Nach vorsichtigem Start haben sich die US-Investoren im Verlauf etwas vorgewagt, wobei vor allem Tech-Aktien zulegten. Zuvor hatte der DAX mit Mühe die Marke von 24.000 Punkten gehalten.
Nach langer Zeit lustlosem Geschäft haben sich die Anleger an der Wall Street im Verlauf doch noch etwas mutiger gezeigt. Zwar war nicht, wie im Vorfeld erhofft, KI-Platzhirsch Nvidia der Treiber, einige andere gute Ergebnisse aus dem Technologiesektor überzeugten aber und hoben die Stimmung.
Der Dow-Jones-Index stand am Ende nur leicht um 0,16 Prozent im Plus bei 45.636 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 notierte 0,32 Prozent höher bei 6.501 Punkten, nur knapp unter Allzeithoch. Der Index der Technologiebörse Nasdaq kletterte stärker um 0,53 Prozent, der Auswahlindex Nasdaq 100 machte 0,58 Prozent gut.
Politikum Nvidia
Die Nvidia-Zahlen vom Vorabend rissen die Anleger nicht mit, die Aktie schloss bei 180,12 Dollar um 0,82 Prozent leichter. Was nicht unbedingt an einer schlechten Qualität der erneut sehr robusten Zahlen lag, die weltweit das Tempo für die Konjunktur im Technologiesektor bestimmen - und da wäre noch reichlich Luft nach oben. Der Branchenriese verzeichnete im vergangenen Quartal ein überraschend starkes Wachstum, klammerte jedoch mögliche China-Umsätze wegen der US-Exportbeschränkungen aus seiner Prognose aus.
"Das Problem für Nvidia ist nicht die KI-Nachfrage, sondern eher, wie die Politik seinen großen Ambitionen zur globalen Vorherrschaft in die Quere gekommen ist", sagte Dan Coatsworth, Investmentanalyst bei AJ Bell. "Das Unternehmen steckt in der Zwickmühle." Nvidia habe eine Technologie, für die unzählige Unternehmen Schlange stünden, doch der US-Handelsstreit erschwere den Verkauf nach China.
Besser lief es heute für die Aktien des Datenanalyse-Unternehmens Snowflake, die 20 Prozent zulegten, nachdem es seine Umsatz- und Margenprognose angehoben hatte. Hintergrund ist die starke Nachfrage nach Datenanalysediensten, die durch steigende Ausgaben für KI angetrieben wird.
Auch die Aktien von HP legten nach besser als erwarteten Quartalszahlen um 4,5 Prozent zu. Der Computerhersteller profitierte von einer wachsenden Nachfrage nach KI-gestützten PCs. Zu den Gewinnern zählten auch die Papiere von Salesforce, die um 1,75 Prozent anzogen.
US-Wirtschaft weiter robust
Die US-Wirtschaft wuchs im Frühjahr stärker als erwartet. Im zweiten Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zum Vorquartal um annualisiert 3,3 Prozent, wie das Handelsministerium heute in Washington mitteilte. Eine erste Schätzung hatte nur eine Jahresrate von 3,0 Prozent ergeben.
Damit hat die größte Volkswirtschaft der Welt stärker Fahrt aufgenommen als bisher gedacht, nachdem sie im ersten Quartal noch um 0,5 Prozent geschrumpft war. Volkswirte hatten im Schnitt für die Monate April bis Juni mit einem Wachstum von 3,1 Prozent gerechnet.
Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ist in den USA derweil gefallen, was einen weiter robusten Arbeitsmarkt suggeriert. In der vergangenen Woche sank sie konkret um 5.000 auf 229.000, wie das Arbeitsministerium in Washington mitteilte. Volkswirte hatten im Schnitt mit 230.000 Hilfsanträgen gerechnet.
Die Zahl der Anträge hatte Anfang Juni mit rund 250.000 den höchsten Wert seit Oktober erreicht. Allerdings ging es zuletzt zeitweise mit den Hilfsanträgen tendenziell wieder nach unten.
Die trotz zuletzt uneinheitlicher Wirtschaftsdaten insgesamt robuste Verfassung der US-Wirtschaft setzt die Fed nicht unter Druck, die Zinsen senken zu müssen. Trotzdem erwartet der Markt auf der nächsten Zinssitzung im September mehrheitlich einen ersten Zinssenkungsschritte von 25 Basispunkten. Größere Senkungen, die im Vorfeld ebenfalls diskutiert werden, dürften mit diesen Zahlen aber vom Tisch sein.
Euro wieder im Aufwind
Der Euro legte heute zu. Zuletzt wurden im New Yorker Handel 1,1681 Dollar für die Gemeinschaftswährung gezahlt, die am Vortag noch zeitweise unter die Marke von 1,16 Dollar gerutscht war. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1676 (Mittwoch: 1,1593) Dollar fest.
Beobachter begründeten die moderaten Kursgewinne mit einer allgemeinen Dollar-Schwäche, die im Handelsverlauf den Euro und andere wichtige Währungen gestützt habe. Die Bewegungen hielten sich allerdings im Rahmen. Bereits seit Mitte August pendelt der Eurokurs in einer Spanne zwischen knapp 1,16 und gut 1,17 Dollar.
Am Markt wurde auch auf das jüngste Protokoll der EZB-Zinssitzung Ende Juli verwiesen. Die meisten Vertreter der Europäischen Zentralbank schätzten demnach die Inflationsrisiken als "weitgehend ausgewogen" ein. Konjunkturdaten aus den USA sorgten für keine nachhaltigen Kursausschläge.
Im Fokus stehen nun die morgen anstehenden Daten zu den persönlichen Konsumausgaben (PCE), dem bevorzugten Inflationsmaß der Fed. Ein überraschender Anstieg der Teuerung könnte die Zinssenkungshoffnungen dämpfen. Der Dollar geriet angesichts der anhaltenden Diskussion um die Unabhängigkeit der Fed unter Druck
Tristesse an der Frankfurter Börse
Nur zur Eröffnung sah es heute so aus, als könnte frischer Wind den DAX wieder etwas anschieben und wegführen von seiner technischen Unterstützungszone bei 24.000, die erst am Vortag getestet worden war. Bis auf 24.206 Punkte ging es im frühen Geschäft bergauf, ehe wieder Lethargie einsetzte und der DAX im Tief bei 23.972 sogar knapp unter die Runde Marke fiel - genau wie am Vortag.
Am Ende ging der deutsche Leitindex heute in Frankfurt bei 24.039 Punkten mit einem Mini-Minus von 0,03 Prozent aus dem Handel. Die vergangenen drei Tage in Folge hatte der deutsche Leitindex schon moderat nachgegeben. Trotzdem hält die runde Marke bisher, der DAX konnte sich auf diesem Niveau zumindest stabilisieren. Zu mehr reicht es derzeit nicht.
Auf kurze Sicht sei es nun wichtig, dass der deutsche Leitindex nicht nachhaltig unter 24.000 Punkte falle, schrieben die Experten der Landesbank Helaba. Der MDAX der mittelgroßen Unternehmen schloss 0,41 Prozent schwächer mit 30.358 Punkten.
EZB im Fokus
Mit dem Ende der Berichtssaison rücken nun Konjunkturdaten verstärkt in den Fokus der Anleger. Insbesondere die Frage des weiteren Zinskurses der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) bleibt ein Dauerbrenner, der nicht nur die US-Börsen maßgeblich beeinflusst.
In Europa ist der Zinssenkungsprozess der Europäischen Zentralbank (EZB) dabei nach sieben Zinssenkungen schon weit fortgeschritten. Zuletzt hatte die Bank im Juli eine Pause eingelegt. Auch für die nächste Zinsentscheidung am 11. September wird am Finanzmarkt derzeit mit einer Zinspause gerechnet, wie aus den Protokollen der jüngsten Zinssitzung im Juli hervorgeht, die von der Bank heute veröffentlicht wurden.
Konkret hieß es, die Währungshüter der EZB hätten Vorteile für eine abwartende Haltung in der Zinspolitik ausgemacht. Die Beibehaltung unveränderter Zinsen wurde als "robuster Ansatz" zur Bewältigung von Schocks und Inflationsrisiken in einer Vielzahl von plausiblen Szenarien betrachtet.
Trotzdem blicken die Anleger natürlich gespannt auf die morgen anstehenden Inflationsdaten aus Deutschland, Frankreich und Spanien. "Im Fokus stehen aber die deutschen Verbraucherpreise, die durchaus für Aufsehen sorgen können. Denn die Inflationsrate sollte den dritten Monat in Folge 2,0 Prozent betragen und damit genau auf dem EZB-Ziel liegen", heißt es von der Commerzbank.
Siemens an der DAX-Spitze
Mit einem Plus von rund 1,6 Prozent standen Siemens-Aktien an der DAX-Spitze. Die US-Investmentbank JPMorgan stufte die Aktie auf "Overweight" ein. Analyst Phil Buller setzte sie zudem auf die "Analyst Focus Liste" und drückte ihnen mit Blick auf den Kapitalmarkttag den Stempel "Positive Catalyst Watch" für kurzfristig besonders hohen Optimismus auf. Sein Kursziel von 300 Euro ist das höchste unter den Kurszielen von 25 Experten, die laut dem Informationsdienstleister Bloomberg die Aktien bewerten.
Unter den Einzelwerten waren auch die Papiere des Chipherstellers Infineon gefragt. Dies, nachdem am Vorabend der US-Chipkonzern Nvidia seine Quartalszahlen präsentiert hatte. Es waren starke Ergebnisse, aber der erhoffte Schwung für den Gesamtmarkt blieb aus. Der KI-Boom ließ das Geschäft trotz der andauernden Probleme in China weiter rasant wachsen. Im vergangenen Quartal sprang der Umsatz im Jahresvergleich um 56 Prozent auf 46,74 Milliarden Dollar.
Nvidia übertraf damit die Erwartungen der Wall Street. Im Vergleich zum Quartal davor gab es noch ein Plus von sechs Prozent. Unter dem Strich stieg der Quartalsgewinn im Jahresvergleich um 59 Prozent auf gut 26,4 Milliarden Dollar. In New York liefen die Aktien zunächst bis knapp an ihre Rekordhoch, fielen danach aber wieder zurück.
Auto-Aktien gefragt
Gefragt waren im DAX auch Autoaktien. Der europäische Automarkt hat im Juli den Dämpfer des Vormonats ausgeglichen. Der Absatz legte um 7,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu, nachdem es im Juni noch einen Rückgang in dieser Größenordnung gegeben hatte, wie aus Zahlen des Branchenverbandes ACEA hervorgeht. Seit Jahresbeginn bleibt damit aber dennoch ein leichtes Absatzminus von 0,7 Prozent auf knapp 6,5 Millionen verkaufte Neuwagen.
Aufwärts ging es vor allem bei Hybridautos: Mit einem Marktanteil von gut einem Drittel seien sie inzwischen die bevorzugte Antriebsform in Europa, teilte der Verband weiter mit. Benzin- und Dieselfahrzeuge kommen zusammen nur noch auf 37,7 Prozent, das sind zehn Prozentpunkte weniger als vor Jahresfrist. Mit 15,6 Prozent legt der Anteil von Elektroautos etwas zu.
BMW-Chef Oliver Zipse rechnet derweil mit einer Neuordnung der globalen Autoindustrie. Es werde eine Auslese in der Branche geben, sagte Zipse dem Spiegel laut Vorabbericht vom Donnerstag. Von der derzeitigen Schwäche des US-Elektroautobauers Tesla sei er dabei nicht überrascht. "Das war eine Frage der Zeit." Der Kippmoment, an dem Teslas Architektur an ihre Grenzen komme, habe sich angebahnt.
Qiagen fällt zurück
Aktien des Diagnostik-Unternehmens Qiagen sackten nach der Ankündigung einer Anleihenplatzierung auf den tiefsten Stand seit rund zweieinhalb Monaten ab. Zum Handelsende lagen sie 4,2 Prozent im Minus und damit am DAX-Ende.
Stada bereitet Milliarden-Börsengang im Herbst vor
Der Arzneihersteller Stada nimmt einen neuen Anlauf für einen milliardenschweren Börsengang in Frankfurt. "Wir bereiten einen Börsengang im Herbst vor, sofern die Rahmenbedingungen stimmen", sagte Stada-Chef Peter Goldschmidt der Nachrichtenagentur dpa. Anders als im Frühjahr sei das Umfeld an den Finanzmärkten derzeit stabiler. "Außerdem ist es im momentanen Umfeld ein Vorteil, dass wir so gut wie kein Geschäft in den USA haben", sagte Goldschmidt.
Stada mit Sitz in Bad Vilbel bei Frankfurt wollte schon im April an die Börse. Die Pläne wurden aber vertagt, da die Kurse mit Trumps Zolldrohungen stark schwankten. Der Börsengang im zweiten Anlauf, für den der Oktober im Raum steht, soll nun schon in wenigen Tagen formell angekündigt werden.
Essenslieferdienst Delivery Hero mit Gewinnsprung im Halbjahr
Der Lieferdienst Delivery Hero hat im ersten Halbjahr dank Rekorden bei den täglichen Bestellungen und einer gestiegenen Nachfrage in Asien kräftig zugelegt. "Wir haben an unseren starken Jahresauftakt angeknüpft und im zweiten Quartal sowohl unser Wachstum beschleunigt als auch die Rentabilität weiter gesteigert", erklärte Vorstandschef und Mitbegründer Niklas Östberg. So stieg in den ersten sechs Monaten der Umsatz um 25 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro. Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) schnellte um 71 Prozent auf 411 Millionen Euro.
PPF steigt bei ProSiebenSat.1 aus
Der tschechische Großaktionär PPF steigt bei ProSiebenSat.1 aus und macht damit den Weg frei für eine Übernahme durch die Berlusconi-Familienholding MFE-MediaForEurope. Man habe entschieden, die Aktien in Form des Anteils von 15,68 Prozent an ProSiebenSat.1 der MFE-MediaForEurope anzudienen und die verbleibenden Finanzinstrumente in ProSiebenSat.1 abzuwickeln, teilte PPF.
Es sei PPF nicht gelungen, ausreichend Aktionäre zur Unterstützung der eigenen Ziele zu gewinnen. Die Italiener verfügten mit bereits über 43 Prozent der Stimmrechte voraussichtlich über eine einfache Mehrheit auf den Hauptversammlungen von ProSiebenSat.1.
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