Am Freitagnachmittag hat Wolodymyr Selenskyj den bisherigen Chef des Militärgeheimdienstes, Kyrylo Budanow, zum neuen Leiter des Präsidialamts ernannt — und damit zu seinem neuen Stabschef. Budanow folgt auf den viel diskutierten Andrij Jermak, der Ende 2025 im Zuge eines schwelenden Korruptionsskandals zurückgetreten war. Der Präsident sprach nun von einer „umfassenden Neuausrichtung“ und nannte als Ziel, die Ukraine „widerstandsfähiger“ zu machen.

Der 39-jährige Budanow ist in der Ukraine beliebt und gewissermaßen eine Kultfigur. Als ehemaliger Soldat der Spezialkräfte kämpfte er nach 2014 selbst im Donbass und trägt bis heute Narben der Kämpfe. In seiner Rolle als Militärgeheimdienstchef befasste er sich vor allem mit Operationen hinter den russischen Linien. Koordinierte Operationen tief in Russland – wie etwa Operation Spiderweb – zählen zu den spektakulärsten ukrainischen Erfolgen in diesem Krieg. Auch bei den wichtigsten Unterstützern, allen voran den USA, ist Budanow hoch angesehen. Er wurde im Rahmen eines von der CIA unterstützten Programms vor einigen Jahren ausgebildet.

Budanov tritt zurückhaltender auf als sein Vorgänger und könnte damit auch die Rolle des Präsidialamts neu definieren. Jermak stand lange in der Kritik, weil er als Mikromanager galt, der sich öfters in innenpolitischen Grabenkämpfen verlor.

Dass Selenskyj am Freitagabend den 34 Jahre alten Digitalminister Mychajlo Fedorow zum Verteidigungsminister ernannt hat, ist ebenfalls mutig – aber inhaltlich konsequent. Es ist eine Chance auf echten Wandel.

Fedorow hat mit seinem Team über Jahre hinweg zentrale Bereiche der ukrainischen Verteidigung vorangetrieben – insbesondere bei Drohnen und Künstlicher Intelligenz. Zu Beginn des Krieges war er es auch, der Elon Musk kontaktierte, um das Starlink-Internet für die Ukraine zu organisieren.

In einem Interview mit WELT im Frühjahr 2024 sagte Fedorow: „Von der technologischen Entwicklung hängt die Situation auf dem Schlachtfeld und der Ausgang dieses Krieges ab.“ Angesichts der personellen Not der ukrainischen Armee gilt das heute umso mehr. Das Land braucht einen technologischen Vorsprung, um zu bestehen.

Auf alle Fälle ist Fedorow einer der fittesten Minister Europas. Wer sein Büro betritt, landet in einer Art privatem Fitnessstudio: Neben dem Schreibtisch stehen ein Laufband, ein Indoor-Fahrrad und eine Rudermaschine.

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