Auf der Suche nach neuem Wohnraum gibt es für viele Menschen in Deutschland Hürden. Mieten und Baukosten steigen teils massiv. In Ballungsräumen gibt es zu wenig, auf dem Land droht ein Überangebot.
Wer einmal auf Wohnungssuche war oder eine eigene Immobilie gesucht hat, weiß, wie mühsam es ist, eine neue Bleibe zu finden. In Ballungsgebieten sind die Mieten hoch. Eine Wohnung oder ein Haus in der passenden Größe ist oft unbezahlbar, auch wenn es darum geht, eine entsprechende Immobilie zu erwerben.
Diese Erfahrung musste auch Lukas machen. Er träumt von den eigenen vier Wänden: "Vor allem dann, wenn es keine familiäre Unterstützung gibt, kein Erbe in Aussicht ist und man sich die Verwirklichung seines Traumes selbst erarbeiten muss, ist das eine große Herausforderung."
Regierung will Wohnen bezahlbarer machen
Die Bundesregierung will gegensteuern. Im Mai hat das Kabinett die Verlängerung der Mietpreisbremse bis zum 31.Dezember 2029 beschlossen. Das bedeutet, dass in Gebieten mit Mietpreisbremse die Miete bei der Wiedervermietung einer Wohnung nicht mehr als zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen darf. Bei Neubauten oder umfassend modernisierten Wohnungen gibt es Ausnahmen.
Dann gibt es noch den sogenannten Bau-Turbo. Städte und Gemeinden sollen künftig die Möglichkeit erhalten, innerhalb kürzerer Zeit mehr neue Wohnungen zu bauen und die Genehmigungsverfahren zu vereinfachen. "Wir brauchen schnell mehr bezahlbaren Wohnraum", sagt Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD). Wohngebäude zu erweitern, aufzustocken und Gebäude in Wohnraum umzuwidmen soll künftig ebenfalls schneller gehen. "Das spart neben Kosten vor allem viel Zeit."
Leichter Aufwärtstrend von niedrigem Niveau
Immerhin gibt es kleine Lichtblicke für den kriselnden Wohnungsbau. Zuletzt wurden wieder mehr Baugenehmigungen in Deutschland erteilt. Die Behörden haben im ersten Halbjahr rund 110.000 neue Wohnungen genehmigt. Das waren 2,9 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2024, so das Statistische Bundesamt. Einen Aufwärtstrend gibt es vor allem bei den Einfamilienhäusern.
Für den Immobilienexperten Jochen Möbert von DB Research ist das aber noch kein Grund zum Jubeln, denn: "Die Baugenehmigungen ziehen wieder an. Aber auf sehr niedrigem Niveau."
Traum vom "schönen Wohnen" sieht unterschiedlich aus
Olivia ist Anfang 20. Sie studiert noch. Was schönes Wohnen bedeutet, da hat sie konkrete Vorstellungen. Sie zieht es in die Stadt. "Nicht zu weit auf dem Land" sollte die Wohnung sein. "Vor allem für junge Leute ist es wichtig, dass man auch das Gemeinschaftsleben mitbekommt."
Lukas schaut auf andere Kriterien. Er träumt vom Wohnen im Grünen, denn er treibt Sport und verbringt gerne Zeit im Wald. "Zum zweiten ist eine Nähe zur Arbeit entscheidend, und mit Blick auf Familie: Wie ist die Infrastruktur? Gibt es eine Kindertagesstätte? Und wie ist die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr?"
Es gibt genug Wohnraum
Die Situation in Deutschland hat etwas Kurioses. Es sollte eigentlich genug Wohnraum geben; womöglich sogar mehr Wohnraum, als gebraucht wird. Das Problem ist nur, dass der Wohnraum schlecht verteilt ist. Dort, wo Wohnungen gebraucht werden, wo sie vor allem langfristig gebraucht werden, wird zu wenig gebaut. Im ländlichen Raum, also dort, wo tendenziell immer weniger Menschen leben, wird möglicherweise jetzt schon zu viel gebaut.
Diese Diskrepanz dürfte sich in den kommenden Jahren sogar noch verschärfen, vermutet Immobilienexperte Jochen Möbert. "Nach meinen eigenen Projektionen wird der Wohnraummangel bis 2040 nur noch in den starken Metropolregionen vorhanden sein, also Berlin, Frankfurt, München, Köln, Stuttgart, Hamburg, Leipzig."
In Zukunft werde es darum gehen, den Wohnraum besser zu verteilen. "Es wird viel Bewegung in den Markt kommen", glaubt Andreas Pfnür, Leiter des Fachbereichs Immobilienwirtschaft und Baubetriebswirtschaftslehre an der TU Darmstadt. Er ist davon überzeugt, "dass die Vorstädte wieder gewinnen. Das Land gewinnt wieder, weil dort einfach das Preis-Leistungsverhältnis für Wohnraum besser aussieht als in der Innenstadt."
Abstriche machen, wenn es sein muss
Doch das bedeutet noch lange nicht, dass der verfügbare Wohnraum in Zukunft auch bezahlbar sein wird. Viele Menschen haben Angst vor den großen finanziellen Belastungen, die beim Bau oder beim Kauf einer Immobilie auf sie zukommen werden. Damit verbunden ist die Sorge, ob es über einen langen Zeitraum zu schaffen ist, die Hypothekenkredite zu bedienen. "Wir haben, glaube ich, einen unglaublichen Nachholbedarf, zum Thema kostenoptimiertes Bauen", sagt Andreas Pfnür.
Olivia kann sich trotzdem gut vorstellen, später mal in den eigenen vier Wänden zu wohnen. "Ich wäre schon bereit, auf Dinge zu verzichten, um mir den Traum von den eigenen vier Wänden zu ermöglichen." Die Studentin denkt dabei etwa an Urlaubsreisen. Aber erst einmal heißt es für sie abwarten, das Studium beenden und danach eine Arbeitsstelle finden.
Für Lukas kann das Abstrichemachen vieles bedeuten: "Es gibt viele Möglichkeiten, sich zu beschränken und zu fragen: Was brauche ich wirklich?" Dazu gehört etwa, sich zu überlegen, wie ein Haus ausgestattet werden soll. "Bin ich damit zufrieden, wenn ich vielleicht in einem Reihen-Mittelhaus lebe oder in einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus und auf das große Eckgrundstück mit Blick auf den Wald verzichte?" Für Lukas sind das entscheidende Fragen, wenn es darum geht, den Traum von den eigenen vier Wänden zu verwirklichen.
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