An der Wall Street entschlossen sich die Anleger vor dem verlängerten Wochenende dazu, die Risiken Im Depot zu minimieren. Vor allem Technologiewerte verloren. Zuvor war der DAX unter 24.000 Punkten aus dem Handel gegangen.

Zum Wochenschluss ging den Anlegerinnen und Anlegern an der Wall Street die Puste aus. Der Leitindex Dow Jones Industrial schloss 0,2 Prozent leichter auf 45.544 Punkten. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 0,6 Prozent auf 6.460 Zähler abwärts. Der technologielastige Nasdaq gab um 1,1 Prozent auf 21.455 Punkte nach. Die Gewinnmitnahmen zeigten sich insbesondere bei Technologie-Titeln. Marktakteure fragen sich, wie hoch das Trendthema KI die Aktienkurse noch treiben kann.

Trumps Fed-Attacken belasten

Hinzu kam, dass sich die Marktteilnehmerinnen und Marktteilnehmer nach der starken Kursentwicklung der vergangenen Tage für Gewinnmitnahmen entschieden. Am kommenden Montag ist in den USA ein Feiertag, an dem kein Börsenhandel stattfindet - eine gute Gelegenheit Kasse zu machen, da Investoren auf mögliche negative Nachrichten am Wochenende nicht reagieren können.

Belastend war auch die jüngste Eskalation im Kampf zwischen Donald Trump und der US-Notenbank Federal Reserve. Dass der US-Präsident die Gouverneurin Lisa Cook entlassen hat, lässt laut Ökonomin Tiffany Wilding von der Investmentgesellschaft Pimco zwar zunächst keine direkten Auswirkungen auf die Zinspolitik erwarten. Jedoch könne die öffentliche Debatte das Vertrauen in die institutionelle Unabhängigkeit der Fed belasten, so Wielding.

Am 17. September steht die nächste Fed-Zinssitzung an. Händlerinnen und Händler sehen die Wahrscheinlichkeit für eine Senkung bei etwa 90 Prozent.

DAX: Schwungloses Ende einer schwachen Woche

Zuvor war der DAX zum Wochenschluss mit einem Minus von 0,6 Prozent auf 23.902 Punkten aus den Handel gegangen. Das Wochenminus liegt damit bei 1,9 Prozent. Für den Börsenmonat August steht hingegen nur ein Kursrückgang um 0,7 Prozent zu Buche und seit Jahresbeginn immer noch ein international herausragendes Plus von 20 Prozent.

Schwache Perspektiven für den September

Wie könnte es in den nächsten Tagen am deutschen Aktienmarkt weitergehen? Aus charttechnischer Perspektive ist die Marke von 24.000 Punkten von großer Bedeutung. Sackt der DAX nachhaltig darunter, ist von weiteren Verkäufen auszugehen. Im Ringen um die 24.000-Punkte-Marke drohe dem wichtigsten deutschen Aktienindex die Kraft auszugehen, warnt Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar vom Handelshaus Robomarkets.

Panikartige Verkäufe sind dem Experten zufolge allerdings nicht zu befürchten. Bereits bei 23.500 Punkten sieht er die nächste Haltelinie, der inzwischen ein gutes Stück von seinem Rekordhoch bei gut 24.639 Punkten aus dem Juli zurückgefallen ist.

Allerdings mahnt die Saisonalität zur Vorsicht. Der September gilt statistisch betrachtet als schwacher Börsenmonat, es könnte also vorerst weiter abwärts gehen. Die Statistik des Septembers falle bekanntlich nicht allzu rosig aus, erklärt IG-Chef-Marktanalyst Christian Henke. Die großen Börsen dieser Welt verzeichneten in diesem Monat durch die Bank Kursverluste. Aber anschließend komme der "goldene Herbst", prognostiziert der Fachmann.

Inflationsrate steigt wieder

Der wichtigste Termin des Tages waren die aktuellen Inflationsdaten. Das Leben in Deutschland hat sich im August wieder stärker verteuert. Die Verbraucherpreise lagen um 2,2 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Für Juni und Juli hatten die Wiesbadener Statistiker noch jeweils eine Inflationsrate von 2,0 Prozent errechnet. Von Juli auf August des laufenden Jahres stiegen die Preise um 0,1 Prozent.

"Es bleibt zäh: Verbraucher müssen sich darauf einstellen, dass der Preisauftrieb auch in den kommenden Monaten leicht über zwei Prozent liegt", kommentiert Michael Heise, Chefvolkswirt bei HQ Trust. Die Verbraucherpreise sind ein wesentlicher Faktor für die Geldpolitk der EZB. Die Akteure am Aktienmarkt wünschen sich sinkende Leitzinsen, da sie für die Geldanlage in Aktien sprechen. Anleihen sind aufgrund sinkender Zinsen keine attraktive Alternative.

Dass die Notenbanker aufgrund der letztlich nur leicht gestiegenen Inflation im September die Zinsen senken, ist möglich - aber ungewiss: "Für die EZB dürften die Inflationszahlen aus Deutschland in der kommenden Sitzung gegen eine Lockerung der Politik sprechen", so Heise. "Alles in allem bleibt die Inflation eingefangen", sagte der Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank, Alexander Krüger. Die EZB hatte auf ihrer letzten Sitzung im Juli eine Zinspause eingelegt, nachdem sie zuvor den Leitzins achtmal in Folge gesenkt hatte.

Rüstungstitel vor dem Wochenende gefragt

Aktien deutscher Rüstungsunternehmen zählten zum Wochenschluss zu den Favoriten der Anlegerinnen und Anleger. Im DAX ist Rheinmetall Spitzenreiter, während Hensoldt und Renk die vorderen Plätze im MDAX belegen. Auch im bisherigen Jahresverlauf liegen die drei Titel in ihren Indizes ganz vorn.

Passend zur Kursstärke der Branche finden heute die Beratungen der deutschen und der französischen Regierung über Wirtschafts- und Sicherheitsfragen in der Küstenstadt Toulon statt. Der sogenannte Ministerrat wird von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Präsident Emmanuel Macron geleitet.

PayPal will nach Milliarden-Panne Händler auszahlen

Nach der großen Sicherheitspanne bei PayPal will der US-Zahlungsdienstleister Betroffenen möglichst schnell zu ihrem Geld verhelfen. "Alle rechtmäßigen Transaktionen der Händlerinnen und Händler werden vollständig erstattet", sagte eine PayPal-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur.

Bei PayPal waren vor knapp einer Woche Sicherheitssysteme ausgefallen, die betrügerische Lastschriften herausfiltern sollen. Daraufhin hatten etliche Banken in Deutschland von der PayPal-Bank in Luxemburg weitergereichte Lastschriften mit einer Gesamtsumme im zweistelligen Milliardenbereich gestoppt. Dabei ging es um Lastschriften, bei denen PayPal das Geld vom Bankkonto der Kundinenn und Kunden einzieht, nachdem diese etwa Waren im Internet gekauft haben.

Gerresheimer bekommt einen neuen Finanzchef

Der zuletzt schwächelnde Pharmaverpackungshersteller Gerresheimer bekommt überraschend einen neuen Finanzchef. Bernd Metzner verlässt das Unternehmen zum 31. August auf eigenen Wunsch, "um sich einer neuen beruflichen Herausforderung zu stellen". Sein Nachfolger wird Wolf Lehmann, der zuletzt Operating Partner bei der Beteiligungsgesellschaft Triton war.

Mehr als 15.000 Hotels wollen gegen Booking.com klagen

Europas Hotellerie will das Reiseportal Booking.com vor Gericht bringen. Bis zum Ablauf der Frist am 29. August haben sich mehr als 15.000 Hotels aus ganz Europa einer Sammelklage angeschlossen, wie die europäische Hotelallianz Hotrec mitteile. Ziel ist es, Schadensersatz für erzwungene Preisbindungen zwischen 2004 und 2024 zu erhalten.

Tonies setzen Erholungsrally fort

Aktien von Tonies bleiben zum Wochenschluss auf Erholungskurs. Seit Ankündigung der Toniebox 2 und von Tonieplay am Mittwoch kletterten die Papiere der Audio-Plattform für Kinder um über zwanzig Prozent in die Höhe. Tonies komme am 15. September in Europa mit seiner bisher größten Produktinnovation an den Markt, so Analyst Oliver Wojahn von MWB Research.

Nvidia mahnt bei China-Gesprächen zur Geduld

Die Verhandlungen mit der US-Regierung über den Verkauf einer leistungsreduzierten Version des neuen Blackwell-KI-Chips nach China dürften Nvidia-Chef Jensen Huang zufolge noch einige Zeit dauern. Trump hatte zuletzt signalisiert, künftig auch Ausfuhren dieser Chips zu genehmigen. Kritikerinnen und Kritiker warnen, dass China dadurch die USA bei der Entwicklung von KI überholen könnte.

Gap senkt Ausblick - auch wegen US-Zöllen

Kaufzurückhaltung der Kundinnen und Kunden und die Belastungen durch US-Zölle setzen Gap zu. Der US-Bekleidungskonzern senkte gestern seine Prognose für die operative Marge und schickte damit seine Aktie auf Talfahrt. Für das Gesamtjahr werde nun eine Marge zwischen 6,7 und 7,0 Prozent erwartet, teilte Gap mit. Darin sei ein Zolleffekt von 100 bis 110 Basispunkten enthalten.

Caterpillar: Trump-Zölle kosten bis zu 1,8 Milliarden Dollar

Der amerikanische Baumaschinen-Spezialist Caterpillar befürchtet eine deutlich höhere Belastung durch die Importzölle von Präsident Trump als noch vor drei Wochen. Sie könnten das Unternehmen in diesem Jahr 1,5 bis 1,8 Milliarden Dollar kosten, wie der für seine gelben Bagger und Planierraupen bekannte Konzern mitteilte.

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