Ein bisher unbekannter Brief, mit dem der Schlagzeuger Charlie Watts einst von den Rolling Stones angeworben wurde, soll in New York versteigert werden. „Lieber Charlie“, schrieb der Bandgründer und Gitarrist Brian Jones darin im Jahre 1962, wenige Tage vor dem ersten offiziellen Auftritt im Londoner Marquee Club: „Wir suchen einen guten Schlagzeuger.“

Der bisherige Schlagzeuger der Band, die sich wenig später unter anderem mit Jones, Mick Jagger und Keith Richards als Rolling Stones formierte, sei grauenhaft. Bei früheren Proben trommelte Mick Avory, später bei den Kinks, und Tony Chapman. Watts spielte 1962 noch für Alexis Korners Blues Incorporated.

„Falls du künftig nicht mehr mit Alex arbeiten willst“, schrieb Jones an Watts, „und weiterhin R&B spielen möchtest – wir suchen einen guten Drummer. Wir halten unsere Band schon jetzt für besser als Alex’ – unser Sound wird immer kompakter. Wir proben montags, mittwochs und freitags. Meld dich einfach, wenn du Zeit hast, und lass mich wissen, was geht. Cheers, Brian Jones.“

Der Brief endet mit einem PS: „Falls du Interesse hast: Unser aktuelles Line-up besteht aus 2 Gitarren, Harp, Piano und Drums. Irgendwann wollen wir auch eine Bassgitarre einbauen. Unser jetziger Drummer ist katastrophal!“

Wie genau Watts auf den Brief reagierte, ist nicht überliefert. Aber Watts schlug Jones’ Angebot zunächst aus, und die Stones machten mit wechselnder Besetzung weiter. Im Januar 1963, sechs Monate nach Erhalt des Briefs, stieß Watts zu den Rolling Stones. Er blieb bis zu seinem Tod im Jahr 2021 in der Band.

Die Rolling Stones in ihrer Gründerzeit: Mick Jagger, Brian Jones, Keith Richards, Bill Wyman und Charlie Watts (v.l.n.r.)

Der Brief sei inzwischen im Besitz der Schwester von Watts, die ihn nun zur Versteigerung freigegeben habe, teilte das Auktionshaus Sotheby’s mit. „Dieser Brief hat etwas wunderbar Persönliches“, sagt Craig Inciardi, Sotheby’s-Spezialist für Musik und Popkultur im „Rolling Stone“. „Man hört Brian Jones’ Stimme regelrecht heraus, besonders in diesem herrlich unverblümten Nachsatz: ‚Unser jetziger Drummer ist katastrophal!‘ Das ist witzig, direkt und voller Charakter – aber man spürt auch, wie entschlossen Mick, Keith und Brian waren, Charlie hinter die Drums zu holen. Wenn man weiß, welch außergewöhnliche musikalische Partnerschaft daraus entstanden ist, liest sich das heute umso bewegender.“

Bei der Versteigerung am 15. Dezember könnte er dem Auktionshaus zufolge rund 80.000 Dollar (rund 72.000 Euro) einbringen.

Brian Jones, der Schreiber des Briefs, starb 1969, Charlie Watts, der Empfänger, 2021.

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