Mit prominenter Begleitung hat der Liedermacher Wolf Biermann in der Hamburger Elbphilharmonie ein Festkonzert zu seinem bevorstehenden 90. Geburtstag gegeben. Biermann brachte Lieder und Gedichte auf die Bühne. Zu den Mitwirkenden gehörten Campino von den Toten Hosen, der Komiker Otto, der Schauspieler Gustav Peter Wöhler sowie der Schweizer Schriftsteller, Kabarettist und Liedermacher Franz Hohler. Der Abend würdigte Biermanns künstlerisches Werk und seine Lebensleistung.
Biermann wird am 15. November 90 Jahre alt. Wenige Tage zuvor, am 13. November, jährt sich zum 50. Mal sein Konzert in der Kölner Sporthalle, das zu einem Wendepunkt der deutsch-deutschen Geschichte wurde. Nach dem Auftritt im Jahr 1976 verweigerte ihm die DDR-Führung gegen seinen Willen die Rückkehr. Die Ausbürgerung löste eine Welle des Protests aus. Persönlichkeiten wie Yves Montand, Joan Baez und Arthur Miller solidarisierten sich mit ihm, ebenso zahlreiche DDR-Bürger.
Auch der Musiker Campino würdigte das Wirken Wolf BiermannsDer 1936 in Hamburg geborene Biermann war 1953 im Alter von 16 Jahren in die DDR übergesiedelt. Wegen seiner kritischen Gedichte und Lieder geriet er zunehmend in Konflikt mit der Staatsführung. Zwölf Jahre lang durfte er weder öffentlich auftreten noch publizieren. Dennoch hielt er an seiner Kritik an der SED-Diktatur fest.
Bis heute mischt sich Biermann in politische Debatten ein. „Wolf Biermann ist und bleibt meinungsstark und hat immer wieder Diskurse losgetreten“, hieß es auf der Internetseite der Elbphilharmonie. Er scheue sich nicht, „unangenehme Wahrheiten in oft scharfer, bildhafter Sprache auszusprechen und sich so in die Tagespolitik einzumischen“.
In einem Interview mit dem evangelischen Monatsmagazin „chrismon“ sprach Biermann nun auch über seinen Glauben, seine Kindheit und den Tod. Seinen eigenen Glauben bezeichnete er als „noch absurder“ als den Glauben an Gott. „Er lässt sich noch weniger begründen, denn ich glaube an den Menschen“, sagte Biermann. Es sei ihm nicht wichtig, mit welchen Hilfsmitteln Menschen es schafften, gute Menschen zu werden. Sein Leben in der DDR habe ihn jedoch gelehrt, seinen „Hochmut gegen den Glauben abzulegen“.
Angst vor dem Tod selbst habe er nicht, sagte Biermann. Er fürchte vielmehr ein Leben, in dem er nicht mehr aktiv sein könne. Geprägt wurde sein Verhältnis zum Tod durch die Erfahrungen seiner Kindheit. Sein Vater wurde in Auschwitz ermordet, Angehörige seiner jüdischen Familie wurden deportiert und getötet.
Erinnerung an die Bombardierung Hamburgs
Auch die Bombardierung Hamburgs im Jahr 1943 hat sich tief in Biermanns Gedächtnis eingeprägt. „Ich rannte damals mit meiner Mutter durch die brennenden Straßen, sah Menschen, die wie Fackeln brannten“, sagte er im „chrismon“-Interview. Bei den Luftangriffen kamen mehr als 30.000 Menschen ums Leben. „Seitdem ist der Tod Teil meines Lebens“, sagte Biermann.
Traurigkeit und Krisen begegnet er nach eigenen Worten mit kreativem Schaffen, Musik und Poesie. Auch Humor habe ihm in schwierigen Situationen geholfen. „Diktatoren haben keinen“, sagte Biermann. „Deshalb war meine schärfste Waffe gegen Diktatur auch der Humor.“
Unter dem Titel „Warte nicht auf bessre Zeiten!“ hatte Biermann bereits im Oktober ein Konzert in Köln gegeben. Am 20. November will er in Leipzig auftreten. Für den 13. November ist zudem die Veröffentlichung seines neuen Albums „Unterm Haar nur Himmel“ angekündigt. Seit Donnerstag läuft mit „Biermann“ außerdem ein Dokumentarfilm über sein Leben und seine Kunst im Kino.
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