenziellen Ängsten geprägt gewesen. Die heutige Situation empfinde er allerdings als deutlich bedrückender.
Prinz Pi, der in West-Berlin aufgewachsen ist, erinnert sich an die Bedrohung durch einen möglichen Atomkrieg während des Kalten Krieges. Die Stationierung von Pershing-Raketen, die deutsche Teilung und die Angst vor einer nuklearen Eskalation hätten seine Kindheit begleitet. Hinzu sei 1986 die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl gekommen. „Für mich waren zum Beispiel auch Schutzräume und Bunker, die irgendwelche Nachbarn im Garten hatten, so ein präsentes Thema als Kind“, erzählt der Musiker.
Dennoch habe er die damalige Situation anders wahrgenommen als die Gegenwart. „Irgendwie war die Bedrohung, wenn man es objektiv betrachtet, vielleicht sogar konkreter. Aber ich habe sie nicht so empfunden.“ Heute kämen nach seinem Eindruck verschiedene Krisen gleichzeitig zusammen. „Ich habe das Gefühl, die Weltuntergangsstimmung, die man heute mitkriegt, ist ein viel größeres Konzert“, sagt Prinz Pi. Neben Kriegen und geopolitischen Konflikten nennt er die Erderwärmung, Wasserknappheit und wirtschaftliche Unsicherheit.
Als besonders einschneidend empfindet er die Veränderungen im Verhältnis zwischen Europa und den Vereinigten Staaten. „Du hast nicht nur diese Kriegsbedrohung, die überall aufgemacht wird, sondern du hast auch diese: Hey, unsere große Freundschaft mit diesem transatlantischen USA-Bündnis, das zerbricht.“ Zugleich äußert er deutliche Kritik an der Europäischen Union. „Wir sind jetzt so alleine, wir sind die EU. Und die EU kriegt gefühlt überhaupt nichts hin“, sagt der Rapper. Statt grundlegende Probleme zu lösen, beschäftige sich die EU aus seiner Sicht mit immer neuen Vorschriften. „Die erlässt die ganze Zeit irgendwelche noch bescheuerteren Verordnungen. Aber es ist einfach nur so überreglementiert.“
Hinzu kämen wirtschaftliche Sorgen, die viele Menschen unmittelbar beträfen. „Du hast halt diese dystopische Stimmung an allen Ecken und Enden. Dann guckst du halt auf die Wirtschaft, guckst auf Volkswagen und so.“
Öffentliches Leben habe sich zeitweise wie in einem dystopischen Science-Fiction-Film angefühlt
Dabei blickt Prinz Pi nicht grundsätzlich pessimistisch in die Zukunft. Auf die Frage nach seinem persönlichen Zukunftsbild antwortet er zunächst: „Eigentlich positiv.“ Gleichzeitig habe er den Eindruck, dass sich die gesamtgesellschaftliche Stimmung in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten immer weiter verschlechtert habe.
Als Beispiele nennt er die Corona-Pandemie, während der sich das öffentliche Leben zeitweise wie in einem dystopischen Science-Fiction-Film angefühlt habe, und den russischen Krieg gegen die Ukraine. Prinz Pi gehört seit mehr als zwei Jahrzehnten zu den bekannten Vertretern des deutschen Hip-Hop. Der Berliner hat nach rund 30 Jahren im Musikgeschäft seinen Abschied angekündigt und bereitet sich auf seine letzte Tournee vor.
„MusikerGrillen“ ist ein gemeinsames Interviewformat von WELT und ROLLING STONE Germany, in dem bekannte Musiker bei einem Grillabend mit den Moderatoren Dennis Sand und Sassan Niasseri über ihre Karriere, persönliche Wendepunkte und gesellschaftliche Fragen sprechen.
Folge 2 mit Prinz Pi läuft am Samstag, den 10. Oktober 2026 um 15 Uhr auf WELT TV.
Die erste Folge von MusikerGrillen mit Doro Pesch gibt es hier:
Sie ist die deutsche „Queen of Metal“. Bei MusikerGrillen erzählt Doro Pesch von den Tief- und Wendepunkten ihrer Karriere. Und von einer Erfahrung, die sich bis heute eingebrannt hat.Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.